Bischöfe und Kardinäle beim Friedensgebet während der Weltsynode, 2023
Vatikan

Auf der Zielgeraden: Weltsynode könnte weitreichende Folgen haben

Bald tagt die Weltsynode: Seit 2021 debattieren Bischöfe, Theologen und Laien über eine grundlegende Reform der katholischen Kirche. Gemeinsames Beraten soll künftig die Kleriker-Macht ersetzen.

Ludwig Ring-Eifel

Knapp vier Wochen lang wird in Rom eine weltweite Synode tagen und über eine grundlegende Reform der katholischen Kirche beraten. Sie beginnt formal am 2. und endet am 27. Oktober.

272 Bischöfe sind dabei

Beraten und abstimmen werden 368 Synodale aus allen Erdteilen, 272 davon sind Bischöfe, knapp ein Achtel sind Frauen. Letzteres ist ein absolutes Novum in der katholischen Kirchengeschichte.

Nasaruddin Umar, Grossimam der Istiqlal-Moschee in Jakarta, und Papst Franziskus, 5. September 2024 in Jakarta (Indonesien).
Nasaruddin Umar, Grossimam der Istiqlal-Moschee in Jakarta, und Papst Franziskus, 5. September 2024 in Jakarta (Indonesien).

Die Teilnehmer werden an runden Tischen sitzen und gleichberechtigt reden und abstimmen. Nur Vorschläge, die eine Zweidrittelmehrheit erhalten, werden am Ende dem Papst zur Entscheidung vorgelegt.

Keine Schnellschüsse erwartet

Beobachter erwarten zunächst keine sensationellen Entscheidungen bei strittigen Fragen wie Zölibat oder Zulassung von Frauen zu kirchlichen Ämtern. Papst Franziskus hat vorab entschieden, dass diese Fragen von externen Arbeitsgruppen debattiert werden sollen.

Diese Arbeitsgruppen werden zu Beginn der Synode Zwischenberichte abgeben, die aber vermutlich nicht direkt in die Debatten und Beschlüsse der Synode einmünden werden. Vorschläge wie die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern hätten angesichts der Zusammensetzung der Synode vermutlich ohnehin keine Zweidrittelmehrheit erhalten.

Weltsynode in Rom im Oktober 2023. Die Fortsetzung hat am 2. Oktober 2024 begonnen.
Weltsynode in Rom im Oktober 2023. Die Fortsetzung hat am 2. Oktober 2024 begonnen.

Transparente Entscheidungswege

Doch auch ohne diese Themen ist die von Papst Franziskus vorgegebene Aufgabe für die Synode spannend: Es geht darum, Wege zu einer «synodalen Kirche» zu finden – und diese Wege vom Vatikan über die Bistümer bis hinunter in die Gemeinden, zu verwirklichen. Dazu müssen, wie es im Vorbereitungstext heisst, klerikale und intransparente Beratungs- und Entscheidungswege überwunden werden.

An ihre Stelle sollen gemeinschaftliche Beratung, Transparenz und Rechenschaftspflicht treten. An denen mangelte es in der katholischen Kirche bisher oft – wodurch Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Vertuschung von Straftaten begünstigt wurden.

Klerikalismus überwinden

Kritisiert wird im Arbeitspapier der Synode der «Klerikalismus, der auf der impliziten Annahme beruht, dass geweihte Amtsträger niemandem gegenüber für die Ausübung der ihnen verliehenen Autorität rechenschaftspflichtig seien».

Gottesdienst mit Papst Franziskus am 10. September 2024 auf der Esplanade von Taci Tolu in Dili (Osttimor).
Gottesdienst mit Papst Franziskus am 10. September 2024 auf der Esplanade von Taci Tolu in Dili (Osttimor).

Ein anderes zentrales Anliegen des Papstes für die Synode ist die Beteiligung des «Volkes Gottes» am Leben der Kirche. Das gilt für Gottesdienste, aber auch für Entscheidungen über die Zukunft der Kirche. Das, was die Weltsynode im Grossen vormacht – also die Mitwirkung der Laien – soll auch an der kirchlichen Basis umgesetzt werden.

Dezentralisierung der Kirche

Für die Katholiken im deutschsprachigen Raum, wo schon lange die Laien aktiv an Gottesdiensten mitwirken und die Pfarrer nicht mehr ohne Pfarrgemeinderäte oder Kirchenvorstände entscheiden können, ist dieser Teil nicht wirklich neu. Sie werden sich aber für einen anderen wichtigen Aspekt der Struktur-Reform einsetzen: die Dezentralisierung der Kirche.

Mehr Eigenständigkeit für Bischofskonferenzen?

So wird im Arbeitspapier vorgeschlagen, «die nationalen Bischofskonferenzen als kirchliche Subjekte anzuerkennen, die mit lehrmässiger Autorität ausgestattet sind». Die sollen die Möglichkeit haben, die «liturgischen, disziplinären, theologischen und spirituellen Ausdrucksformen zu fördern, die auf die verschiedenen soziokulturellen Kontexte abgestimmt sind». Das heisst konkret: Die Bischofskonferenzen sollen mehr Möglichkeit erhalten, mit der Kirche in ihrem Land eigene Wege zu gehen.

Priesterweihe von Mitgliedern des Opus Dei in der Basilika San Eugenio in Rom
Priesterweihe von Mitgliedern des Opus Dei in der Basilika San Eugenio in Rom

Ob dies dann sogar Fragen wie den Zölibat oder die Zulassung von Frauen zu kirchlichen Ämtern beinhaltet, sagt der Text nicht. Er betont aber, es solle die «von Papst Franziskus angemahnte und von vielen Bischofskonferenzen geforderte ‘heilsame Dezentralisierung’ geben».

Mehr Laienmitbestimmung

Mit einer Reform der katholischen Weltkirche in Richtung mehr Dezentralisierung und Laien-Mitbestimmung geht Papst Franziskus – falls die Synode dies alles beschliesst – Risiken ein. Schon heute sind innerhalb der Weltkirche die Unterschiede erheblich – etwa zwischen der jeweiligen Mehrheit der Bischöfe in Polen und in Deutschland.

Anzeige ↓ Anzeige ↑

Der Papst muss aber «den Laden zusammenhalten». Diese Aufgabe wird nicht leichter, falls die Synode tatsächlich Vorschläge für mehr Eigenständigkeit der einzelnen Bischofskonferenzen beschliesst. (cic)


Bischöfe und Kardinäle beim Friedensgebet während der Weltsynode, 2023 | © Youtube
20. September 2024 | 16:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!