Afrikaner feiern mit Kopten-Bischof in Saint-Maurice

Saint-Maurice (VS), 5.6.17 (kath.ch) Rund 200 Gläubige afrikanischer Herkunft haben an der diesjährigen Wallfahrt zu «Ehren der afrikanischen Heiligen» nach Saint-Maurice im Wallis teilgenommen. Zusammen mit dem Abt von Saint-Maurice, Jean Scarcella, und dem koptisch-katholischen Bischof von Luxor, Emmanuel Bishay, feierten sie am Pfingstsonntag einen Festgottesdienst in der Basilika von Saint-Maurice.

Dieses Jahr stand die Wallfahrt ganz im Zeichen der Kopten in Ägypten, wo in den vergangenen Monaten islamistische Terroranschläge auf koptische Kirchen stattfanden. Ehrengast der seit 2001 durchgeführten Afrikaner-Wallfahrt war Emmanuel Bishay, der koptisch-katholische Bischof von Luxor. Dieser war eigens aus der oberägyptischen Stadt am Nil angereist.

«Nachfahre» des heiligen Mauritius

Bishay stammt aus derselben Gegend wie der heilige Mauritius. Der Christ wurde der Legende nach im Jahr 290 als römischer Offizier der Thebäischen Legion zusammen mit weiteren Soldaten in Augunum, dem heutigen Saint-Maurice, hingerichtet. Die Soldaten hatten sich geweigert, Christen zu töten oder, gemäss anderer Überlieferung, an heidnischen Opfern teil zu nehmen.

Jean Scarcella, Abt von Saint-Maurice, und Emmanuel Bishay, katholisch-koptischer Bischof von Luxor | © Jacques Berset

«Wir haben unter uns den Nachfahren des heiligen Mauritius», sagte Scarcella in der Basilika von Saint-Maurice, als er den afrikanischen Pilgern unter Applaus und schrillen Schreien den koptischen Bischof vorstellte.

Während des Gottesdienstes bat der Abt um die Hilfe der Märtyrer der Vergangenheit und der Gegenwart und warb für die «universelle Sprache der Liebe». Dabei erinnerte er daran, dass «dort, wo man die Sprache der Liebe nicht spricht», man zwangsläufig die Sprache des Todes im Munde führe. Als Beispiel führte Scarcella die Gewalt gegen Kopten in Ägypten an.

Bischof ruft zum Gebet für Attentäter auf

Der Gast aus dem nordafrikanischen Land sagte seinerseits, dass die Christen im Nahen und Mittleren Osten tatsächlich getötet würden, weil sie Christen seien. Der Bischof verurteilte Gewalt, die im Namen Gottes geübt wird und rief schliesslich dazu auf, für die Täter zu beten, diese «Verrückten Gottes», die von ausländischen Mächten instrumentalisiert würden. Wer behaupte, im Namen Gottes zu töten, kenne Gott nicht, betonte Bishay.

Der koptisch-katholische Bischof von Luxor, Emmanuel Bishay, lässt sich mit Pilgern fotografieren. | © Jacques Berset

Vor dem Gottesdienst in der Abteikirche hatten die afrikanischen Gläubigen, die aus allen Gegenden der Schweiz angereist waren, ein gemeinsames Picknick im Speisesaal des örtlichen Gymnasiums eingenommen. Anschliessend zogen sie in einer Prozession durch die Strassen des Städtchens zur Basilika. Gesänge in verschiedenen afrikanischen Sprachen erfüllten die Kirche während des von Scarcella und Bishay geleiteten festlichen Gottesdienstes. Nach der Feier versuchten einige Pilger, für ein Selfie mit dem Abt oder dem koptischen Bischof zu posieren. (cath.ch/bal)

Afrikanische Christen an einer Prozession durch die Strassen von Saint-Maurice | © Jacques Berset
5. Juni 2017 | 12:33
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Afrikaner-Wallfahrt nach Saint-Maurice

Seit 2001 gibt es die Afrikaner-Wallfahrt nach Saint-Maurice im Wallis. Sie wird immer am ersten Sonntag des Monats Juni durchgeführt. Jedes Jahr steht ein anderes afrikanisches Land im Zentrum des Anlasses. Dieses Jahr war es Ägypten.

«Die Wallfahrt ist ein verbindendes Treffen, das den Afrikanern in der Schweiz die Möglichkeit gibt, sich in ihrer Kultur und mit ihrem Temperament auszudrücken», sagte der Freiburger Afrikamissionar Claude Maillard gegenüber cath.ch. Er gehört zum Personenkreis, die sich für die Afrikaner-Wallfahrt nach Saint-Maurice einsetzen.

Die Wallfahrt geht auf eine Initiative der Kooperations-Gruppe der Missionare der Westschweiz zurück. Sie wurde aber für alle Afrikaner in der Schweiz eingeführt. Saint-Maurice wurde ausgewählt, weil dort Reliquien von Charles Lwanga und Mathias Mulumba aufbewahrt werden. Die beiden Männer aus Uganda wurden 1886 durch König Mwanga getötet.

Ihre Reliquien liegen neben jenen weiterer afrikanischer Märtyrer. Der Überlieferung nach wurde in Saint-Maurice gegen Ende des dritten Jahrhunderts zur Zeit der Christenverfolgung Hunderte von Soldaten der aus Nordafrika stammenden Thebäischen Legion unter ihrem Führer Mauritius hingerichtet, weil sie sich geweigert hatten, am römischen Götterkult teilzunehmen. (bal/cath.ch)