Bischof Grögli an Ranft-Wallfahrt: «Ich muss in mir den Frieden finden»
An der traditionellen Wallfahrt der Seelsorgenden, Priester und Diakone der Schweiz nach Sachseln und in den Ranft haben am Montag gegen 20 Personen teilgenommen. Im Gottesdienst predigte der Bischof von St. Gallen, Beat Grögli. Einige Seelsorgende kennen den Nationalheiligen Niklaus von Flüe, genannt Bruder Klaus, bestens.
Regula Pfeifer
«Ich verehre Bruder Klaus schon lange. Er ist für mich der grösste Schweizer Heilige», sagt Leo Stocker auf die Frage, weshalb er an diesem 14. September an der Wallfahrt für Seelsorgende, Priester und Diakone der Schweiz teilnimmt. Der leitende Priester im Pastoralraum Oberes Fricktal im Aargau nimmt seit Jahren an dieser traditionellen Wallfahrt teil.
Auskunft geben er und weitere Pilgernde während des Besuchs im Museum Bruder Klaus unweit der Wallfahrtskirche in Sachseln. Da finden nach dem Gottesdienst ein Apero und eine kurze Einführung durch den Bruder-Klausen-Kaplan Ernst Fuchs in die Ausstellung über den Nationalheiligen statt. Gegen 20 Personen sind da und tauschen sich angeregt aus.
Apero unter Seelsorgenden
Ernst Fuchs weist gegenüber kath.ch darauf hin, dass die Zahl der Teilnehmenden in diesem Jahr eher klein war. «Es freut mich, ein paar Kolleginnen und Kollegen der Seelsorge zu treffen», sagt der Priester Beat Kaufmann zu kath.ch. Er hätte sich aber mehr Teilnehmende gewünscht.
Der innere Kampf des Bruder Klaus
Bruder Klaus-Verehrer Leo Stocker weiss viel über den heiligen Niklaus von Flüe. Er liest immer wieder Bücher über ihn und korrigiert die gängige Vorstellung, der Heilige habe seine Familie im Stich gelassen. Das stimme nicht, Bruder Klaus habe sich erst in den Ranft zurückgezogen, als sein ältester Sohn erwachsen war und den Bauernhof übernehmen konnte. Zudem habe seine Ehefrau ihn gehen lassen, nachdem sie miterlebt habe, wie er mit sich haderte.
Bruder Klaus habe einen langen Kampf mit sich gerungen, sagt der Aargauer Priester weiter. In der Einsiedelei im Ranft habe er dann seinen inneren Frieden gefunden. Daraus leitet Stocker ab: Jeder Christ, jede Christin müsse zuerst mit sich selbst ins Reine kommen. Erst danach sei es ihm oder ihr möglich, Gottes Willen zu erkennen und zu erfüllen. Und dies «macht dich frei», ist Stocker überzeugt.
Auch Seelsorgende können Impulse geben
Dem bereits erwähnten Beat Kaufmann, Priester der Pastoralräume Luzerner Hinterland und im Rottal, bedeutet Bruder Klaus dies: «In der Stille, im Gebet ganz verbunden zu sein mit der Gegenwart.» Der Ranft-Eremit habe Gott in der Einsamkeit gesucht und dadurch Impulse geben können für die damalige Zeit. «Auch wir Seelsorgende können versuchen, aus dem Gebet heraus gute Impulse zu geben in die heutige Gesellschaft, zu aktuellen Fragen», folgert er.
Der gebürtige Äschlismatter (aus Escholzmatt) findet: «Mindestens einmal im Jahr muss man in den Ranft pilgern.» Er selbst beteiligt sich seit langem an der jährlichen Fusswallfahrt von seinem Heimatort aus über den Sattel nach Sachseln und ins Melchtal. Es sei gerade in diesen unruhigen Zeiten wichtig, Bruder Klaus und seine vermittelnde Tätigkeit nicht zu vergessen, so Kaufmann. «Er konnte Leute zusammenführen und zu Lösungen beitragen, etwa im Stanser Verkommnis von 1481.» Eine solche Vermittlung wäre laut Kaufmann heute im Krieg zwischen Russland und der Ukraine dringend notwendig.
