Schweiz

Angelina lernt so einiges über Weihnachtsmenüs

Zürich, 16.12.16 (kath.ch) Kürzlich wollte ich mir die Schweiz ein bisschen anschauen. Und da ja bald Weihnachten, das grosse Familienfest ist, setzte ich mich in einen Zug und dort, ja genau, in den Familienwagen. Ah, da wurde gespielt und gelacht!

Wunderbar, dachte ich und wollte schon weitergehen, als eine Frau mit Baby auf dem Arm zu ihrer Freundin sagte: «Ich bin froh, wenn diese Scheissweihnachten vorbei ist!» – Ach, da ist mir mein Engelshaar zu Berge gestanden! Ich komme auf die Erde, bin ganz gespannt wie die Menschen Weihnachten feiern und dann so ein Wort. Klarer Fall: Ich musste mehr wissen.

Aber nachdem ich den beiden Müttern zugehört hatte, musste ich sagen: Wir im Himmel können das schon viel lockerer angehen. Es war nämlich so, dass die Frau an Weihnachten immer die ganze Familie ihres Mannes zum Essen bei sich zu Hause hat. Das sind: Schwiegereltern und die drei Geschwister des Mannes mit mehr oder weniger grosser Familie. 14 Leute, davon 8 Kinder, sind das alle miteinander. «Und ich sage dir, die sind ja so was von heikel», erklärte die Frau ihrer Freundin.

Ich versuche das, was danach kam, so genau wie möglich nachzuerzählen. Denn Essen ist im Himmel ehrlich gesagt kein grosses Thema. Aber bei diesen Leuten gibt es immer ein «Fohdü schinoas». – Musste kurz bei meinem Sterne-Koch-Kollegen nachfragen, was das ist. Der lachte mich aus und sagte, dort wo ich sei auf der Erde, kennen das alle. Und es heisse übrigens «Fondu chinois».

Meinetwegen. Bei der Familie der Frau im Zug also gab’s «Fondu chinois». Doch dann wollten manche keine Kälber mehr essen, andere keine Hühner und wieder andere wollten gar keine Tiere mehr auf dem Tisch. Was ich übrigens ganz gut verstehen kann. Die Hirten haben dem Jesuskind ihre Schäfchen ja sicher nicht mitgebracht, damit die geschlachtet werden! Für zwei Mädchen aus der Familie, erzählte die Frau, war jedenfalls klar: Wer Fleisch isst, ist ein Tiermörder. Und das geht ja gar nicht. Aber das liessen sich die anderen nicht gefallen und es gab Streit.

Streit an Weihnachten! Wegen dem Essen! Ich konnte es nicht fassen. Das gibt’s wohl nur auf der Erde. Die Frau machte deshalb letztes Jahr zwei Fondus: für die einen mit Fleisch und für die anderen mit Gemüse. «Super Idee», sagte die Freundin. «Das ist voll im Trend mit Gemüse, vegan und so.» Aber die Fondu-Köchin fand das gar nicht trendy. Denn die Fleischesser tunkten ihre Gabeln in die Töpfer der Veganer-Mädels und schon gab es wieder Krach…

«Ach», sagte die Freundin, «immer diese Extrawünsche an Weihnachten». Das kenne sie auch. Bei ihr in der Familie gibt’s an Weihnachten belegte Brötli. Das sei super. Alle bringen eine Platte voll Brötli mit und dann könne man essen und plaudern, ohne dass etwas kalt wird. «Wir haben aber immer Puff mit dem Wein», sagte sie. Jeder wolle den Besten bringen und dann werde geschnuppert und geschlürft und geschwenkt und gefachsimpelt und am Schluss seien alle betrunken und gingen einander fast an den Kragen.

«Du meine Güte», dachte ich mir. Wo an Weihnachten gegessen wird – und das machen die Menschen scheinbar immer – gibt es ziemlich viel Streit. «Ich glaube, dieses Jahr lasse ich den Pizzakurier kommen», sagte die Frau dann zu ihrer Freundin und beide lachten. «Für mich aber eine Pizza Nutella», rief sofort eines der Kinder. Und jetzt musste ich lachen! Nutella an Weihnachten! Die Idee könnte ja von meinem Kollegen Mon Chéri Raffaello kommen.

Nächste Folge: Angelina besucht ein Weihnachts-Konzert

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum