Mann und Frau | © pixabay.com CC0
Schweiz
Mann und Frau | © pixabay.com CC0

Huonders Kritiker fordern Diskussion zu Genderfragen

Luzern, 8.12.17 (kath.ch) Dicke Post für Bischof Vitus Huonder und seine Mit-Autorin Birgit Kelle: In einem offenen Brief fordert der Verein Tagsatzung eine breite Diskussion der von Kelle aufgeworfenen Themen. Die Autorinnen der Gender-Broschüre haben diese dem Bischof zugeschickt und kritisieren, Kelle verdrehe den Begriff «Gender-Mainstreaming» böswillig.

Im offenen Brief an Bischof Huonder und die deutsche Autorin Birgit Kelle, welche das Wort zum Menschenrechtstag für das Bistum Chur verfasst hat, fordert der Verein Tagsatzung von den beiden «mehr Sorgfalt!»

Birgit Kelle in einer Aufnahme aus dem Jahr 2014 | © kna

Die von Kelle aufgegriffenen Themen würden «in einer vereinfachenden dualistischen und polarisierenden Sicht» dargestellt. Dabei käme es auch zu Diffamierungen und Unterstellungen. «Lässt eine solch abwertende Darstellung nicht den nötigen Respekt vermissen, den wir allen Menschen schulden – auch jenen, die anderer Meinung sind?», fragt der Verein reformorientierter Katholiken in seinem Schreiben vom 8. Dezember.

Breite Diskussion erwünscht

Entsprechend stellt die Tagsatzung viele Rückfragen: «Stehen Eltern und Staat wirklich in einem unversöhnten Gegensatz? Braucht es nicht die gegenseitige Ergänzung, das gemeinsame Ringen um angemessene Wege?»

Die Tagsatzung würde eine möglichst breite Diskussion der von Kelle aufgeworfenen moralischen Themen und Werte – etwa zur Sexualerziehung – begrüssen. Diese seien wichtig und dürften nicht plakativ abgehandelt werden. Vielmehr brauche es eine breite Diskussion, bei der die ethisch- moralische Begründung genügend beachtet werde. «Sollte ein Bischofswort nicht eher zu einem solchen Dialog einladen und motivieren?»

«Ein Bischofwort sollte zum Dialog einladen.»

Die Tagsatzung wünscht sich Bischofsworte, die getragen sind «von der christlichen Grundhaltung, gemeinsame und miteinander verantwortete Lösungen zu suchen, die etwas vom Heilswillen und der Menschenfreundlichkeit Gottes in der heutigen Zeit sichtbar machen.»

Auch die Herausgeberinnen der Broschüre «Let’s talk aubout Gender» haben sich direkt an Bischof Vitus Huonder gewandt, indem sie ihm die im März erschienene Broschüre zugeschickt haben, wie sie am 8. Dezember mitteilten. Als Absenderinnen zeichnen die feministisch-theologische Zeitschrift Fama, die Frauenkirche Zentralschweiz, die Interessengemeinschaft Feministische Theologinnen und der Schweizerische Katholische Frauenbund.

Missverstandener Begriff

In ihrer Mitteilung weisen sie darauf hin, dass der Begriff «Gender-Mainstreaming» oft «missverstanden oder bewusst fehlinterpretiert» werde. Kelle unterstelle beispielsweise, dass Gender-Mainstreaming zum Ziel habe, in den Kindergärten sexuelle Vielfalt und Freizügigkeit zu lehren. Diese unbelegten «und in der vorgebrachten Art als böswillig zu bezeichnenden Verdrehungen» hätten lediglich zum Ziel, Frauen und Männer wieder an ihre traditionellen Plätze zu verweisen.

«Sich seriös mit Gender auseinandersetzen.»

Diese immer noch dominierenden Geschlechterbilder seien mit ein Grund, weshalb Frauen in vielen Bereichen nach wie vor benachteiligt seien – etwa beim Lohn oder hinsichtlich ihrer Chancen in Politik und auf dem Arbeitsmarkt.

petition Huonder

Bischof Vitus Huonder | © Georges Scherrer

Gewisse kirchliche Kreise seien nach wie vor nicht bereit, sich seriös damit auseinanderzusetzen, was Gender wirklich meine und was Gender-Mainstreaming anstrebe, nämlich die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter. Die Theologinnen liefern in ihrer Mitteilung eine Definition des Begriffs und verweisen «für den Einstieg in eine ernsthafte Diskussion» auf ihre Broschüre. Das Bistum Chur äusserte sich nicht zu den beiden Schreiben.

In seinem diesjährigen Wort zum Menschenrechtstag vom 10. Dezember hat der Churer Bischof Vitus Huonder die deutsche Autorin Birgit Kelle zu Wort kommen lassen. Diese wirft der Gender-Forschung vor, das Kindeswohl zu einem Instrument der Indoktrination von Kindern umzudeuten. In Schulen würde Kindern erklärt, sie hätten «ein eigenes Recht auf Sexualität, auch gegen den Willen ihrer Eltern», ein Recht auf Wissen um diverse sexuelle Orientierungen bis hin zu Sexualpraktiken. Eltern hätten die Pflicht, ihre Kinder vor solchen Einflüssen zu schützen. (sys)


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