Bruder Klausen-Kaplan Ernst Fuchs kennt den Nationalheiligen seit Kindheit. Er hat in Einsiedeln die jährliche Landeswallfahrt in den Ranft schon früh mitbekommen. «Bruder Klaus bedeutet mir sehr viel als Mystiker und als Friedensstifter», sagt Fuchs heute. Wie andere Anwesende hat auch er Bücher über ihn gelesen. Später wurde Ernst Fuchs Vikar in Sachseln, seit September 2022 ist er hier Kaplan.
Die Pilgerarbeit bereite ihm Freude, sagt Fuchs. Sie habe eine internationale Dimension erhalten. «Es kommen Pilgergruppen nicht nur aus der Schweiz und Europa, sondern auch aus Asien, Afrika und Amerika.» Jährlich kommen über 100’000 Pilgernde nach Sachseln und Flüeli-Ranft.
Esther Holzer ist zum ersten Mal an der Wallfahrt der Seelsorgenden dabei. Sie arbeitet als Seelsorgerin im Pastoralraum Wasseramt Ost bei Solothurn. Holzer will die Gelegenheit nutzen, den neuen Bischof von St. Gallen, Beat Grögli, kennen zu lernen und das Museum Bruder Klaus zu besuchen. «Privat bin ich oft im Ranft», sagt die Seelsorgerin. «Wenn ich nicht mehr weiterweiss, komme ich hierher Kraft schöpfen und mich ausruhen.»
Bischof Beat Grögli stösst später zum Apero hinzu. Er hat zuvor den Gottesdienst in der Wallfahrtskirche geleitet und die Predigt vor rund 50 Gläubigen gehalten. Dabei erwähnt auch er die vermittelnde Tätigkeit des Bruder Klaus. Heute gehe es um die Frage, «was uns verbindet», sagt Grögli im Gottesdienst. Er spricht über das Fest Kreuzerhöhung, das am 14. September 335 in Jerusalem seinen Anfang nahm. Das Kreuz verbinde unten mit oben, sagt er. Bruder Klaus sei in den Ranft hinabgestiegen und habe von dort nach oben, zu Gott hin, das «einig Wesen» gefunden.
Der Bischof von St. Gallen ist vom Bruder-Klausen-Kaplan eingeladen worden, die Predigt im Wallfahrtsgottesdienst zu halten. «Ich habe die Einladung gern angenommen», sagt er gegenüber kath.ch. Er bezeichnet diese Wallfahr als «gute Sache», und ist zum ersten Mal dabei. Auch er betont die Bedeutung der Friedensbotschaft von Bruder Klaus in der aktuell unsicheren Weltlage. Dabei meint Grögli nicht nur den weltpolitischen, sondern auch den persönlichen Frieden. «Ich muss auch den Frieden in mir finden, bei allem, was mich herausfordert.»
Ursprung der Wallfahrt der Seelsorgenden
Die Seelsorgendenwallfahrt geht auf die 1981 erstmals durchgeführte Deutschschweizer Wallfahrt der Priester und Diakone zu Bruder Klaus zurück. Diese wurde vor einigen Jahren bewusst auch für Seelsorgerinnen und Seelsorger geöffnet, heisst es seitens des Wallfahrtsbüros. Gelegentlich hätten auch französisch- und italienischsprachige Seelsorgende teilgenommen. Diesmal wurden Seelsorgende aus der ganzen Schweiz eingeladen.
Die Predigten der Seelsorgendenwallfahrt dienen jeweils auch als Anregung für die Pfarreien. Sie sind auf www.bruderklaus.com unter «Impulse zur Messgestaltung» online abrufbar. (rp)
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