Boom von Kircheneintritten im Kanton Schwyz? Einsiedler Mönch will ermutigen und aufbauen
In den letzten Monaten sorgte der sprunghafte Anstieg von Kirchenaustritten für Schlagzeilen. Doch es gibt auch Menschen, die den umgekehrten Weg gehen. Darauf machte kürzlich ein Instagram-Post des Klosters Einsiedeln aufmerksam: Über 700 Menschen seien 2022 alleine im Kanton Schwyz in die katholische Kirche eingetreten, hiess es. Zu schön, um wahr zu sein? Ja.
Barbara Ludwig
Das Kloster Einsiedeln begleitet seit April 2022 erwachsene Menschen, die der römisch-katholischen Kirche beitreten wollen. Das Angebot nennt sich Katechumenat, bereitet also vor auf die Aufnahme in die Kirche durch das Sakrament der Taufe.
Es richtet sich allerdings nicht nur an Ungetaufte, sondern auch an Angehörige anderer christlicher Konfessionen und Ex-Katholiken, die übertreten beziehungsweise wieder eintreten wollen. Parallel zu dem Angebot hat der zuständige Einsiedler Pater Cyrill Bürgi die Webseite «katholisch-werden.ch» entwickelt. Dort gibt es Informationen zu Taufe, Übertritt (Konversion) und Wiedereintritt.
702 «neue» Katholiken im Kanton Schwyz
Am 11. Dezember weckte ein Instagram-Post des Klosters Einsiedeln das Interesse – und machte stutzig. «Über 700 Menschen sind letztes Jahr (2022, d. Red.) alleine im Kanton Schwyz in die katholische Kirche eingetreten. Auch wir begleiten Menschen auf diesem Weg», hiess es da. Darunter folgte ein Link auf die Webseite «katholisch-werden.ch».
Über 700 Eintritte, kann das sein? Kath.ch hat beim Schweizerischen Pastoralsoziologischen Institut (SPI) in St. Gallen nachgefragt: Im Jahr 2022 sind im Kanton Schwyz tatsächlich 702 Personen Mitglied der römisch-katholischen Kirche geworden. Bloss: Dabei handelt es sich mehrheitlich, nämlich bei 658 Fällen, um Taufen von Personen unter 18 Jahren, wohl meist Säuglinge und Kleinkinder, die auf Wunsch ihrer Eltern getauft wurden.
Nur 44 «neue» Katholiken über 18 Jahre
Drei Täuflinge waren über 18 Jahre alt. 41 Personen sind der römisch-katholischen Kirche beigetreten, ohne dass sie getauft werden mussten: 28 Katholikinnen und Katholiken, die wieder eingetreten sind; fünf Konvertiten; acht Personen, bei denen der Grund laut SPI unbekannt ist. Insgesamt handelt es sich nur bei 44 aller «neuen» Katholikinnen und Katholiken um erwachsene Menschen, die eigenständig über ihre Kirchenmitgliedschaft entschieden haben.
Von daher ist der Post des Klosters Einsiedeln irreführend oder zumindest zweideutig. Die Information veröffentlicht hat Pater Thomas Fässler. Er sei nicht davon ausgegangen, dass die Leserinnen und Leserinnen «meinen, dass alle Eintritte in die Kirche über das Katechumenat laufen», teilt er auf Anfrage mit. Vielmehr sei er davon ausgegangen, dass sich «unsere Leserschaft» darüber freut, dass auch heute so viele Menschen den Weg in der Kirche mit Gott gehen würden.
«Ich sehe unsere Beiträge auf Social Media als Werkzeug der Ermutigung und Erbauung.»
Pater Thomas Fässler
«Das baut auf, gewiss mehr als das Lamentieren über Austrittszahlen», schreibt der Benediktiner. «Ich sehe unsere Beiträge auf Social Media als Werkzeug der Ermutigung und Erbauung.» Hinter jedem Eintritt in die Kirche stehe eine «bewusste Entscheidung» und die Überzeugung, dass die Mitgliedschaft in der Kirche und der Weg mit Gott eine Bereicherung für das Leben sei, so der Pater – «auf welchem Weg und in welchem Alter auch immer dies geschieht».
