Bischof Joseph Bonnemain über Veronika Jehles Kündigung: «Auch ich bin himmeltraurig»
«Gemäss kath.ch haben sich 50 Seelsorgende mit Veronika Jehle solidarisiert und ihre Traurigkeit zur Sprache gebracht. Auch ich bin himmeltraurig. Anlässlich meiner Bischofsweihe habe ich meine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass wir alle im Bistum Chur geschwisterlich miteinander umgehen werden.
Nachdem Veronika Jehle mir ihre Missio zurückschickte, habe ich ihr geschrieben und anschliessend mit ihr persönlich gesprochen. Ich habe ihr meine Bereitschaft erklärt, ihr die Missio wieder zu geben, da ich sie schätze und ihr weiteres seelsorgliches Wirken wünsche. Schlussendlich musste ich ihre unveränderte Entscheidung respektieren.
Diese Entscheidung enthält einen inneren Widerspruch. Gerade die Missio verbindet uns mit der Weltkirche, garantiert uns die Katholizität – das heisst die Offenheit für alle –, verbindet uns mit den Wurzeln unserer Christus-Nachfolge und schützt uns vor einseitigen Ideologien. Man kann nicht amtlich in der Seelsorge und in der Verkündung in der katholischen Kirche wirken und gleichzeitig keine Bindung mit ihr haben wollen.
Die Christgläubigen und viele andere Menschen erwarten gerade von uns allen in der Seelsorge Tätigen ein Zeugnis der Verbundenheit, der Geschwisterlichkeit und der Freude in der Verkündigung der Frohbotschaft.
Zu erleben, dass Seelsorgende damit Mühe haben, ruft auch in mir eine innere Zerrissenheit hervor: Als Bischof möchte ich auch mit ihnen verbunden sein und gleichzeig will ich in unserer Diözese die Katholizität fördern.
Ich sagte bei meiner Weihe zum Bischof: «Ich bemühe mich darum, allen mit der Empathie zu begegnen, die jeder Mensch verdient und ganz besonders die Geschwister im Glauben. Ich bitte euch alle ganz innig, diese Art des Umgangs und der Kommunikation miteinander einzuüben und zu pflegen.» Es ist offensichtlich, dass wir diese Atmosphäre noch nicht erreicht haben.
Desillusioniert bin ich aber nicht. Unser Glaube gibt uns die Zuversicht, dass der Heilige Geist, den Jesus uns schenkt, die Risse heilen kann: «Komm herab, o Heiliger Geist, der die finstre Nacht zerreisst, strahle Licht in diese Welt.»
Der Bischof von Chur, Joseph Maria Bonnemain, nimmt auf Anfrage von kath.ch Stellung zu einem offenen Brief. Darin solidarisieren sich 50 Seelsorgende mit der Spitalseelsorgerin Veronika Jehle, die aus Protest gegen die diskriminierenden Strukturen in den Anstellungsverhältnissen der katholischen Kirche gekündigt hatte. (rr)
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