Zitat

Altbundesrat Philipp Etter schätzte die Liturgie-Reform: «Eine beglückende Genugtuung»

«Ich denke zurück an den Werktagsgottesdienst meiner frühesten Jugend i[n] meinem Heimatdorf. Der Pfarrer stand am Altar und feierte das heilige Messopfer. Wir Buben und Mädchen beteten laut den Rosenkranz – mehr oder wahrscheinlich weniger andächtig.

Darum aber, was sich am Altar vollzog, kümmerten wir uns keinen Deut. Zwischen dem Altar und unseren Kirchenstühlen stand eine unsichtbare Wand. Wir hatten der heiligen Messe beigewohnt, ohne sie zu erleben, ohne zu hören und ohne zu sehen. Das war die Liturgie, die wir in meiner frühesten Jugend ‹mitmachten›.

Kardinal Walter Brandmüller (Mitte) zelebriert in Rom mit dem Rücken zur Gemeinde eine Messe nach dem alten Ritus, Mai 2011.

Wenn ich heute in meinen alten Tagen an jene Zeit zurückdenke, so erfüllt mich ob der neuen Art, wie die heilige Messe heute schon im Jugendgottesdienst gefeiert und miterlebt wird, eine beglückende Genugtuung.

Zu meinen Zeiten stand die Messe sozusagen am Rand, heute steht sie in der Mitte. Und das ist das Wesentliche. Die heilige Messe ist wirklich eine Gemeinschafts-Feier geworden. Zwischen Altar und Kirchenstühlen gibt es keine trennende Wand mehr. Wir alle machen mit, fühlen uns dem Priester am Tisch des Herrn in engster Gemeinschaft verbunden. Wir feiern mit.»

Der Katholik Philipp Etter (1891–1977) war 25 Jahre lang Bundesrat – und zwar von 1934 bis 1959. Über die Liturgie-Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils freute er sich, wie der Historiker Thomas Zaugg in seiner Dissertation «Bundesrat Philipp Etter» darlegt. Diese ist im Verlag «NZZ Libro» erschienen. (rr)


Bundesrat Philipp Etter war Vater einer kinderreichen Familie. | © Wiki Commons
29. August 2021 | 13:09
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