Schweiz

Bischof Joseph Bonnemain geht nicht zum «Marsch fürs Läbe»

«Es gibt keine Sünde, die nicht vergeben werden kann», sagt der neue Bischof von Chur zum Thema Abtreibung. Den «Marsch fürs Läbe» will Joseph Bonnemain nicht unterstützen. Er kritisiert Ideologien und Militantentum.

Raphael Rauch

«Selbstverständlich trete auch ich als Bischof des Bistums Chur, wie die gesamte katholische Weltkirche, für den Schutz des Lebens vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ein. Die Heiligkeit des Lebens ist eine Grundbotschaft des Evangeliums», sagte Bischof Joseph Bonnemain dem freikirchlichen Magazin «IDEA».

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«Ich sehe meine Aufgabe aber nicht im Verurteilen und Abgrenzen. Demonstrationen auf der Strasse entsprechen nicht meiner Art. Wir müssen auf alle Menschen zugehen und für unsere Überzeugung werben.»

Kehrtwende im Bistum Chur

Bereits vor seiner Bischofsweihe hatte Joseph Bonnemain im Gespräch mit kath.ch zum Thema Abtreibung gesagt: «Man kann die Absolution jedem Menschen erteilen, der den Fehler einsieht und Gott um Vergebung bittet. Es gibt keine Sünde, die nicht vergeben werden kann.»

Dies sei «keine Frage von Grosszügigkeit. Wenn ein Mensch ehrlich Gott gegenüber sagt: ‹Es tut mir leid, ich will es besser machen›, dann kann ich doch nicht Nein sagen.»

Der damalige Weihbischof Marian Eleganti (Mitte) 2015 beim "Marsch fürs Läbe"

Der ehemalige Bischof Vitus Huonder und der emeritierte Weihbischof Marian Eleganti waren treue Unterstützer des «Marsch fürs Läbe». Huonder zog sogar bis vors Bundesgericht. Er wollte unterbinden, dass die Familien-Beratungsstelle «adebar» von der Landeskirche Graubünden finanziell unterstützt wird. Huonder verlor in Lausanne.

Gender-Fragen «nicht in Bausch und Bogen verwerfen»

Auch Gender-Fragen sind Thema des «IDEA»-Interviews. Vitus Huonder gehört zu den schärfsten katholischen Kritikern einer Gender-Theologie. Huonder beauftragte etwa 2017 die umstrittene deutsche Gender-Kritikerin Birgit Kelle, ein Hirtenwort zu verfassen. Dagegen protestierte unter anderem der Verein «Tagsatzung».

Joseph Maria Bonnemain im Gespräch

Zum Thema Gender sagte Joseph Bonnemain: «Es gibt keine einheitliche Gender-Bewegung, sondern sehr viele Strömungen, die sich mit Gender-Fragen auseinandersetzen. Darunter werden sicher auch einige sehr fragwürdige Theorien vertreten. Andere hingegen sollten wir als Kirche nicht in Bausch und Bogen verwerfen.»

Erkenntnisse aus Medizin und Psychologie berücksichtigen

Pauschalverurteilungen seien nicht hilfreich, betont der Bischof: «Auch Ideologien und Militantentum nicht. Gerade mit Blick auf die geschlechtliche Zuschreibung ist heute eine Entwicklung in Medizin und Psychologie festzustellen, die ich einerseits als Arzt und andrerseits als Seelsorger interessiert verfolge. Am Schluss geht es um den konkreten Menschen, der mit seiner individuellen Lebenssituation vor mir steht und dem ich mich zuwenden will.»


Bischof Joseph Maria Bonnemain in der Zürcher St. Josefskirche. | © Christian Merz
22. April 2021 | 10:17
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