Dialogue en Route – das Kampagnenbild 2018 | © IRAS-COTIS / Michael Lio
Dialogue en Route – das Kampagnenbild 2018 | © IRAS-COTIS / Michael Lio
IRAS COTIS, 13.09.2018, 09:46

Klassen unterwegs – von den Basler Aleviten bis nach Madonna del Sasso

Medienmitteilung

Von Basel bis Lugano testen Schulklassen auf den Lehrplan 21 ausgerichtete Angebote zu Religion und Kultur. Das nationale Projekt «Dialogue en Route» von IRAS COTIS stellt kritische Fragen zum Zusammenleben und fordert ein neues Geschichtsbewusstsein.

Zwangsheirat ist die Rede. Und dies alles im Zusammenhang mit Religion, Kultur oder Weltanschauung. Den Schülerinnen und Schülern sowie dem weiteren Publikum wird einiges zugemutet. Sie werden aufgefordert, hinter die Kulisse aus Stichworten und Stereotypen zu blicken und aktiv Brennpunkte der Schweizer Religionsgeschichte und gesellschaftlichen Gegenwart zu erkunden.

Diese Brennpunkte finden sich im städtischen Basel mit dessen vielfältigen Religionskulturen gleichermassen wie in den kleinen Aargauer Dörfern Endingen und Lengnau. Hier werden die Klassen mit der historischen Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden in der Schweiz konfrontiert, lernen aber auch eindrückliche Beispiele des alltäglichen Zusammenlebens und die Geschichte der Emanzipation kennen.

Vom Museum bis zur Moschee

Die Klassenbesuche sind alle Teil des Vermittlungsprojekts «Dialogue en Route» von IRAS COTIS unter dem Patronat der UNESCO-Kommission Schweiz, das neu in der Nordwestschweiz und Zentralschweiz eröffnet wird.

In den Regionen Nordwest- und Zentralschweiz entstehen über 20 Angebote. Die Formate reichen vom Ausstellungsbesuch über den Mittagstisch bis zum Workshop und finden an unterschiedlichsten Orten wie Flüeli-Ranft, dem Stapferhaus Lenzburg, der Moschee Emmenbrücke oder dem täuferischen Bildungszentrum Bienenberg statt. Im Tessin werden 11 Angebote lanciert. Die Vermittlung vor Ort übernehmen meist junge Guides. Viele der Angebote sind auch für ein erwachsenes Publikum zugänglich.

Mit der neuen Kampagne wird das laufende Programm in der Ostschweiz und Zürich geografisch erweitert. Im nächsten Jahr folgt die letzte Etappe mit Bern, Solothurn und der gesamten Romandie.

Von Grund auf lernen

Der Lehrplan 21 verlangt Kompetenzförderung der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit religiöser und kultureller Vielfalt. «Dialogue en Route» reagiert darauf mit neuen Vermittlungsangeboten in Kirchen, Moscheen, Tempeln und Museen. Die Angebote sprechen bewusst die Schweizer Geschichte an. «Die Kenntnis hiesiger Konflikte mit Religion ist zentral, um Errungenschaften wie die Religionsfreiheit verstehen und schätzen zu können», so Projektleiter Simon Gaus Caprez.

Durch gemeinsame Erfahrungen und die aktive Auseinandersetzung auch mit herausfordernden Fragen sollen Kompetenzen gestärkt werden, die in der pluralen Gesellschaft von zunehmender Relevanz sind. Dabei setzt «Dialogue en Route» bei den Grundverständnissen an, die laut Gaus Caprez nicht vorausgesetzt werden können. Vielmehr wird mit den Lernenden gemeinsam diskutiert, was überhaupt als «religiös» bezeichnet wird, wo «Kultur» eine Rolle spielt und welche Formen des Zusammenlebens nachhaltig sein könnten.

Religionsfreiheit wird auch methodisch hoch gewichtet – ebenso die sorgfältige Vor- und Nachbereitung der Exkursionen in der Schule. Dazu wurden didaktische Aufgabensets in den Fachbereichen «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» und «Räume, Zeiten, Gesellschaften» entwickelt.

Eine breit abgestützte Bewegung

Lanciert wurde «Dialogue en Route» von IRAS COTIS, der Interreligiösen Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz. Primär ideell getragen wird das Projekt von der Schweizerischen Bischofskonferenz SBK, dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund SEK, der Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz FIDS und dem Schweizerische Israelitischen Gemeindebund SIG. Die grossen Religionsverbände zeigen sich damit offen für eine kritische und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema Religion.

An der Realisation sind die Universitäten Bern, Lausanne und Luzern sowie diverse Pädagogische Hochschulen beteiligt. Finanziert wird es durch kantonale Lotteriefonds, den Integrationskredit des Bundes, die Fachstelle für Rassismusbekämpfung FRB, die Stiftung Mercator Schweiz, die Ernst Göhner Stiftung und und viel Eigenleistung der beteiligten Akteure.

NEUE ANGEBOTE

Ab Oktober 2018 können Schulklassen, Vereine und Gruppen die neuen Angebote in der Nordwestschweiz, der Zentralschweiz und im Tessin auf der Webplattform www.enroute.ch buchen. Sie ergänzen das laufende Programm in der Ostschweiz und im Kanton Zürich. Die Kampagne mit den Klassenbesuchen findet vom 16. bis zum 26. September statt. Weitere Infos liefert www.enroute.ch/kampagne.

IRAS COTIS

Die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz IRAS COTIS, die das Projekt koordiniert, ist die schweizerische Dachorganisation von Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich im interreligiösen und weltanschaulichen Dialog engagieren. Dem Verein gehören rund 75 institutionelle Mitglieder an. Vertreten sind unter anderem Vereinigungen der Aleviten, Baha’i, Buddhisten, Christen, Hindu, Juden, Muslime und Sikhs sowie Bildungshäuser und Hilfswerke.

Projektflyer

 

Medienspiegel ›

News ›

Katholisches Medienzentrum