Claudia Nuber: «Die christliche Botschaft gibt uns keine einfachen Antworten»
Karfreitag gibt Möglichkeit Leid und Ungerechtigkeit zu benennen und mitzutragen. Gleichzeitig gibt der christliche Glaube Orientierung und Grundvertrauen. «Selbst im Tod – den ich als absolutes Scheitern ansehen kann – sind wir gehalten von Gott», sagt die Luzerner Seelsorgerin Claudia Nuber.
«Ostern ist ein Fest, dem ein Weg vorausgeht. Kein Ostern ohne Karfreitag: Wir nehmen das Leid und die Ungerechtigkeit wahr, benennen sie, geben ihnen Raum, solidarisieren uns, tragen das Leid im Gebet vor Gott, halten es aus. Das ist anstrengend. Leben feiern heisst eben auch, das Todbringende in der Welt wahrzunehmen, Trauer und Schmerzen zuzulassen und nicht einfach darüber hinwegzugehen. Karfreitag ist darum für mich ein stiller Tag. (…)
Die Osterfeierlichkeiten beginnen im Dunkel der Nacht; klein, aber unaufhaltbar; zaghaft, aber immer stärker werdend. Sich in diese Symbolik mit hineinnehmen lassen, sich selbst, mit allen eigenen Fragen, Zweifeln, Sorgen, aber auch sich mittragen lassen von dem Licht, dem Gesang, der Freude der anderen Mitfeierenden: sich selbst bestärken lassen, rückbesinnen auf die Wurzen, die mich halten, auf die Quellen, die mir Kraft geben – das macht für mich Ostern aus. Die christliche Botschaft gibt uns keine einfachen Antworten, sondern grundsätzlich Orientierung und Grundvertrauen. (…)
Die Bibel ist voll von Beispielen, dass gesellschaftliche Massstäbe wie Leistung und gesellschaftliches Ansehen weniger wichtig sind, dass hingegen gescheiterte Menschen von Gott besonders geliebt sind und in den Mittelpunkt gestellt werden. Gerade Karfreitag, wo wir an den gekreuzigten Jesus denken, an einen Menschen, der nach geltenden Massstäben gescheitert war, wird deutlich, dass die persönliche Leistung nicht im Vordergrund steht. Jeder Mensch ist geliebt und angenommen um seiner selbst willen. Selbst im Tod – den ich als absolutes Scheitern ansehen kann – sind wir gehalten von Gott.
Konkret wäre es darum schön, wenn Menschen unsere Pfarreien als einen Raum frei von Leistungsdruck erfahren. Wenn sich gerade auch Menschen mit physischen oder psychischen Handicaps hier willkommen fühlen.»
*Das sagte Claudia Nuber (50) gegenüber der «Luzerner Zeitung». Die Seelsorgerin übernahm vor rund einem Jahr übernahm sie – als erste Frau – die Leitung der Pfarrei St. Leodegar in Luzern.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




