Macron bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich dabei
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird an keinem der drei grossen öffentlichen Gottesdienste mit Papst Leo XIV. bei dessen Frankreich-Besuch, der heute beginnt, teilnehmen. Das teilte der Élysée-Palast laut französischen Medienberichten mit.
(KAP) Bei der Freiluft-Messe auf der Place de la Concorde in Paris am Samstag wird der Staatspräsident demnach von Premierminister Sébastien Lecornu und «Première dame» Brigitte Macron vertreten. Leo XIV. feiert zudem die Sonntagsmesse im Wallfahrtsort Lourdes und am Montag einen Gottesdienst in der Kathedrale von Metz. Zu einer Vesper in der Kathedrale Notre-Dame in Paris am Freitagabend sind vor allem Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute sowie Seminaristen aus ganz Frankreich eingeladen worden.
Die Sache mit der Laizität
2023 hatte Präsident Macron, selbst Katholik, an einem Gottesdienst mit Leos Vorgänger Papst Franziskus in Marseille teilgenommen – trotz vorangegangener Kritik, er verletze damit die in Frankreich herrschende Laizität, also die Trennung von Staat und Kirche. Leo XIV. wird heute von Macron um 10 Uhr zum Auftakt von dessen Staats- und Pastoralbesuch am Flughafen begrüsst und hat ihn im Anschluss offiziell an seinem Amtssitz empfangen.
Im Élysée-Palast hält das Kirchenoberhaupt nach der Begegnung mit Macron auch die für alle Papstreisen übliche Rede vor Vertretern staatlicher Institutionen, der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Korps.
Hat der Papst Gala-Dinner ausgeschlagen?
Jüngste Medienberichte, wonach der Heilige Stuhl ein von Macrons Präsidialamt vorgeschlagenes Gala-Dinner mit dem Papst ausgeschlagen und auch eine vom Staatspräsidenten persönlich angeführte Exklusiv-Führung durch die nach dem Brand von 2019 wieder aufgebauten Kathedrale Notre-Dame abgelehnt habe, wiesen Berater aus dem Umfeld Macrons zurück.
Das Präsidialamt schlage bei allen Staatsbesuchen ein umfangreiches Paket an möglichen Programmpunkten vor, das dann «angepasst» werde, hiess es laut Nachrichtenagentur AFP. So seien etwa eine Truppenparade am Invalidendom oder ein vom Kavallerie-Regiment der Republikanischen Garde begleiteter Umzug über die Champs-Élysées für einen Papst-Besuch «natürlich nicht geeignet».
Ohne jedwede Spannungen
Das Besuchsprogramm von Leo XIV. sei «in Gelassenheit» und ohne jedwede Spannungen mit dem Vatikan ausgearbeitet worden. Laut AFP räumte der Élysée-Palast aber ein, dass sich Macron ein Treffen des Papstes mit an Rettung und Wiederaufbau der Notre-Dame beteiligten Feuerwehrleuten und Handwerkern gewünscht hätte, was aus «terminlichen Gründen» aber «nicht möglich war».
Schon vergangene Woche hatte das Magazin «Le Point» berichtet, dass Macron alle EU-Staats- und Regierungschefs dazu eingeladen habe, der für Montag geplanten Ansprache von Papst Leo im Robert-Schuman-Kongresszentrum in Metz beizuwohnen, wo der Papst über Versöhnung, Frieden und die Einheit Europas sprechen dürfte. Dies bestätigte das Präsidialamt nun, wobei aber noch nicht klar sei, welche Staatsspitzen die Einladung nach Metz annehmen. «Die Einladungen sind verschickt, die Antworten treffen noch ein.»
Fünfte Auslandsreise von Leo XIV.
Der von Freitag bis Montag angesetzte Frankreich-Besuch von Papst Leo XIV. ist der erste eines katholischen Kirchenoberhaupts seit der Visite von Benedikt XVI. (2005-2013) im Jahr 2008. Papst Franziskus (2013-2025) war zwar dreimal in Frankreich, nämlich 2014 in Strassburg, 2023 in Marseille und 2024 auf Korsika. Doch handelte es sich jeweils um Besuche bei europäischen Institutionen beziehungsweise um pastorale Anlässe, nie um einen offiziellen Staatsbesuch.
Die französischen Bischöfe rechnen bei den verschiedenen Veranstaltungen in Paris, Saint-Denis, Lourdes und Metz mit insgesamt rund einer Million Menschen. Das Leitwort der Reise lautet «Damit die Welt Leben hat». In Paris besucht Leo XIV. auch den Hauptsitz der Weltkulturorganisation Unesco.
17’000 Freiwillige
Wenige Tage vor Beginn der Papstreise herrsche Vorfreude, sowohl bei Priestern, Ordensleuten und Kirchen-Mitarbeitern als auch bei den 17’000 Freiwilligen, die sich gemeldet haben, um den reibungslosen Ablauf des Besuchs zu gewährleisten, berichtet der Apostolische Nuntius in Frankreich, Erzbischof Celestino Migliore, im Gespräch mit dem Sender Radio Vatikan. «Es ist ein Gefühl grosser Vorfreude, freudiger Erwartung. Man spürt, dass in ganz Frankreich eine grosse Begeisterung herrscht, und zwar nicht nur unter den Katholiken.»
«Man wartet gespannt auf die Bestätigung des Glaubens und des Engagements der Kirche durch den Papst, zum Wohle der Gesellschaft.»
Von Leo XIV. erwarteten sich die Franzosen vor allem eine Botschaft der Hoffnung inmitten der Schwierigkeiten, mit denen die französische Gesellschaft heute konfrontiert sei, sagte der Vatikandiplomat. «Man wartet gespannt auf die Bestätigung des Glaubens und des Engagements der Kirche durch den Papst, zum Wohle der Gesellschaft.»
Für den seit Mai 2025 amtierenden Papst Leo ist es die fünfte Auslandsreise seines Pontifikats. Im Spätherbst 2025 hatte der erste US-Amerikaner im Papstamt die Türkei und den Libanon besucht, im März 2026 folgte eine Tagesvisite im Fürstentum Monaco. Im April 2026 absolvierte der Papst eine zwölftägige Reise in vier afrikanische Länder (Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea), anschließend besuchte er im Juni Spanien. Nach der Frankreich-Visite folgt noch heuer eine Südamerika-Reise, die Leo XIV. von 6. bis 17. November nach Uruguay, Argentinien und Peru führen wird.
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