Eva-Maria Faber: «Wir wissen oft genau, was die anderen verändern müssen»
Eine Herzensangelegenheit ist der Rektorin der Theologischen Hochschule Chur seit vielen Jahren die Ökumene. Im Podcast «Laut + Leis» sagt sie, was für sie die zwei wichtigsten Dinge sind, damit es vorwärts geht.
«Ich habe im Laufe meiner ökumenischen Forschung und Reflexion zwei Dinge wahrgenommen und dann auch versucht, auf diese aufmerksam zu machen. Das Erste ist, dass wir immer noch schnell dabei sind zu sagen, was die anderen verändern müssen, und weniger fragen, was wir selbst verändern müssten. Das hat mich gestört und verärgert.
Deswegen war ich auch in Vorträgen sehr viel unterwegs mit dem Thema Selbstreflexion, Umkehr, was in den offiziellen Texten eigentlich drinsteckt, wo ich dann gefunden habe, ja, dann müssen wir aber wirklich auch bei uns selbst anfangen.
Das Zweite war dann, dass mich die Spiritualität von Ignatius von Loyola inspiriert hat. Er ist in seinem Denken bereits ein neuzeitlicher Mensch gewesen. Er hat gefragt, wie man Prozesse effektiv führen kann. Wie müssen wir vorangehen, damit wir auch unser Ziel erreichen? Das hat mich nachdenklich werden lassen, ob das nicht gerade das ist, was in der Ökumene fehlt, nämlich wirklich diese Entschlossenheit zu haben.
Nicht einfach nur zu sagen, wir möchten gerne und es wäre schön, und wir müssen wieder auf die Einheit zustreben. Sondern was müssen wir tun, um diese Einheit auch wirklich zu erreichen? Ich habe in der Ökumene oft den Eindruck, dass wir die Mittel, nämlich die Art und Weise, wie wir konkret katholische Traditionen leben, verwechseln mit dem Ziel, das zum einen das Reich Gottes wäre und zum andern die Einheit der Christinnen und Christen.
Wenn wir die Mittel mit dem Ziel verwechseln, dann verabsolutieren wir unsere Traditionen, statt zu sagen, wir müssen sie nicht aufgeben, aber wir dürfen nicht erwarten, dass alle anderen Gläubigen dieselben Traditionen pflegen. Wir müssen nach Wegen suchen, wie wir offen werden, auch das, was die anderen als wichtig erachten, anzuerkennen. Es geht darum, diese Pluralität zu akzeptieren.
Das sagt Eva-Maria Faber im Podcast «Laut + Leis». Sie ist Rektorin der Theologischen Hochschule Chur und feiert im Juli ein Jubiläum: Seit 25 Jahren ist sie Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie in Chur. Ihr jüngstes Buch heisst «Entschlossen vorangehen. Ignatianische Spiritualität als Stachel für die ökumenische Praxis», Verlag Aschendorff, 2023. (sl)
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