Sandro Koch wird zum Diakon geweiht: «Wer sich auf Gott einlässt, wird reich beschenkt»
Am Samstag wird Sandro Koch von Bischof Beat Grögli in St. Gallen zum Diakon geweiht. Der 31-Jährige verbindet seine Berufung mit der festen Überzeugung, dass Glaube dort lebendig wird, wo Menschen einander annehmen und gemeinsam wachsen.
Wolfgang Holz
«Erreichtes Ziel und wahr gewordener Traum»: So nennt Sandro Koch gegenüber kath.ch seine Weihe zum Diakon, die er am kommenden Samstag empfängt. Der Diakon sei der Dienende, ist er überzeugt. «Ich verkünde das Evangelium und lebe aus diesem».
«Neue Aufgaben in der Liturgie»
Am Vorabend der Weihe bezeugt Sandro Koch die ewige Verbundenheit mit der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres. Bis anhin seien es immer zeitlich begrenzte Versprechen gewesen – nun werde es endgültig. «In meinem Alltag ändert sich wenig – ich erhalte aber in der Liturgie neue Aufgaben», so Koch gegenüber kath.ch.
Bei der Diakonweihe verspricht Sandro Koch unter anderem auch das lebenslange Zölibat. «Das Zölibat gehört für mich sowie zum Weg meiner Berufung dazu», erklärt Koch gegenüber kath.ch.
Am 6. Juni 2026 folgt dann seine Priesterweihe, wie das Bistum St. Gallen in einem Communiqué schreibt. Seit 2025 arbeitet Sandro Koch in der Seelsorgeeinheit St. Gallen West-Gaiserwald und absolvierte seine Berufseinführung im Bistum St. Gallen. Er bleibt auch nach der Diakonweihe dort tätig.
«Räume schaffen für Menschen»
Als Schönstatt-Pater ist ihm die Vernetzung mit der Lokalkirche wichtig. Die Werte seiner Gemeinschaft, persönliches Wachstum und innere Freiheit, fliessen in seine tägliche Arbeit ein. «Ich verstehe mich als jemand, der Räume schafft für Menschen, jung und alt, die den Glauben mit ihrem Leben verbinden wollen.»
Sandro Kochs Weg führte ihn einmal um die halbe Welt: Der heute 31-Jährige wächst in Sargans als jüngstes von vier Kindern auf. Durch seine Familie und besonders durch seine Geschwister kommt er schon früh mit der Schönstattbewegung in Kontakt.
«Katholische Erneuerungsbewegung»
«Schönstatt ist eine internationale katholische Erneuerungsbewegung. Wir wollen den Glauben mit unserem Alltag verbinden und so immer mehr zu echten christlichen Persönlichkeiten heranwachsen, die lebendige Antworten geben auf die Fragen unserer Zeit», definiert sich die Schönstatt-Bewegung in der Schweiz.
Die Schönstatt-Bewegung umfasse verschiedene Gemeinschaften, die die Schönstattfamilie bilden. «Was uns eint, ist unsere originelle Spiritualität, die im Liebesbündnis mit Maria wurzelt», heisst es auf der Homepage. Gründer der föderalen apostolischen Bewegung, die auf den gleichnamigen Gründungsort in Deutschland bei Koblenz zurückgeht, war Pater Josef Kentenich.
«Schlussendlich geht es bei der Schönstatt-Bewegung um religiöse Menschenbildung, in der Glaube und Leben zusammengehören», fasst es Sandro Koch aus seiner Sicht gegenüber kath.ch zusammen.
«Die Erziehung zum Glauben erfolgte vor allem durch meine Mutter.»
«In meiner Familie war Religion mit Ritualen und Werten verbunden», erzählt Koch. Man besuche gelegentlich den Gottesdienst. «Die Erziehung zum Glauben erfolgte vor allem durch meine Mutter. Sie selbst hat sich in einer Müttergruppe innerhalb der Schönstattbewegung engagiert», sagt er. Für die Kinder wird Schönstatt zu einem familiären Umfeld, so Koch, in dem sie sich wohl fühlen. Als Zehnjähriger nimmt er erstmals an einem Sommerlager teil – ein Erlebnis, das ihn prägt.
