Die vier jungen Polen Agnieszka Mucha, Wojciech Jagoda, Edyta Bałuch und Jakub Lazar (v.l.)  mit ihren Gastgebern Hans Frey und Ariane Gloor (hinten). | © Boris Burkhardt
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Die vier jungen Polen Agnieszka Mucha, Wojciech Jagoda, Edyta Bałuch und Jakub Lazar (v.l.) mit ihren Gastgebern Hans Frey und Ariane Gloor (hinten). | © Boris Burkhardt

Basler Taizé-Veteranen öffnen Haus und Herz für junge Menschen aus Polen

Basel, 30.12.17 (kath.ch) Gegen 20’000 junge Menschen singen, beten und leben derzeit im Geiste der Ökumene miteinander beim 40. Taizé-Jugendtreffen in Basel. Darunter sind zwei junge polnische Pärchen aus Oberschlesien, die eine Unterkunft beim pensionierten Paar Ariane Gloor und Hans Frey in Basel gefunden haben. Gasteltern und Gäste wussten zuvor nicht, wer sie erwarten würde: Doch das Schicksal führte passionierte Taizé-Anhänger zusammen, junge und alte.      

Boris Burkhardt

Agnieszka Mucha hatte sich keine wirklichen Vorstellungen von den Dimensionen des Taizé-Jugendtreffens in Basel gemacht: «Als es hiess, wir gehen ins Stadion, dachte ich, es sei von einem Match die Rede, bis ich begriff, dass wir das sind im Stadion.» Die Polin mit dem akzentfreien Oxford-Englisch ist eine von gegen 20’000 jungen Christen aus ganz Europa und darüber hinaus, die jeden Abend vom 28. bis 31. Dezember in der grossen Halle des St. Jakobparks, direkt neben dem gleichnamigen Fussballstadion, zum Beten und Singen zusammenfinden.

Hans Frey war 1966 erstmals in Taizé

Weitere drei junge Menschen sind ihr Freund Wojciech Jagoda, der mit ihr von ihrem jetzigen Wohnort London nach Basel gekommen ist, sowie ein weiteres Pärchen, Edyta Bałuch und Jakub Lazar, das direkt mit dem Bus aus aller vier Heimat rund um Katowice in Oberschlesien gekommen ist. Alle vier sind 18 Jahre jung und wohnen für die vier Nächte bei Ariane Gloor (63) und Hans Frey (74) im Hirzbrunnen-Quartier in Basel. Die Gasteltern teilen die Begeisterung der jungen Menschen für Taizé: Er war 1966 zum ersten Mal dort, sie 1972.

Wer die vier Jugendlichen sein würden, wussten Gloor und Frey bis zum Tag der Ankunft nicht.

Die beiden Taizé-»Veteranen» mussten nicht lange überlegen, als sie im Sommer angefragt wurden, ob sie Platz für die Jugendlichen hätten. «Wir mussten nur kurz durchrechnen, wie viele wir beherbergen können», lacht Gloor. Wer die vier Jugendlichen sein würden, wussten Gloor und Frey bis zum Tag der Ankunft nicht, nicht einmal, aus welchem Land sie kommen würden.

Gegenseitige Begeisterung

Wojciech Jagoda und Jakub Lazar (v.l.) studieren einen Stadtplan von Basel. | © Boris Burkhardt

Gloor hätte zwar lieber frankophone Gäste gehabt, weil ihr die Sprache besser liegt als das Englische, wie sie sagt. Aber sie ist restlos begeistert von den vier Jugendlichen: «Sie sind sehr freundlich und glücklich und liebevoll und dankbar. Sie sind mehr, als ich erwartet hatte, und eine positive Überraschung.»

«Die Jugendlichen sind sehr freundlich und glücklich und liebevoll und dankbar.»

Das Kompliment gibt Wojciech gerne zurück: «Wir sind erstaunt, wie willkommen wir hier im Haus aufgenommen wurden.» Und Agnieszka sagt fröhlich: «Das Essen ist das Beste. Ich liebe gutes Essen.»

Die vier jungen Menschen schlafen auf Reisebetten im gemütlich ausgebauten Keller im Hause Gloor-Frey. Geduscht und zähnegeputzt wird zwei Stockwerke darüber: Das einzige Bad im Haus ist mit Klebezetteln an der Tür markiert. An den anderen Türen steht «Privat».

