Afd-Wahl: Zahme Bischöfe
Die Rechtsaussenpartei Afd hat bei den Wahlen am Sonntag rund ein Drittel der Stimmen und Parlamentssitze in Sachsen und Thüringen erhalten. Die Bischöfe in Sachsen reagieren zahm: Die Parteien sollen die Hoffnungen der Wähler ernst nehmen.
Nach der Landtagswahl haben Sachsens Bischöfe die Parteien aufgerufen, die Hoffnungen der Wähler ernst zu nehmen. «Der neu gewählte Landtag ist mit seinen sieben Parteien so bunt wie nie zuvor. Auch wenn die Ränder stärker geworden sind, spiegelt er die Vielfalt der sächsischen Gesellschaft wider», schreiben der katholische Bischof Heinrich Timmerevers und der evangelische Landesbischof Tobias Bilz in einer gemeinsamen Erklärung am Montag in Dresden.
In der hohen Wahlbeteiligung von 74,4 Prozent sehen sie ein grosses Interesse an politischer Mitbestimmung: «Hinter den Prozentsätzen stehen Hoffnungen von Menschen. Hoffnungen, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.» Die Bischöfe erklärten, die Abgeordneten bräuchten neben einer klaren Haltung auch eine hohe Gesprächs- und Kompromissbereitschaft. Zugleich sicherten die Kirchen der sächsischen Politik ihre Unterstützung «mit unseren Möglichkeiten» zu.
Die Bischöfe warben für einen neuen Umgang miteinander in Politik und Zivilgesellschaft. Dabei gelte es, unterschiedliche Positionen auszuhalten und konstruktive Lösungen zu suchen. Gleichzeitig erneuerten sie ihren Appell, «Menschenfeindlichkeit sowie extremistischem und nationalistischem Gedankengut keinen Platz in unserem Land zu geben.»
Caritas: «AfD tritt unsere Werte mit Füssen»
Der Deutsche Caritasverband rief nach den Wahlen zu einer Stärkung des Sozialstaates auf. «Wer genau hinhört, spürt ein grosses Bedürfnis nach Sicherheit – geradeauch nach sozialer Sicherheit», erklärte Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa am Montag in Berlin.
Besorgt äusserte sie sich zudem über das gute Abschneiden der AfD bei den Wahlen. «Die AfD ist eine Partei, die unsere Werte mit Füssen tritt», betonte Welskop-Deffaa. Auch dagegen brauche es eine starke Zivilgesellschaft. «Wenn Demokratie hinter den Erwartungen der Menschen zurückbleibt, haben die Feinde der Demokratie ein leichtes Spiel.»
Auch die Caritas-Verbände in den jeweiligen Regionen äusserten ihre Besorgnis über die Wahlergebnisse. «Vor den demokratischen Parteien liegt eine Herkulesaufgabe, eine stabile Mehrheitsregierung zu bilden, die die nächsten Jahre trägt, damit die drängenden sozialen Aufgaben in Thüringen gelöst werden», sagte die Diözesan-Caritasdirektorin im Bistum Erfurt, Monika Funk.
Der Diözesan-Caritasdirektor im Bistum Dresden-Meissen, Matthias Mitzscherlich, hob die hohe Wahlbeteiligung in Sachsen von rund 74 Prozent hervor: «Das Signal, das von vielen Wahlkämpfern im Wahlkampf ausgesandt wurde – uns interessiert die Lebenswirklichkeit der
Menschen, wir kümmern uns um sie – muss jetzt in den politischen Alltag hinein übersetzt werden.» (kna)
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