Dass bei der Taufe von Kleinkindern die Eltern die Entscheidung fällen, lässt Thomas Fässler ausser Acht. Vielleicht ist aber in diesen rauen Zeiten auch die Tatsache, dass noch immer 658 Mütter und Väter der Tradition folgen und ihr Kind taufen lassen wollten, schon eine Erfolgsmeldung.
Jugendliche an Stiftsschule lassen sich taufen
Der Einsiedler Mönch teilt mit, es gebe auch an der Stiftsschule immer wieder Jugendliche, die sich bewusst für die Taufe entscheiden. «Das Entscheidende ist hier wohl der Kontakt mit Getauften, die authentisch ihren Glauben leben und dadurch überzeugend wirken», vermutet er. Das «Fehlverhalten anderer in der Kirche» scheine da keine Rolle zu spielen. «Für sie ist dieses Fehlverhalten von ihnen nicht bekannten Personen auf ihrem Weg des Glaubens nicht hinderlich. Auch dieses Differenzierungsvermögen überrascht mich immer wieder», stellt Thomas Fässler fest.
Pater Cyrill Bürgi: Lebendige Glaubensgemeinschaft erfahren
Das Katechumenat in Einsiedeln dauert in der Regel mindestens ein Jahr, teilt Pater Cyrill Bürgi auf Anfrage mit. Es besteht aus vier Phasen, deren Übergänge mit einer liturgischen Feier verbunden sind. Dabei wird auch Wert auf die Integration in die Pfarrei am Wohnort der Katechumenen, also der Taufbewerber, gelegt. Die liturgischen Feiern sollen deshalb in den Pfarreien stattfinden.
Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bleibt überschaubar. Im soeben publizierten Jahresbericht 2023 heisst es, der erste Zyklus sei im Juni vergangenen Jahres abgeschlossen worden: Drei Personen haben die Initiationssakramente Taufe, Firmung und Kommunion empfangen. Eine weitere Person werde im März im Rahmen ihrer Konversion gefirmt. Seit August ist der für das Katechumenat verantwortliche Pater mit einer neuen Gruppe von zurzeit drei Interessenten unterwegs. Weitere Personen befinden sich laut Cyrill Bürgi noch einer vorkatechumenalen Phase.
«Wir sind zu sehr mit uns beschäftigt, als wir gegen aussen strahlen können.»
Die Anfrage für Taufe und Firmung erfahre er jeweils «als Geschenk», schreibt der Mönch. Es seien meist junge Leute, die sich ernsthaft mit Gott und dem Leben auseinandersetzten. «Sie sind auf der Suche nach einer Gemeinschaft, die sie in ihren Glaubensfragen und in ihrem Glaubensleben trägt. Die durchschnittlichen Pfarreien erfahren sie selten als lebendige Glaubensgemeinschaft, die Interesse zeigt, ihren Glauben zu teilen und weiterzugeben.» Das Katechumenat mache Glaubensgemeinschaft erfahrbar. Aber, so der Mönch, diese Erfahrung bleibe «im luftleeren Raum», wenn die Taufbewerber diese in den Ortspfarreien kaum machen. Es brauche das «anziehende Feuer» in den Pfarreien.
«In der gegenwärtigen Zeit sind wir zu sehr mit uns beschäftigt, als dass wir gegen aussen strahlen können. In den eigenen Reihen sind wir kleinlaut geworden», kritisiert Cyrill Bürgi. Der Mönch zeigt sich überzeugt, dass Katechumenatsgruppen in allen Regionen aufblühen werden, sobald man den Fokus auf Christus setze und sich die von Papst Franziskus angemahnte expansive, offene und missionarische Haltung zu eigen machen. (bal)
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