«Auf Dialog setzen»: Aussenbeauftragter des Papstes besucht Moskau
Eben erst drohte Putin der Ukraine «viel zerstörerische» Vergeltungsangriffe an. Der Papst dringt auf ein Kriegsende und schickt seinen Aussenbeauftragten Gallagher nach Moskau zu dessen russischem Amtskollegen Lawrow.
(KNA) Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine reist der Aussenbeauftragte des Vatikans, Erzbischof Paul Richard Gallagher, am heutigen Montag nach Moskau. Dort wird er am Dienstag mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow zusammenkommen, wie dessen Sprecherin ankündigte. Moskau will laut eigenen Angaben über seine Zusammenarbeit mit dem Vatikan und über die Ukraine reden.
Der Vatikan spricht von Diplomatie für den Frieden. Gallaghers Russland-Besuch zeige den Willen des Heiligen Stuhls, «auch in einer der schwierigsten Phasen der internationalen Beziehungen weiter auf Dialog zu setzen», schreibt das Portal Vatican News. Gallagher will auch Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche und die katholische Gemeinschaft des Landes treffen. Am Donnerstagabend feiert der Kurienerzbischof eine Messe in Moskaus katholischer Kathedrale, bevor er am Freitag zurück nach Rom fliegt.
Zuvor in Kiew
Gallagher hatte Ende Juli die Ukraine besucht. In Kiew empfingen ihn unter anderen Präsident Wolodymyr Selenskyj und Aussenminister Andrij Sybiha. Der Vatikan fordert ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges. Besonders Kardinal Matteo Zuppi bemüht sich im Auftrag von Papst Leo XIV. um die Heimkehr von Kriegsgefangenen und nach Russland deportierten ukrainischen Kindern und Jugendlichen. Zuppi reiste im Juni 2023 auch nach Moskau. Gallagher besuchte zuletzt im November 2021 Russland.
Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die ganze Ukraine. Schon 2014 nahm Moskau die Halbinsel Krim ein und verkündete die Annexion der ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Russlands Präsident Wladimir Putin kündigte am Wochenende im Staatsfernsehen «viel schmerzhaftere und viel zerstörerischere» Vergeltungsmassnahmen der russischen Armee für ukrainische Attacken auf «unsere Wirtschaft» an. Die Ukraine habe «selbst die Büchse der Pandora geöffnet».
Mehr getötete Zivilisten in der Ukraine
Nach Angaben der Vereinten Nationen stieg in der Ukraine die Zahl der durch den Krieg getöteten Zivilisten deutlich an. Im Juli wurden 437 Todesopfer registriert – mehr als in jedem Monat seit Juni 2022. Im Juni 2026 waren es 298. Im vergangenen Monat wurden auch mehr Zivilisten verletzt: 2.610 gegenüber 2.041 im Juni. Sowohl die Ukraine als auch Russland halten geheim, wie viele eigene Soldaten getötet oder verletzt wurden.
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