Erdbeben in Kolumbien: Priester evakuierte Gläubige und gewandelte Hostien
Ein katholischer Priester hat während des schweren Erdbebens in Kolumbien am Montag die Gläubigen seiner Kirche gemeinsam mit den konsekrierten Hostien ins Freie geführt. Nachdem die Gläubigen das Gotteshaus verlassen hatten, stürzte ein Teil des Kirchturms ein.
(KAP/KNA) Das Beben ereignete sich laut der Nachrichtenagentur Aciprensa während einer Messe in der Kirche Santisima Trinidad in Palmira im Departamento Valle del Cauca. Der Priester hatte kurz zuvor die Wandlungsworte gesprochen und war gerade dabei, die Kommunion auszuteilen, als die Erde zu beben begann und die Kirchenfenster zu vibrieren anfingen. Pfarrer Oscar Aguirre Calderon begann zu beten und forderte die Gläubigen auf, langsam das Gotteshaus zu verlassen. Dabei nahm er den Kelch mit den gewandelten Hostien mit. «Wir konnten mit dem Allerheiligsten Sakrament hinausgehen, was für uns alle ein Segen war», berichtete der Priester in einem von der Diözese Palmira veröffentlichten Video.
Kirchturm stürzte ein
Die Gläubigen versammelten sich anschliessend auf einem Platz vor der Kirche. Kurz darauf stürzte ein Teil des Kirchturms ein, auch Teile der Kuppel wurden beschädigt. Im Inneren lösten sich Ziegel und beschädigten unter anderem zwei Kapellen. Verletzt oder getötet wurde nach Angaben des Pfarrers niemand.
Die Kirche Santisima Trinidad gilt als Kulturerbe der Stadt und hat für die Bevölkerung eine besondere Bedeutung. Wegen der Schäden kann dort vorerst keine Eucharistie gefeiert werden. Zunächst seien Reparatur- und Sicherungsarbeiten notwendig. Auch mehrere weitere Kapellen und Kirchen der Diözese Palmira wurden laut Angaben durch das Erdbeben beschädigt.
Zahlreiche Videos von Erdstössen
In mehreren Kirchen wurde das Beben während Gottesdiensten aufgezeichnet. In der Kirche des Senor de los Milagros im kolumbianischen Jardín in Antioquia mussten die Gläubigen die laufende Messe unterbrechen und das Gotteshaus ruhig verlassen, während die Erschütterungen zunahmen.
In der Kathedrale von Manizales ist auf Video-Aufnahmen der Erzdiözese zu sehen, wie sich ein Priester während des Bebens an einer Säule festhält. Kurz darauf begann sich einer der Türme der Kathedrale sichtbar zu neigen.
Über 200 Todesopfer
Das Erdbeben der Stärke 7,4 auf der Richterskala und 29 Nachbeben haben am Montag in vielen Regionen des südamerikanischen Landes Verwüstungen angerichtet. Das Epizentrum des schwersten Erdbebens seit Jahrzehnten lag im Westen des Landes nahe San José del Palmar in der Region Chocó.
Die Zahl der Todesopfer ist laut UN-Angaben auf mindestens 224 gestiegen. Mindestens 2595 Menschen seien verletzt worden, teilte das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten am Mittwoch mit. Tausende Menschen verloren ihr Zuhause, weil Gebäude einstürzten oder wegen schwerer Schäden unbewohnbar wurden.
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