«Kern zutiefst menschlich»
Die Schulzeit ist für Sandro Koch nicht immer leicht. Umso bedeutender wird für ihn die Erfahrung der Schönstattjugend: «Das ist ein Raum, in dem Menschen einander annehmen, fördern und wachsen lassen.» Von aussen gesehen würden die Schönstätter oft als ‹die Frommen› gelten. «Doch der Kern», so Sandro Koch, «ist ein zutiefst menschlicher: Wie gehen wir miteinander um? Wie nehmen wir einander an? Wie verbinden wir Glauben und Leben?»
Die Treffen und die Lager erlebt Sandro Koch als ‹Oasen›, die ihn stärken – nicht durch permanentes Zusammensein, sondern durch Verlässlichkeit und gemeinsame Werte. Später wird er selbst Leiter, weil er weitergeben möchte, was er erfahren hat.
Nach der Matura auf dem Jakobsweg
Als in der Kantonsschule die Frage nach einem Studienweg ansteht, begleitet ihn Pater Raffael Rieger, heutiger Provinzial der Schönstatt-Patres. Schritt für Schritt öffnet sich ihm die Idee, einen geistlichen Weg zu beschreiten.
«Ich habe gespürt: Gott hat mich zutiefst gern.»
Nach der Matura nimmt sich Sandro Koch Zeit: Er geht mit 18 Jahren allein zwei Monate lang auf den Jakobsweg. Die Einsamkeit, die Begegnungen, die Weite – all das führt ihn zu einem tiefen Berufungserlebnis. «Ich habe gespürt: Gott hat mich zutiefst gern.»
Verbringt Zeit in Lateinamerika
Zwischen Bachelor und Master verbringt der junge Mann Zeit in Argentinien. Bewusst sucht er dort nicht die Schönstätter auf, sondern arbeitet in einem Jesuitenprojekt. Bis er merkt: «Es stimmt nicht ganz.» Auf einer Busfahrt begegnet er einer Schönstätterin – für ihn das letzte Zeichen. Er reist nach Córdoba und entscheidet sich für den Eintritt in die Gemeinschaft.
Nach dem Master beginnt 2019 das Noviziat in Paraguay, gemeinsam mit elf anderen Kandidaten – Sandro Koch ist der einzige Schweizer. «Zwei Jahre tauche ich ein in eine neue Welt – mit Gemeinschaftsleben, internationaler Spiritualität, kulturellen Begegnungen und ein Pflegepraktikum in Argentinien», so Koch.
«Ich liebte das pulsierende Santiago und war meist mit dem Velo unterwegs.»
Danach folgt Chile: zweieinhalb Jahre Theologiestudium und die Arbeit in apostolischen Einrichtungen, unter anderem in einem Kinderheim. «Ich liebte das pulsierende Santiago und war meist mit dem Velo unterwegs», schwärmt er im Nachhinein.
Zurück in Europa
2023 reist Sandro Koch zurück nach Europa und ist anderthalb Jahre in München in der Jugendarbeit tätig. Er hilft unter anderem bei der Organisation eines Jugendfestivals mit. Es folgt eine weitere Vertragsweihe – ein zivilrechtlicher, aber lebensverbindlicher Schritt innerhalb der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres, bevor ihn sein Weg wieder in die Schweiz und ins Bistum St. Gallen führte.
«Wenn wir die Tiefe des Glaubens anbieten und selbst wagen, dann kommt es gut.»
Sandro Koch freut sich riesig auf seine Weihe und die Arbeit. Sein Wunsch für die Kirche ist klar: Freude zeigen. Tiefe wagen. Vertrauen haben. Sandro Koch ist überzeugt: «Wer sich auf Gott einlässt, wird reich beschenkt –hundertfach.» Kirche sei nicht langweilig. Im Gegenteil. «Wenn wir die Tiefe des Glaubens anbieten und selbst wagen, dann kommt es gut.»
* Die Diakonweihe findet am Samstag, 6. Dezember, um 10.30 Uhr statt. Bischof Beat Grögli wird Sandro Koch in der Kirche St. Martin Bruggen in St. Gallen zum Diakon weihen.
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