Alain de Raemy und Encarnacion Berger-Lobato geben die Schweizer Medienkonferenz in Rom  | © Georges Scherrer
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Alain de Raemy und Encarnacion Berger-Lobato geben die Schweizer Medienkonferenz in Rom | © Georges Scherrer

«An der Synode haben die jungen Leute eindeutig ihre Spuren hinterlassen»

Rom/Freiburg, 28.19.18 (kath.ch) Das Schlussdokument der Jugendsynode wurde von den Bischöfen am 27. Oktober 2018 in Rom verabschiedet. Bischof Alain de Raemy, der die Schweiz in der Vollversammlung vertrat, bewertete an der Medienkonferenz der Schweizer Bischofskonferenz in Rom den Monat der Reflexion über den Platz der Jugendlichen in der Kirche insgesamt positiv.

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«Synode bedeutet gemeinsames Gehen», erinnert sich Alain de Raemy, umrahmt von zwei Schweizergardisten. Der ehemalige Kaplan der Schweizergarde empfing am späten Samstagabend etwa zehn Journalisten in einem mit Fresken reich verzierten Raum der Kaserne der Schweizergarde. Er freut sich, dass das soeben beendete Treffen mit grossem Respekt vor dem Wort aller stattgefunden hat. «Es gab nie ideologische Konfrontationen», sagt er. Alles, was gesagt wurde, wurde gesagt, um die Diskussion voranzutreiben und nicht, um den eigenen Standpunkt durchzusetzen. Er stellte fest, dass die Stimmen aller berücksichtigt wurden. «Alles, was ich schriftlich oder mündlich ausdrücken konnte, war irgendwie im Dokument zu finden.»

Kein gemeinsames Rezept

Der Weihbischof von Lausanne, Genf und Freiburg (LGF), obwohl französischer Muttersprache, hatte beschlossen, sich in die deutschsprachige Gruppe zu integrieren, da er fand, damit die Schweiz, deren Bevölkerungsmehrheit deutsch spricht, am besten vertreten zu können. Der mehrsprachige Kirchenvertreter entschied sich jedoch dafür, seine öffentlichen Beiträge auf Italienisch zu halten, um alle Landessprachen zu respektieren und das Verständnis der Versammlung zu erleichtern.

«In dieser Synode haben die jungen Leute ihre Spuren eindeutig hinterlassen.»

Diese sprachliche und kulturelle Vielfalt war eines der Markenzeichen dieser Synode. Eine komplexe Realität, die von den Bischöfen gebührend zur Kenntnis genommen wurde. «Die Länder sind so unterschiedlich, die Jugendlichen so unterschiedlich, dass es kein gemeinsames Rezept geben kann», sagt de Raemy. Die Teilnehmer kamen daher zu dem Schluss, dass die Überlegungen im Schlussdokument in den verschiedenen Regionen der Welt weitergeführt werden sollten.

Den Rest der Kirche «anstecken»

Alain de Raemy erinnert an die Worte von Papst Franziskus, nach denen dieses Dokument «nicht zuerst von anderen gelesen werden soll, sondern von jenen umgesetzt werden soll, die die Synode erlebt haben». «Er überträgt uns die Verantwortung, die Repräsentanten des Synodeninhalts zu sein und den Rest der Kirche damit «anzustecken»«, betont der Freiburger Kirchenvertreter.

In diesem Prozess der Synode hätten die Jugendlichen ihre Spuren eindeutig hinterlassen, stellt er fest. «Sie erinnerten uns daran, dass wir von Jesus ausgehen mussten, um zu Jesus zu gelangen, und dass jede Diskussion ausserhalb dieser Perspektive nutzlos ist.»

Respekt vor anderen Generationen

Der Bischof hebt einige wichtige Punkte des Dokuments hervor. Insbesondere erwähnt er die Beschreibung der Jugend als «theologischen Ort». «Das heisst, wenn wir beobachten, was junge Menschen heute im Allgemeinen erleben, und wenn wir diejenigen beobachten, die versuchen, Christus zu folgen, können wir verstehen, was Gott von uns verlangt.»

