Schweiz

2000 Jugendliche erleben mit Bischof Markus Büchel Lebensfreu(n)de

Balgach (SG), 21.7.18 (kath.ch) Die Schauspielerin hebt den Schlüssel in die Höhe und ruft in die Menge: «Wir haben ihn!» Applaus von mehr als 2000 Kindern und Jugendlichen schallt ihr entgegen. Nun tritt Bischof Markus Büchel auf die Bühne und spricht über Freundschaft… Mit dieser Szene endete am Donnerstag die Lager-Geschichte des kantonalen Jubla-Lagers der Kantone St. Gallen, Appenzell und Glarus. Das Lager unter dem Motto «Lebensfreu(n)de» dauert noch bis am Samstag.

Fabio Paulitti

Die zwei grossen Holztürme am Eingang des Hauptlagerplatzes erinnern ein wenig an eine römische Militärfestung. Kaum ist das Tor durchquert, kommt man sich allerdings vor wie am Woodstockfestival im Jahre 1968. Die Jugendlichen und Leiter schützen sich in Unterständen vor der heissen Rheintaler Sonne. Nur ein leichter Wind bringt ein wenig Erfrischung inmitten der Felder. Auf diesem mit farbigen Wimpeln und Ballonen geschmückten Platz werden diesen Donnerstagabend die Kinder ihre Befreiung der imaginären Welt Akalanis feiern.

Über 2000 Teilnehmende in 51 Scharen

Um vier Uhr nachmittags ist aber noch nicht viel los. Im grossen Sarasani-Zelt, bestehend aus 285 Plachen, tummeln sich einige Kinder. «Es sind etwa fünf Scharen, die hier zusammen spielen», erklärt Daniela Dürr, alias Nela, Mitglied des Ressorts Kommunikation des Lagers. Insgesamt seien aber 2000 Teilnehmer in 51 Scharen auf 10 Aussenlagerplätzen in der näheren Umgebung verteilt, davon seien 600 ehrenamtlich tätige Leiterinnen und Leiter.

Speziell an diesem Kantonslager sei, dass es sich um ein reines Zeltlager handelt, so Dürr. In Einzellagern übernachten viele der Scharen in Häusern. «Durch den Austausch zwischen den Scharen können so Gruppen, die wissen, wie man ein Zelt baut, anderen helfen», erklärt Dürr.

Die meiste Zeit verbringen die Kinder in ihren eigenen Scharen auf den Aussenlagerplätzen, so die langjährige Jublanerin. An den vier Big Points seien dann aber alle Scharen für gemeinsame Aktivitäten auf dem Hauptplatz vereint. Zudem werde an jedem Big Point ein Teil der Lagergeschichte durch eine Schauspielgruppe dargestellt. «Ziel der Big Points ist es, das Bewusstsein zu schaffen, wie gross die Jubla-Gemeinschaft eigentlich ist», erklärt Dürr mit einem Lächeln im Gesicht.

Gefangen in Akalanis

Die Lager-Geschichte könnte glatt als Drehbuch für einen weiteren «Herr der Ringe»-Film durchgehen. «Die Kinder zwischen sieben bis fünfzehn Jahren sind in der Wunderwelt von Akalanis gefangen. Nachdem die Jublanerinnen und Jublaner den Bewohnern von Akalanis geholfen haben, sich von einem Bösewicht zu befreien, steht heute die Suche nach dem Schlüssel zum Tor und somit der Befreiung der Lagerteilnehmer aus Akalanis an», fasst Dürr knapp zusammen.

Die Lager-Geschichte des Kantonslagers sei streng geheim, erklärt Dürr. Sogar für die Scharleiter. Die Scharleiterin Laura antwortet auf die Frage, ob sie wisse, was am heutigen Big-Point ansteht: «Nein, aber nicht zu wissen, was kommt, macht es umso schöner», sagt die 18-Jährige mit einem freudigen Gesichtsausdruck. «Auch für uns Leiter ist es ein Bisschen wie früher. Wir können in diesem Lager einfach wieder kindisch sein, ja müssen sogar!», betont Laura lachend.

Vom Essen begeistert

Nicht nur die Leiter sind begeistert, auch die Augen der Kinder sehen glücklich aus, wenn auch ein wenig müde. Die 10-jährige Jasmin kann nicht aufhören, von ihren Erlebnissen zu erzählen: «Am besten gefällt mir, dass wir so viel in der Natur sind.» In den Jahren zuvor sei sie immer nur in Hauslagern gewesen. Zudem habe sie viele neue praktische Dinge gelernt wie Erste Hilfe oder Karten lesen.

«Am besten gefällt mir, dass wir so viel in der Natur sind.»

Der 12-jährige Daud legt den Fokus mehr auf das Essen. «Ich habe mich gefreut, dass es schon dreimal Fajitas zu essen gab», erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln. Als negativen Punkt gibt er an, dass es mühsam sei, jeden Tag so früh aufstehen zu müssen.

