Die Altstadt von Morges - mit reformierter Kirche im Hintergrund
Schweiz

Gross angelegte Kirchgemeindefusion bei den Reformierten in der Waadt

Die Reformierte Kirche des Kantons Waadt hat einen umfassenden Fusionsprozess ihrer Kirchgemeinden eingeleitet. Bis 2029 soll deren Zahl von 88 auf 30 sinken. Damit werden geschätzt die Hälfte der rund 300 Kirchen stillgelegt werden. Der Prozess ist angelaufen.

Maurice Page (cath.ch) und Regula Pfeifer (kath.ch)

Die Evangelisch-Reformierte Kirche des Kantons Waadt (EERV) hat vor einigen Monaten eine Umstrukturierung eingeleitet. Ihr Ziel: die Anzahl Kirchgemeinden bis im Jahr 2029 von 88 auf 30 zu reduzieren. Darüber berichtet die Westschweizer Tageszeitung «24 Heures».

Rückgang bei Mitgliedern

Die Initiative der reformierten Kirche basiert auf der Entwicklung ihrer Mitgliederzahlen. Zwischen 2013 und 2023 ist die Zahl der Protestanten im Kanton Waadt um etwa 31’000 Personen zurückgegangen, wie die Zeitung festhält. Dies entspricht einem Rückgang von fast 20 Prozent.

Die Fusion der Kirchgemeinden wird sich auch auf die Gotteshäuser auswirken. So werden die fusionierten Kirchgemeinden einen oder zwei kirchliche Hauptstandorte für ihre Gottesdienste auswählen und die anderen Kirchen nicht mehr nutzen. Die Frage ist, was mit diesen restlichen Kirchen geschehen soll.

Laut der Zeitung ist es realistisch, dass die von den Kirchgemeinden genutzten Gotteshäuser künftig um die Hälfte reduziert werden. Tatsächlich haben die Kirchgemeinden zunehmend Schwierigkeiten, Gotteshäuser zu unterhalten, die sie immer seltener nutzen. Manche Kirchen werden nur noch einmal alle zwei Monate genutzt, was ebenfalls nicht alle zufriedenstellt.

Die Gemeinden übernehmen

Im Kanton Waadt gehören die reformierten Kirchen in der Regel den politischen Gemeinden, die auch für deren Unterhalt zuständig sind. Sie werden also die Umnutzung der Kirchengebäude organisieren müssen. «Die Pfarrbehörden müssen sich an die Gemeinden wenden, die in mehr als 90 Prozent der Fälle Eigentümer sind», sagt Laurent Curchod laut Zeitung. Ihn hat die EERV in diesem Frühjahr beauftragt, den Fusionsprozess zu begleiten.

Curchod trifft sich immer wieder mit den Kirchgemeinden. Er will sich bis im Herbst Zeit nehmen, die Absichten der einzelnen Gemeinden in Erfahrung zu bringen. Daraus will er eine neue Übersichtskarte der Kirchgemeinden und Kirchen erstellen, die anschliessend 2027 vom Synodalrat und der Synode genehmigt werden muss.

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Erste Schritte unternommen

An gewissen Orten läuft der Prozess bereits. So planen die drei Kirchgemeinden Savigny-Forel, Jorat-Mezières und Oron-Palézieux bereits den Zusammenschluss. Das sagt Chantal Weidmann Yenny, Gemeindepräsidentin von Savigny und Präsidentin des Gemeindeverbands des Kantons Waadt (UCV), gegenüber der Zeitung. Es habe ein erstes Treffen zwischen den Kirchgemeinden und den Gemeinden gegeben.

Auch in der Region Morges haben sich bereits sechs Kirchgemeinden zu einer Fusion entschlossen. Jede dieser Kirchgemeinden hat aktuell sechs bis acht Kirchen zur Verfügung. Künftig werde sich jede auf eine oder zwei Kirchen beschränken müssen, sagt der in den Prozess involvierte Diakon Emmanuel Schmied.

«Wir werden sicherlich die Bevölkerung fragen, was sie sich wünscht, und Schritt für Schritt vorgehen.», sagt Weidmann Jenny in ihrer Funktion als Gemeindeverbandspräsidentin und versichert: «Wir werden diese Gotteshäuser auf keinen Fall dem Verfall preisgeben!»

Keine Entweihung notwendig

Im Gegensatz zu katholischen Kirchen sind protestantische Kirchen keine geweihten Räme. Daher gibt es keine Verfahren, keine Zeremonien für deren Entweihung. Evangelisch-reformierte Kirchen können also für andere, nicht-religiöse Zwecke genutzt werden. Dennoch ist eine protestantische Kirche ein emotionales Thema. Sie bleibt wichtig, auch für Menschen, die sie nur sehr selten besuchen, etwa an Beerdigungen. Zudem wirken sie in Dörfern als Wahrzeichen.


Die Altstadt von Morges – mit reformierter Kirche im Hintergrund | © Stedewa /CC BY-SA 3.0
13. August 2026 | 16:00
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