Gewalteskalation in Äthiopien: Caritas ehrt Ordensfrau Medhin Tesfay
Neue Kämpfe gefährden den brüchigen Frieden in der äthiopischen Krisenregion Tigray. Millionen Menschen leiden. Humanitäre Hilfe ist lebensgefährlich. Eine Ordensfrau gibt nicht auf. Sie wird nun in Deutschland geehrt.
(KNA) Die äthiopische Ordensschwester Medhin Tesfay erhält am Freitag die Lorenz-Werthmann-Medaille des Deutschen Caritasverbands. Sie wird für ihre soziale Arbeit in der Krisenregion Tigray geehrt.
«Ich hatte gehofft, dass die Menschen nach den verheerenden Folgen des Krieges von 2020 bis 2022 endlich in Frieden leben können. Dass jetzt wieder gekämpft wird, erfüllt uns mit grosser Sorge», sagte Tesfay am Dienstag in Freiburg. Seit Ende September sei die Gewalt erneut eskaliert. Bereits zuvor hätten die Menschen unter den Folgen von Dürre, Ernteausfällen und gekürzten Hilfsleistungen gelitten.
Hilfe braucht Sicherheit
Schwester Medhin und die von ihr gegründete Hilfsorganisation Daughters of Charity blieben auch unter schwierigsten Bedingungen an der Seite der Notleidenden, sagte der Leiter von Caritas international, Oliver Müller. «Die erneuten Kämpfe gefährden nicht nur das Leben der Zivilbevölkerung, sondern auch die dringend benötigte humanitäre Hilfe. Unsere Partner brauchen Sicherheit, um ihre lebenswichtige Arbeit fortsetzen zu können.»
Laut Caritas können in der nordäthiopischen Krisenregion fast vier Millionen Menschen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung, nur durch internationale Hilfen überleben. Die Caritas organisiert die Verteilung von Lebensmitteln und Medikamenten. Zudem gibt es kirchliche Familien- und Gesundheitsstationen.
Hunderttausende Tote
Die neuen Kämpfe zwischen der sogenannten Volksbefreiungsfront von Tigray und der Zentralregierung gefährden das ohnehin fragile Friedensabkommen von 2022. Der Konflikt droht sich auch auf die Nachbarländer Eritrea und Sudan auszuweiten.
Laut Angaben der Afrikanischen Union starben in dem zweijährigen Krieg von 2020 bis 2022 mehr als 600’000 Menschen, Millionen wurden zu Flüchtlingen.
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