Jan Loffeld: «Es gibt eine Ökumene in der Gottesfrage»
Konfessionelle Unterschiede sind nur noch für eine verschwindend kleine Minderheit relevant, sagt der Religionssoziologe Jan Loffeld. Welchen Schluss er daraus zieht, erklärt er im Podcast «Laut + Leis».
«Wenn es um Geschichten aus der Sakramentenpastoral oder aus der Kasualpastoral geht und wir mit evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern am Tisch sitzen, dann realisieren wir schnell: Wir haben den gleichen Erfahrungshintergrund. Auch wenn wir vielleicht mit den Sakramenten etwas anderes verbinden, aber es interessiert die Leute nicht mehr, oder es geht nur noch um das Ritual.
Wir können mit der Botschaft des Evangeliums – Gott möchte dein Lebenspartner werden, er möchte mit dir gehen –, die wir in allen Konfessionen, denke ich, ähnlich verkünden, bei vielen Menschen nicht mehr landen.
Und dann haben Sie wirklich diese Indifferenz-Erfahrung in beiden Kirchen oder in den verschiedenen Kirchen. Das ist, glaube ich, auch noch eine weitere Enttäuschung. Enttäuschung ist vielleicht ein zu starkes Wort, aber zumindest ein Wachrütteln. Wir waren lange der Meinung, dass Menschen über die verschiedenen Konfessionsmarker unterschiedlich ansprechbar sind. Das eine als attraktiver empfinden als das andere.
Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Deshalb habe ich in der Otto-Karrer-Vorlesung die empirischen Daten aus der Schweiz und aus Deutschland präsentiert. Die Ergebnisse sind in beiden Ländern vergleichbar.
Wir können auch andere Länder anschauen: Konfessionen spielen eine geringe Rolle. Das heisst, alle christlichen Konfessionen sitzen im selben Boot. Im Kern sollte es allen sowieso um das Evangelium gehen. Wenn wir das schaffen, gibt es eine Ökumene in der Gottesfrage.»
Das sagt Jan Loffeld im Podcast «Laut + Leis». Er ist Priester in Münster und Professor für Praktische Theologie in Utrecht und hat mit seinem Buch «Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt» für innerkirchlichen Wirbel gesorgt. Ende September hat er an der Universität Luzern die diesjährige Otto-Karrer-Vorlesung gehalten. (sl)
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