Jasmin ist vom Essen gleichermassen begeistert, aber ihr fehlt etwas. «Ich würde mir wünschen, dass mir jeder Leiter ‹Gute Nacht› sagt, wenn wir zu Bett gehen», sagt sie etwas verlegen. Die anwesende Daniela Dürr leitet den Wunsch sofort weiter.

Stargast Bischof Markus Büchel

Auf dem Hauptlagerplatz macht sich eine kleine Gruppe bemerkbar. Der Stargast des heutigen Big Points ist angekommen. Der Bischof von St. Gallen, Markus Büchel, wird vom OK-Mitglied Fabio Schmuki, alias Nemo, auf dem Platz herumgeführt. Für die Lagerteilnehmenden sei der Besuch des Bischofs eine grosse Ehre, erklärt Präses Claudio Gabriel, alias Tuk. «Der Bischof zeigt so, dass ihm die Jugend wichtig ist», fährt er fort.

«Der Bischof zeigt so, dass ihm die Jugend wichtig ist.»

Der Bischof zeigt sich vor allem von der improvisierten Sicherheitszentrale in einer Scheune beeindruckt. Um die 20 Funkgeräte stehen griffbereit auf dem Tisch, gegenüber hängen mehrere Karten des Dorfes und in der Ecke des Raumes steht eine Tragbahre für den Notfall. «Für die Sicherheit haben wir sehr gut gesorgt», betont Schmuki.

Den Glauben leben

Der Bischof von St. Gallen, ganz leger in weissem Hemd und blauen Stoffhosen, ist vom Lager angetan. «Der Idealismus, den die Kinder und Leiter ausstrahlen ist wunderbar», so der St. Galler Bischof. Auf die Frage, warum er hier sei, antwortet er gegenüber kath.ch: «Die Kinder sind die Zukunft der Kirche und viele Erwachsene, die sich heute in der Kirche engagieren, waren früher einmal in einem Jugendverband.»

«Die Kinder sind die Zukunft der Kirche.»

Öfters wird die Jubla kritisiert, zu wenig kirchlich zu sein, obwohl der Jugendverband stark von der katholischen Kirche unterstützt wird. Der Bischof entgegnet auf diesen Vorwurf, dass es unterschiedliche Arten der Jugendarbeit gebe. «Die Jubla macht es eher im diakonischen Bereich, während es andere Organisationen mehr im katechetischen und liturgischen Bereich machen. Diese beiden Arten darf man nicht gegeneinander ausspielen», so der Geistliche.

Bischof am «Sauhundessen»

Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Der Bischof, Schmuki und einige Begleiter begeben sich auf den Aussenlagerplatz 7, wo sie von der Jubla Eschenbach etwas halbherzig empfangen werden. Der Grund dafür ist schnell klar. Die Leiter der Jubla stehen entweder in der selbstgebauten Küche und bereiten das Abendessen vor oder sind mit Tischdekorationen beschäftigt.

Fabio Schmuki war entgangen, dass in der Jubla Eschenbach heute «Sauhundessen» angesagt ist, eine alte Schartradition. Das heisst so viel wie «Essen ohne Besteck und für einmal ohne Manieren». Einige Kinder nehmen sich dieses Motto zu Herzen, andere weniger, aber alle essen den Cervelat, die Käsewurst, das Gemüse oder die gebratenen Kartoffeln mit den Händen. Auch der Bischof.

«Wenn es dir gut geht, geht es mir gut.»

Um halb zehn Uhr nachts, als die Sonne schon hinter dem Horizont versunken ist, geht der letzte Big Point los. Die Akalanen, gespielt vom Schauspielteam des Lagers, konnten endlich den Schlüssel zum Tor finden und so die Jublaner befreien. Die über 2000 Kinder und Jugendlichen fiebern mit dem Schauspiel mit. Plötzlich ruft eine Darstellerin den Bischof auf die Bühne und bittet ihn, einige Worte zum Lagermotto zu sprechen. Ein Freund aus Afrika habe ihn gelehrt, was Freundschaft sei, so der Bischof. Auf die Frage, wie geht es dir, habe dieser geantwortet: «Wenn es dir gut geht, geht es mir gut».


 

Impressionen vom Jubla Kantonslager in Balgach SG | © Fabio Schmuki
21. Juli 2018 | 14:20
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Erfolgreiches Crowdfunding

Im März haben die Organisatoren des Kantonslagers eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um die letzten 25’000 Schweizer Franken zusammenzubringen. Laut Fabio Schmuki sei dies beinahe gelungen. «Durch das Crowdfunding konnten wir knapp 85 Prozent des Betrags einnehmen», erklärt er.

Die Organisatoren haben ein Budget von insgesamt 450’000 Schweizer Franken zur Verfügung, von welchen 270’000 Franken fremdfinanziert waren, so Schmuki: Nebst der katholischen Kirche haben diverse Stiftungen und Firmen das Lager mitfinanziert. Die wahren Kosten liegen aber weit über dem Betrag, erklärt er weiter. Denn in diesem Betrag seien die Verpflegung und weitere individuelle Kosten der Teilnehmer nicht eingerechnet. (fp)