Schweiz

«Tages-Anzeiger» streicht Religionsblog mit Hugo Stamm

Zürich, 31.1.16 (kath.ch) Am Samstag, 30. Januar, erschien im «Tages-Anzeiger» letztmals der von Hugo Stamm geführte Religionsblog. Die Chefredaktion wolle bei den Blogs neue Schwerpunkte setzen, sagt Stamm auf Anfrage von kath.ch. Der Religionsblog soll auf dem Onlineportal Watson weitergeführt werden.

Sylvia Stam

Weshalb erscheint der Religionsblog nicht weiter, obschon Sie ihn im letzten Blog als «erfolgreichstes Schweizer Diskussionsforum im Internet» bezeichnen?

Hugo Stamm: Die neue Chefredaktion will bei den Blogs neue Schwerpunkte setzen.

Welches war für Sie selbst der bedeutendste Religionsblog, den Sie geschrieben haben?

Stamm: Bei 470 Impulstexten lässt sich diese Frage nicht beantworten. Die heftigsten Reaktionen lösten Artikel über Alternativmedizin, speziell Homöopathie aus. Aber auch Texte über Missbräuche in der katholischen Kirche warfen hohe Wellen.

In welcher Konfession wurden Sie selber sozialisiert?

Stamm: Ich bin katholisch getauft worden und aufgewachsen.

Wie haben Sie diese Sozialisierung erlebt?

Stamm: Ich ging jeden Sonntag mit der Familie in den Gottesdienst. In der Mittelschule wurde ich zum Skeptiker: Ich erlebte die Widersprüche der katholischen Kirche, sie verlor für mich an Glaubwürdigkeit.

Sie gelten als Heftiger Kritiker jeglicher Form von Esoterik. Weshalb reizt Sie dieses Thema so?

Stamm: Mich interessiert das Phänomen des Aberglaubens. Als Journalist möchte ich Widersprüche in religiösen und spirituellen Fragen aufzeigen und die Leute auf die Gefahr der Manipulation und Indoktrination aufmerksam machen.

Werden Sie weiterhin für den Tages-Anzeiger tätig sein?

Stamm: Ich bin pensioniert, werde aber weiterhin im Tages-Anzeiger Artikel über spirituelle und religiöse Auswüchse und Missbräuche schreiben. Auch den Blog führe ich ab sofort weiter und zwar auf dem Online-Portal watson.ch. Neben der journalistischen Tätigkeit arbeite ich an zwei Büchern.  (sys)

 

Hugo Stamm mit einem so genannten Lügendetektor | © zVg
31. Januar 2016 | 12:14
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Vom Sektenblog zum Religionsblog

Der Religionsblog startete vor zehn Jahren als Sektenblog, wie Stamm in seinem letzten Blog im «Tages-Anzeiger» (30. Januar) schreibt. Der streitbare Religionskritiker verfasste laut eigenen Angaben 470 Beiträge, die ihrerseits rund 275’000 Kommentare generierten, im Durchschnitt also mehr als 580 schriftliche Reaktionen pro Beitrag. Anfänglich standen Sektenfragen im Zentrum, mit der Zeit habe sich gezeigt, dass grundsätzliche religiöse, spirituelle und weltanschauliche Themen heftige Diskussionen auslösten, weil sie die Blogger persönlich betrafen.

Laut Stamm überfordern religiöse und spirituelle Fragen die Menschen. Der Grund: «Der religiöse Glauben ist zwangläufig an einen Absolutheitsanspruch gebunden, der keine Abweichungen und Kompromisse zulässt», sagt Stamm. Dieses starre System fördere die Radikalisierung von enthusiastischen Gläubigen.

Bild: Hugo Stamm mit einem Hubbar- Elektrometer, das laut Stamm von Scientology als eine Art Lügendetektor eingesetzt wird.(sys)