Papst Leo XIV. spricht am 23. April 2026 mit Journalisten an Bord des Flugzeugs auf der Reise von Äquatorialguinea zurück nach Rom (Italien).
Vatikan

Papst in Südamerika: Reise mit emotionalen und politischen Höhepunkten

Nach langen Spekulationen ist es offiziell: Papst Leo XIV. wird im November elf Tage lang Südamerika bereisen. Er besucht drei Länder. Jedes davon ist eine besondere Herausforderung – vor allem politisch.

Ludwig Ring-Eifel (CIC)

Mit der Ankündigung am Mittwoch hat der Vatikan eine seit Monaten anhaltende Spekulation offiziell bestätigt: Papst Leo XIV. wird erstmals seit seiner Wahl den katholikenreichsten Erdteil besuchen. Neben seiner «zweiten Heimat» Peru, wo er über Jahrzehnte lebte, sind Uruguay und Argentinien seine Reiseziele.

Der Papst wird vom 6. bis 8. November Montevideo, Paysandú und Florida in Uruguay besuchen; vom 8. bis 11. November hält er sich in Argentinien auf. Neben der Hauptstadt Buenos Aires besucht er das intellektuelle Zentrum Córdoba und das Marienheiligtum in Luján.

Klare Schwerpunktsetzungen

Schliesslich bereist er vom 11. bis 17. November Peru. Dort stehen die Hauptstadt Lima sowie die Städte Chiclayo, Cusco und Pucallpa auf dem Programm.

Schon die jeweilige Dauer der Aufenthalte zeigt klare Schwerpunktsetzungen: In Uruguay, dem laizistischsten Land Südamerikas, verbringt er drei Tage. In Argentinien, dem Heimatland seines Vorgängers Franziskus, das dieser als Papst niemals besuchte, sind es vier Tage. Und in Peru, wo er in Chiclayo von 2015 bis 2023 als Bischof wirkte und die Staatsbürgerschaft erwarb, sind es fünf Tage.

Päpstliches Heimspiel in Chiclayo

Während der Besuch in der peruanischen Provinzmetropole Chiclayo ein «Heimspiel» voll emotionaler Höhepunkte und festlicher Wiedersehensfreude werden dürfte, enthalten die meisten anderen Stationen besondere politische Herausforderungen für den Papst. Denn Leo XIV. hat sich drei Staaten ausgesucht, in denen die katholische Kirche mit der gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Linie der jeweiligen Regierung oft über Kreuz liegt.

Der heutige Papst engagierte sich 2017 als Bischof Robert Francis Prevost von Chiclayo (Peru) beim Spendenaufruf der Hilfsorganisation Caritas nach einer Überschwemmung
Der heutige Papst engagierte sich 2017 als Bischof Robert Francis Prevost von Chiclayo (Peru) beim Spendenaufruf der Hilfsorganisation Caritas nach einer Überschwemmung

Das gilt zunächst für Uruguay. Das kleine Land zwischen Brasilien und Argentinien ist mit Abstand wohlhabender als seine grossen Nachbarn und gilt als liberal. In Uruguay gibt es seit 1916 eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat, weniger als die Hälfte der Uruguayer nennen sich katholisch.

Laizistisch und liberal sind auch viele Gesetze. Seit 2012 gilt bei der Abtreibung eine Fristenregelung mit Beratungspflicht, ähnlich wie in Deutschland. Und 2025 wurde per Gesetz die aktive Sterbehilfe für unheilbar kranke Menschen zugelassen. Die katholischen Bischöfe vor Ort haben sich zu dieser Form der Liberalität stets kritisch zu Wort gemeldet. Von Papst Leo XIV. wird erwartet, dass er ihnen Rückendeckung gibt.

Papst und Milei treffen aufeinander

Andere politische Konflikte tun sich in Argentinien auf. Der dortige Präsident Javier Milei ist zwar ein Gegner von Abtreibung und Sterbehilfe, doch in der Wirtschafts- und Sozialpolitik vertritt er ein radikal marktwirtschaftliches Programm.

Der Präsident Argentiniens, Javier Milei
Der Präsident Argentiniens, Javier Milei

Der impulsive Ex-Wirtschaftsprofessor, der «mit der Kettensäge» teure Wucherungen in Bürokratie und Sozialstaat zurückschneiden wollte, ist ein Verbündeter von US-Präsident Donald Trump. Wie der sanfte und auf sozialen Ausgleich bedachte Leo XIV. mit Milei und seiner radikal liberalen Politik umgehen wird, ist eine der spannendsten Fragen dieser Reise.

Ähnliches gilt auch für das Aufeinandertreffen mit der neuen peruanischen Präsidentin Keiko Fujimori, die ähnlich wie Milei auf freie Wirtschaft und einen nur in Polizeiaufgaben starken Staat setzt. Ihr Vater Alberto Fujimori regierte Peru von 1990 bis 2000 mit harter Hand und verletzte immer wieder Menschenrechte – doch bewahrte er Peru vor der Übernahme durch die blutrünstigen Steinzeitkommunisten des «Leuchtenden Pfads».

In Peru geht es um Versöhnung

Diese schlimmen Jahre hat der jetzige Papst einst als Ausbildungsleiter und Provinzoberer seines Ordens (von 1988 bis 1998) in Peru miterlebt. Deshalb sind die Erwartungen hoch, dass er, als Zeitzeuge und nun zudem noch in der Rolle der höchsten moralischen Autorität, die richtigen Worte findet. Es geht darum, Jahre des Terrors und Anti-Terrors aufzuarbeiten, Wunden zu heilen, Tote zu ehren und ein bis heute gespaltenes Land wieder zusammenzuführen.

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Dass Leo XIV. das Land, die Menschen und ihre Sprache kennt, ist dabei eine grosse Hilfe. Schon bei seiner letzten grossen «politischen» Rede auf Spanisch, am 8. Juni im Parlament von Madrid, überraschte er seine Zuhörer. Er überzeugte mit hellsichtigen Analysen auf der Grundlage der Kenntnis der Geschichte und bot parteiübergreifende Perspektiven, die ihm grossen Respekt in allen politischen Lagern einbrachten. Ähnliches könnte ihm auch in Südamerika gelingen.


Papst Leo XIV. spricht am 23. April 2026 mit Journalisten an Bord des Flugzeugs auf der Reise von Äquatorialguinea zurück nach Rom (Italien). | © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
6. August 2026 | 09:00
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