Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, und neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz am 24. Februar 2026 in Würzburg.
International

Katholische Kirche warnt vor AfD-Wahl – «Menschenwürde bedroht»

Die Position der katholischen Kirche in Deutschland zur AfD ist eigentlich bekannt. Zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt werden nun aber alle bekannten Warnungen vor der Partei nochmals gebündelt.

(KNA) Im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnt die katholische Kirche in Deutschland nochmals eindringlich vor einer Wahl der AfD am Sonntag. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, betonte die ablehnende Haltung der Bischöfe zu der rechtspopulistischen Partei. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) rief alle Wähler und Parteien auf, eine AfD-Landesregierung zu verhindern. Ähnlich äussern sich auch die jeweiligen Erzbischöfe von Berlin und Paderborn.

«Ihre Alternative für Deutschland ist eine Gesellschaft, in der Freiheit, Menschenwürde und Demokratie eingeschränkt werden.»

Im Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sagte Wilmer jüngst, Christinnen und Christen stünden für Nächstenliebe und Menschenwürde, insbesondere für die Schwächsten der Gesellschaft.

«Die AfD attackiert diese Grundwerte und hintergeht unsere demokratische Staatsform als solche. Ihre Alternative für Deutschland ist eine Gesellschaft, in der Freiheit, Menschenwürde und Demokratie eingeschränkt werden», betonte der Münsteraner Bischof.

Wilmer: Herausforderungen anerkennen

Den Erfolg der AfD, die bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt laut aktuellen Umfragen mit rund 40 Prozent mit Abstand stärkste Kraft werden könnte, führt Wilmer auch darauf zurück, dass sich Menschen von Politikern der etablierten Parteien nicht ernstgenommen fühlten. Gleichzeitig müsse aber auch anerkannt werden, dass es aktuell viele Herausforderungen wie Kriege, Klimakrise und wirtschaftliche Umbrüche gebe.

«Eine gesichert rechtsextreme Partei darf auf keinen Fall die Landesregierung bilden oder Teil davon sein. Alle demokratischen Kräfte müssen das ihre tun, um einen solch radikalen politischen Umbruch in Deutschland zu verhindern.»

«Das kann sehr leicht überfordern. Und da sind einfache Antworten, mit denen das Blaue vom Himmel versprochen wird, verlockend», erklärte Wilmer. Die Kirche wolle und könne keine Wahlvorschriften machen, stellte Wilmer gleichzeitig klar. Er appelliere aber «an die Mündigkeit der Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt, ihr Gewissen zu schärfen. Migranten stören nicht.»

ZdK: Keine AfD-Landesregierung

Noch deutlicher wurde ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp mit Blick auf das mögliche Wahlergebnis. «Eine gesichert rechtsextreme Partei darf auf keinen Fall die Landesregierung bilden oder Teil davon sein. Alle demokratischen Kräfte müssen das ihre tun, um einen solch radikalen politischen Umbruch in Deutschland zu verhindern.»

Kritisch sehe sie Stimmen, die dafür plädieren, der AfD in einer Regierungsverantwortung beim Scheitern zuzuschauen und auf bessere Zeiten zu hoffen, so Stetter-Karp. «Wer das Programm der AfD in Sachsen-Anhalt aufmerksam liest, findet darin klare Zeichen. Sie ist eine Gegnerin der liberalen Demokratie und strebt einen schnellen und deutlichen Umbau des Bundeslandes an.»

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch ermunterte zu persönlichen Gesprächen, um AfD-Anhänger zu erreichen. «Die Menschen müssen spüren, dass sie in der Kirche über solche Themen sprechen können und dass wir diese Themen sehr ernstnehmen», sagte Koch im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Gleichzeitig sei er sich der Schwierigkeit bewusst, sich öffentlich gegen die AfD zu positionieren. «Sich zu positionieren, bedeutet nämlich auch, dass man sich gegen gewisse Ansichten mancher Mitmenschen stellt», so Koch. Das könne kleine Gemeinden spalten.

Abwendung von AfD-Wählern hinnehmen

Dennoch müsse die Kirche Haltung zeigen, auch wenn sich AfD-Wähler von ihr abwandten, sagte der Berliner Erzbischof. «Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen», so Koch. «Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich!»

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz warnte vor einer pauschalen Verurteilung von AfD-Wählern in Form von «Wähler-Bashing». Das geheime Wahlrecht sei einer der höchsten Werte in der Demokratie.

Anzeige ↓ Anzeige ↑

Gleichzeitig verwies Bentz auf Entwicklungen in anderen Ländern. Aus seiner Sicht habe Rechtspopulismus bislang nirgends zu einer wirklichen Verbesserung geführt. Als Beispiele nannte er den Brexit sowie politische Entwicklungen in Polen, Ungarn und den USA. Aufgabe der Kirche sei, solche Entwicklungen kritisch zu analysieren und Menschen zu ermutigen, politische Versprechen an ihren tatsächlichen Folgen zu messen.


Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, und neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz am 24. Februar 2026 in Würzburg. | © Harald Oppitz/KNA
4. September 2026 | 15:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!