Ökumenische Zusammenarbeit – Walliser Stiftung Papst Franziskus hilft seit zehn Jahren Menschen in Not
Vor zehn Jahren haben die Kirchen im Wallis die «Walliser Stiftung Papst Franziskus» gegründet. Sie hilft Menschen, die durch die Maschen des sozialen Netzes fallen. Insgesamt über eine Million Franken an Spenden erhielt sie bislang. Nun feiern Katholiken und Reformierte gemeinsam das Jubiläum.
Barbara Ludwig
Das Bistum Sitten, die Abtei Saint-Maurice und die Evangelisch-reformierte Kirche Wallis haben im November 2016 ein gemeinsames diakonisches Projekt gestartet. Sie gründeten die «Walliser Stiftung Papst Franziskus» als konkrete Um- und Fortsetzung des «Heiligen Jahres der Barmherzigkeit». Mit diesem Jahr hatte Papst Franziskus (2013-2025) ein Kernanliegen seines Pontifikats fester in der katholischen Kirche verankern wollen: die Barmherzigkeit.
«Papst Franziskus hat einmal gesagt, er wolle, dass jede Diözese nach dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit etwas tut für die Armen.»
«Papst Franziskus hat einmal gesagt, er wolle, dass jede Diözese nach dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit etwas tut für die Armen», sagt Pierre-Yves Maillard gegenüber kath.ch. Der Generalvikar des Bistums Sitten war bis diesen Sommer Präsident der Stiftung. Das Bistum nahm sich das zu Herzen – und holte auch die Reformierten ins Boot. Im sechsköpfigen Stiftungsrat ist die evangelisch-reformierte Kirche zurzeit mit einer Person vertreten. Es ist Mario Giacomino, der unterdessen das Gremium präsidiert, sagt Maillard.
Ende Oktober feiern die Kirchen das zehnjährige Bestehen der Stiftung mit einer Messe in der Kirche Sacré-Coeur in Sitten, wie aus einem Brief der Stiftung an die Wohltäterinnen und Wohltäter, also an die Spenderinnen und Spender, hervorgeht.
Für Menschen, die durchs soziale Netz fallen
«Die Stiftung hat zum Ziel, Menschen finanziell zu unterstützen, die ansonsten durch die Maschen des sozialen Netzes fallen würden», sagt Maillard. In Fällen, in denen der Sozialstaat nichts unternehmen könne. Oder wenn Menschen dringend Geld benötigen und es längere Zeit dauere, bis staatliche Stellen helfen könnten. Zum Beispiel, wenn jemandem demnächst der Strom abgestellt wird, weil er die Rechnungen nicht mehr bezahlt. «Da können wir viel schneller und unbürokratisch reagieren», so Maillard.
Die Stiftung arbeitet mit Institutionen zusammen, die im sozialen und karitativen Bereich tätig sind wie Caritas, Rotes Kreuz, Pfarreien und die sozialmedizinischen Zentren. Von diesen erhalte der Stiftungsrat auch die Gesuche um Unterstützung.
«Unsere Beiträge überweisen wir jeweils auch an die Institution und nicht direkt an die Leute, die Hilfe brauchen. Wir helfen nur Menschen, die begleitet werden und für die es keine andere Lösung gibt», erklärt Maillard. Bei seinen Entscheiden orientiere sich der Stiftungsrat an einem Kriterienkatalog, im Vordergrund stünden dabei die Grundbedürfnisse, also das Lebensnotwendige. Die Stiftung hilft Menschen unabhängig von Nationalität, Herkunft und Religion.
Über eine Million Spendengelder
Der Generalvikar zeigt sich zufrieden mit dem, was seit der Gründung der Stiftung erreicht worden ist. Am Anfang habe man nämlich nicht gewusst, ob man Spenden bekomme und ob Institutionen Dossiers von hilfsbedürftigen Menschen einreichen würden, so Maillard. Unterdessen erhalte die Stiftung im Schnitt jährlich 100’000 Franken an Spenden, darunter seien auch ganz kleine Beträge.
Im ersten Jahr konnte sie laut dem Brief Unterstützungsbeiträge von insgesamt 30’000 Franken ausrichten und während der Corona-Jahre bis zu 180’000 Franken (im Jahr 2021). «Inzwischen haben wir die Grenze von einer Million Franken an erhaltenen und weitergegebenen Spenden überschritten und in mehr als tausend familiären Notsituationen im Wallis Hilfe geleistet, vor allem zur Deckung notweniger Bedürfnisse», schreibt die Stiftung.
*Die Messe zum 10-jährigen Bestehen der Stiftung findet am Samstag, 31. Oktober, um 17.30 Uhr in der Kirche Sacré-Coeur in Sitten statt. Geleitet wird der Gottesdienst von Bischof Jean-Marie Lovey. Ebenfalls anwesend wird sein Alexandre Ineichen, Abt von Saint-Maurice. Die Predigt hält Pfarrer Gilles Gavin, Mitglied des Synodalrates der Evangelisch-Reformierten Kirche des Wallis und Präsident der Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz.
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