Jugendliche wollen begleitet werden – und unabhängig bleiben

Medienmitteilung

«In der Kirche gibt es Jugendliche. Aber wo sind sie?» Dieser Frage war die diesjährige Studientagung der «Vereinigung der Höhern Ordensobern der Schweiz/VOS’USM» gewidmet. (24. – 26. Juni 2019, Bildungshaus St. Jodern, Visp) Die 19 Äbte und Provinziale wollten nicht über die Jugendlichen sprechen, sondern mit ihnen.

Von Walter Ludin

Am ersten Abend erzählten junge Oberwalliser Gläubigen, wie sie sich in ihrem Umfeld fühlen, das auch im einst traditionell katholisch geprägten Kanton weitgehend säkular geprägt ist. Sie kämen sich oft als «Exoten» vor, meinten sie. Immerhin seien Glaubensgespräche mit vielen Kolleginnen und Kollegen möglich.

Lebendige Gemeinschaften

Die Kirche muss mehr am Puls der Zeit sein: spüren, was die Jugendlichen beschäftigt. Darüber waren sich alle Gäste der Ordensobern einig. Am Schluss der Gespräch unter den Kirschbäumen von St. Joder wünschte einer der anwesenden Jugendseelsorger, Ordensmänner sollten nicht in den Pfarreien als Pfarrer Lücken stopfen, sondern lebendige Gemeinschaften bilden, um so den Jungen überzeugende Impulse für ein friedliches Zusammenleben geben.

Am folgenden Tag waren fast so viele Jugendliche wie Ordensobere im Haus. Die meisten gehörten zu Bewegungen wie Schönstadt oder Fokolar. «Die Mehrheit ist nicht vertreten, 90 Prozent der Jugendlichen», kritisierte ein Provinzial.»

Zuhören

So unterschiedlich die jungen Gläubigen sind, verbindet sie einiges: Sie sind dankbar für lebendige Gemeinschaften. Und sie sind bereit, im Alltag Zeugnis für den Glauben abzulegen. Der Lobpreis Gottes und die Anbetung spielen eine grosse Rolle, ebenso die Beichte.

In den Gesprächen, die vom Westschweizer Journalisten Patrice Favre kreativ und kompetent moderiert wurden, konnten die Jugendlichen und der ebenfalls anwesende Jugendbischof Alain de Raemy Postulate formulieren wie etwa:

  • Die Jugendlichen haben den starken Wunsch, begleitet zu werden, möchten dabei aber selbsständig bleiben.
  • Wir müssen ihnen zuhören, statt sie anzupredigen.
  • Sie wollen nicht Objekte der Seelsorge sein, sondern Subjekte.
  • In den Ordenshäusern sollen ihnen Orte für Begegnungen zur Verfügung gestellt werden.

Jugendliche als Protagonisten

Viktor Diethelm von der Deutschschweizer Arbeitsstelle für Offene Jugendarbeit, machte ähnliche Vorschläge, wenn er etwa unterstrich: «Macht die Jugendliche zu Protagonisten, die eine neue Dynamik in die Pfarreien hineinbringen.» Er dachte zum Beispiel daran, sie als Gefirmte in die Firmvorbereitungen der anschliessenden Jahrgänge einzubeziehen.

Diethelm bedauerte es sehr, dass die Pfarreien fast keine Ressourcen für die Begleitung junger Erwachsener zur Verfügung stellen. Die Gelder und das Personal konzentrierten sich zu sehr auf Religionsunterricht und Firmvorbereitung.

Am Schluss des Thementages «Jugend und Kirche» formulierte ein Provinzial den tröstlichen Gedanken: «Wir müssen uns verabschieden vom Gefühl, schuld zu sein, dass die Jugendlichen zur Kirche distanziert sind. Die ganze Entwicklung der Gesellschaft läuft in Richtung Säkularisierung.»

Kirchenkrise

Ganz am Anfang der VOS-Tagung wie auch an ihrem Ende stand ein unerfreuliches Thema: die Kirchenkrise. In der ersten Stunde des Treffens waren die VOS-Mitglieder eingeladen, in Kleingruppen ihre persönliche Betroffenheit zu äussern. Ebenso sollten sie erste Ideen zu Behebung der Krise zusammentragen, wozu der Vorstand die Losung ausgegeben hatte: nichts Spektakuläres, aber eine Änderung der Mentalität.

Was nun? So hiess am Schluss die Frage. Sehr bald kam der Vorschlag eines Symposiums auf den Tisch. Mit Blick darauf, dass ein Aspekt der Krise die ungleiche Behandlung von Frauen und Männern ist, war klar: Die Ordensmänner wollen nicht etwas planen und die Schwestern nachträglich ins Boot einladen. Frauen und Männer sollen das Symposium völlig gleichwertig vorbereiten und durchführen.

Als Termin wurde der 3. Februar 2020 festgelegt. Als Ort ist Bern vorgesehen.

VOS'USM
27. Juni 2019 | 12:13