Intensives Tagesprogramm

An ihrem zweiten Tag sind die Jugendlichen hundemüde. Erst um 21.30 Uhr kommen sie vom gemeinsamen Gebet in der St. Jakobshalle zurück. Schon um 7.15 Uhr wurden sie von ihren Gasteltern mit Taizé-Musik von der Stereoanlage geweckt. Das Morgengebet rund eine Stunde später fand für die 300 Jugendlichen, die im nördlichen Kleinbasel und angrenzenden Riehen untergekommen sind, in den Riehener Kirchen statt.

Musik und Glaube

Edyta Bałuch (v.l.) und Agnieszka Mucha fühlen sich wohl bei ihren Gasteltern in Basel. | © Boris Burkhardt

Am Nachmittag besuchten die vier Workshops in verschiedenen Kirchen Basels, Wojciech, der Cello spielt und Musik studieren will, zum Beispiel in der Predigerkirche mit vier Orgeln. Jedem Tag ist ein geistliches Motto vorgegeben; beim Freitagsmotto «Die Quelle der Freude freilegen» fiel Agnieszka vor allem die sehr unterschiedliche Herangehensweise der Jugendlichen auf: «Die Introvertierten dachten eher darüber nach, wie sie Freude erhalten, die Extrovertierten, wie sie anderen Freude machen können.»

Für Agnieszka und Wojciech ist tatsächlich die Musik die stärkste Verbindung zum Glauben, die sie unter anderem in ihrem Kirchenchor in London finden. Auch Edyta singt in ihrer Heimatgemeinde im Jugendchor. Jakub dient als Ministrant. Die beiden jungen Männer unternehmen ausserdem regelmässig Wallfahrten in Polen, die von der Kirche organisiert werden.

Konfessionen spielen keine Rolle mehr

Taizé-Gebet in der St. Jakobs-Arena in Basel | © Georges Scherrer

Die Atmosphäre in der St. Jakobshalle beschreibt Agnieszka als «überwältigend: Tausende Menschen an einem Ort. Alles ist dunkel und nur mit Kerzen erhellt.» Auch von der Qualität der Gebete sei sie überrascht: «Abgesehen von den traditionellen Gebeten wie dem Vaterunser gibt es viel Raum für Meditation und offenen Dialog. Keiner fühlt sich verurteilt.» Dass sie mit vielen Nicht-Katholiken zusammen bete, sei ihr überhaupt nicht aufgefallen.

Die Konfessionen spielen auch im Leben von Ariane Gloor und Hans Frey keine Rolle. Er ist römisch-katholisch, sie reformiert. Den sonntäglichen Gottesdienst besuchen sie abwechselnd beim anderen. Gloor nimmt an der Eucharistie teil. Frey kommt gerne mit zum Abendmahl, «wenn es denn mal eines gibt bei den Reformierten».

«Es war mir wichtig, aus dem monotonen Alltagsleben auszubrechen.»

Das vorbehaltslos ökumenisch organisierte Taizé nimmt einen wichtigen Platz in beider Leben ein: Jedes Jahr besuchen sie das burgundische Dörfchen mit 170 Einwohnern. Sie haben Freunde, die dort wohnen. Auch an den jetzigen Veranstaltungen in Basel nehmen sie teil. Frère Roger, den Schweizer Ordensgründer, kannten beide persönlich. Tief beeindruckt hat sie sein Gebet «Gib uns die Einfachheit». – «Wir freuen uns, dass wir den jungen Menschen heute etwas bieten können. So können wir etwas von dem zurückgeben, was wir von Taizé erhalten haben», sagen beide.

Auch die Jungen wollen einmal nach Taizé

Und die Jungen? Für die beiden Männer ist es bereits das zweite Taizé-Jugendtreffen: Wojciech war 2015 in Valencia, Jakub 2016 in Riga dabei. Alle vier sind sich einig, dass sie noch viele Jahre an den Jugendtreffen teilnehmen werden. Und auch Taizé selbst wollen sie einmal besuchen. «Ich habe von diesem Treffen weit mehr erhalten, als ich erwartet hätte», sagt Agnieszka: «Es war mir wichtig, aus dem monotonen Alltagsleben auszubrechen und etwas Besonderes zu tun.»


Basel im Taizé-Fieber

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