Es unterstreicht auch die Verantwortung der Kirche, junge Menschen zu begleiten, die danach streben, erwachsen zu werden. Im Dokument ist der Abschnitt aus den Evangelien erwähnt, in dem Johannes schneller läuft als Petrus, weil er jünger ist, und sich dann die Zeit nimmt, auf Petrus zu warten. Dies veranschaulicht laut de Raemy die verschiedenen «Rhythmen», die Generationen haben können. Das Dokument appelliere daher an die Jugendlichen, für die «alles schneller geht», die «Langsamkeit» der Älteren zu respektieren.

Ein neues «Werkzeug» für die Jugendvertretung?

Sexueller Missbrauch durch Mitglieder des Klerus, der allgemein als Machtmissbrauch angesehen wird, wird im Dokument mit besonderer Ernsthaftigkeit behandelt, erläutert Alain de Raemy. Gefordert wird eine Reform «epochalen» Umfangs, damit die Kirche keine Straflosigkeit für ihr Handeln mehr empfinden könne.

Der Text verlange auch, «über die Logik der Delegation hinauszugehen», indem man die Synodalität entwickle. «Dies, um sicherzustellen, dass alle eine Verantwortung in der Kirche wahrnehmen, Bischöfe, Priester, Getaufte», fasst de Raemy zusammen.

«Alles, was die Bischofskonferenz sagt oder tut, sollte durch die Augen und Ohren junger Menschen gehen».

Ohne die Gender-Theorie namentlich zu erwähnen, bekräftigt das Dokument die Differenzierung von Frauen und Männern, wie de Raemy sagt. Dies aber ohne Herrschaftsverhältnis, ohne Stereotypen und unter Wahrung der Menschenwürde.

Der Weihbischof von Lausanne, Genf und Freiburg erwähnte auch einen Punkt, der ihm am Herzen liegt: das Projekt zur Schaffung einer Organisation zur Vertretung junger Menschen aus der ganzen Welt. Ein neues Werkzeug, das in das Dikasterium für Laien, Familie und Leben integriert werden sollte. Die Initiative könnte auch auf der Ebene der Bischofskonferenzen Gestalt annehmen. «Diese Organisation würde als eine Art «Jugendfilter» fungieren. Sie wurde das, was der Papst oder die universelle Kirche sagt, den Jugendlichen zugänglich machen», so de Raemy.

Kritik und Kontroversen

Neben diesen von vielen geteilten Punkten gab es laut dem Freiburger Kirchenvertreter einige umstrittene Passagen im Schlussdokument. Etwa den Absatz, der die Begleitung homosexueller Personen innerhalb der Kirche fordert. Der Text lädt dazu ein, Homosexuelle vor allem als Christen an sich zu betrachten, ohne sich auf ihre sexuelle Identität zu konzentrieren. Dieser Abschnitt habe den grössten Widerstand hervorgerufen, abgesehen von jenem über die Synodalität und jenem über den Platz der Frauen in der Kirche, stellt der Westschweizer Weihbischof fest.

Er möchte auch eine Reihe von Kritikpunkten an der Funktionsweise der Synode anbringen. Insbesondere erwähnt er Interventionsmodi, die es nicht immer ermöglicht hätten, den eigenen Gedankengang bis zum Schluss auszudrücken. Oder das Fehlen einer Form des «Debriefings» am Ende der Synode, mit dem zukünftige Weltbischofsynoden verbessert werden könnten.

Vorschläge für die Schweiz

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz will de Raemy seinen Kollegen der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) eine Zusammenfassung des Schlussdokuments und seiner Erfahrungen an der Synode anbieten, um ihnen das Verständnis für dessen Inhalt zu erleichtern. Er hat auch die Idee, den Jugendrat als Dikasterium der SBK «wiederzubeleben». Ziel sei es, die Funktionsweise dieses Gremiums zu verbessern, indem es repräsentativer und effektiver werde. «Es wird jetzt wichtig sein, dass alles, was die SBK sagt oder tut, durch die Augen und Ohren junger Menschen geht und dass wir ihr Feedback darüber bekommen, was sie davon halten», sagt der Freiburger Weihbischof. Es gehe auch darum, eine stärkere Beteiligung junger Menschen jeden Alters am Leben der Kirche zu fördern, insbesondere auf Pfarreieniveau.

Schliesslich erinnert Alain de Raemy daran, dass die Synode ein Prozess ist und dass die Versammlung der Bischöfe nur ein Schritt in diesem Prozess ist. «Das endgültige Dokument ist kein abschließender Text, sondern ein Fortsetzungstext». (cath.ch/Übersetzung: rp) (aktualisiert)

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