Papst entsendet Jugend in Assisi: Seid neue Heilige für die Welt
Zum zweiten Mal seit seiner Papstwahl war Leo XIV. am Donnerstag in Assisi, Stadt des heiligen Franziskus. Auch 800 Jahre nach seinem Tod hat der Schutzpatron der Umwelt wichtige Botschaften – gerade für junge Menschen.
Sabine Kleyboldt
(CIC) Papst Leo XIV. hat junge Christen als Zeugen für Glauben und Kirche beauftragt. «Heute suchen Europa und die ganze Welt in euch neue Heilige», sagte er am Donnerstag vor Tausenden Menschen im mittelitalienischen Assisi. «Wagt es, an das Wort des Evangeliums zu glauben, werdet mit der Freiheit Jesu Christi menschlich, nehmt die Armut als Schwester an!», so der Papst zum Abschluss des Jugendtreffens «Go!» zum 800. Todestag des Ordensgründers Franz von Assisi (um1181-1226).
Der Titel des viertägigen Treffens sei «ein Auftrag, eine Aussendung» auf unbekannte Wege. «Go! Geht! Besser noch: Lasst uns gehen! Let’s go!», so der Papst bei der Messe in der Basilika Santa Maria degli Angeli. Darin befindet sich die Portiunculakapelle, in dem der populäre Heilige am Abend des 3. Oktober 1226 starb.
Gegen Resignation und Angst
«Wir sind hier, um Resignation und Angst zu überwinden, um Zweifel zu beheben, die uns ebenso beschäftigen, wie sie die Apostel beschäftigten», ermutigte der Papst die jungen Menschen aus ganz Europa und einigen anderen Ländern der Welt.
Die besondere Spiritualität, die in den verschiedenen franziskanischen Männer- und Frauenorden gepflegt wird, ziele verstärkt darauf, die Beziehungen zu Gott und zu all seinen Geschöpfen wiederherzustellen: «eine Harmonie, die es heute mehr denn je zu bewahren und zu pflegen gilt», mahnte Leo XIV.
Menschenwürde und Geschwisterlichkeit
In diesem Zusammenhang verwies er auf seine erste Enzyklika «Magnifica humanitas»: Jede Generation erbe die Aufgabe, die eigene Zeit so zu gestalten, dass die Würde jedes Menschen gewahrt, Gerechtigkeit gefördert und Geschwisterlichkeit ermöglicht werde, so Leo XIV.
Die jungen Menschen rief er dazu auf, «an die Ränder» zu gehen, «wo die Ungerechtigkeit und Überheblichkeit einiger weniger die Würde und Träume vieler, von allzu vielen Söhnen und Töchtern Gottes, verweigern». Freilich liefen sie Gefahr, nicht einmal von ihrer Familie verstanden zu werden, so wie es dem heiligen Franziskus
erging: Der reiche Kaufmannssohn gab alles auf, um sich als Bettler um Aussätzige, Arme und Kranke zu kümmern und das Evangelium zu verkünden.
Gegen erfundene Feinde und aufgezwungene Gewalt
«Sich der Kultur der Macht zu entziehen und die Mauern einzureissen, die Menschen voneinander trennen, bedeutet jedoch niemals, die eigene Familie, Stadt oder Tradition zu verraten, sondern sie von ihren Einbildungen zu befreien», so Leo XIV.: «Von Feinden, die aus Angst und Unwissenheit erfunden worden sind, von Gewalt, mit der man seine eigene kleine Ordnung einer Wirklichkeit aufzwingen möchte, die uns von allen Seiten übersteigt.»
Abschliessend appellierte er an die Jugendlichen, sich «der Zivilisation der Liebe» zu verschreiben. «Bündelt die besten Kräfte eurer grossartigen Menschheit – Studium, Fachkenntnisse, Arbeit, Freundschaften, Liebe, Gebet – und lebt die Vision des Franziskus heute auf unterschiedliche Weisen weiter», so der Papst.
Begeisterter Empfang für Leo XIV.
Leo XIV. war am Morgen gegen 8.30 Uhr per Helikopter nahe der Basilika Santa Maria degli Angeli in Assisi gelandet. Dort wurde er von Erzbischof Felice Accrocca von Assisi, Repräsentanten der franziskanischen Orden sowie von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft empfangen.
Vor der Basilika bereiteten ihm die jungen Menschen, die seit Montag am franziskanischen Jugendtreffen «Go!» teilnahmen, einen begeisterten Empfang mit Jubel und Sprechchören «Viva il Papa». Auf dem Vorplatz der Basilika beantwortete er einige ihrer Fragen. Nach der Messe in der vollbesetzten Kirche, die auch auf den Vorplatz übertragen wurde, begab er sich nach einem kurzen weiteren Gruss zum Helikopter. Seine Rückkehr in den Vatikan war gegen 13 Uhr vorgesehen.
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