Kloster Einsiedeln
Schweiz

Kloster Einsiedeln: «Viele Gäste schätzen klaren Tagesrhythmus, gemeinsame Gebetszeiten und Einfachheit des Lebens»

Knapp 2000 Gäste besuchen das Kloster Einsiedeln pro Jahr, um dort Zeit zu verbringen. Tendenz steigend. Dabei müssen die Gäste am geregelten Tages- und Gebetsrhythmus der Benediktinermönche mit Frühaufstehen, Zeiten des Alleinseins und der Stille teilnehmen. Offenbar gewöhnen sich die meisten sehr schnell daran, wie Bruder Klemens Ritler im Interview mit kath.ch versichert.

Wolfgang Holz

Wie viele Gäste zählt das Kloster Einsiedeln etwa pro Jahr?

Klemens Ritler: Als Konventgäste – also Gäste, die mit uns ein paar Tage mitleben – dürfen wir jedes Jahr rund 1800 bis 1900 Männer willkommen heissen. Darunter befinden sich auch viele Gäste, die regelmässig wiederkehren. Darüber hinaus besuchen zahlreiche weitere Gäste, Pilgerinnen und Pilger sowie Besucherinnen und Besucher das Kloster Einsiedeln – sei es zur Mitfeier der Gottesdienste, für Führungen, kulturelle Veranstaltungen oder zur persönlichen Einkehr und Besinnung. Gesamthaft schätzen wir, dass jährlich rund 800’000 Besucherinnen und Besucher hierherkommen.

Ist die Gästezahl in den letzten Jahren gestiegen oder eher rückläufig?

Ritler: Die Nachfrage nach einem Aufenthalt im Kloster ist seit der Corona-Pandemie wieder deutlich gestiegen. Viele Menschen verspüren den Wunsch, dem hektischen Alltag für einige Tage zu entfliehen und bewusst einen Ort der Stille und der Orientierung aufzusuchen. Gerade in einer Zeit ständiger Erreichbarkeit wächst das Bedürfnis nach Entschleunigung, persönlicher Einkehr und einer Auszeit vom Alltag.

Klemens Ritler erlebt die Feierliche Profess als besonderen Moment.
Klemens Ritler erlebt die Feierliche Profess als besonderen Moment.

Warum machen Menschen überhaupt im Kloster Ferien – soweit Ihnen das bekannt ist – und was gefällt den Menschen am Klosterleben?

Ritler: Die Gründe sind sehr vielfältig. Manche Gäste suchen Erholung und Stille, andere möchten ihren Glauben vertiefen oder sich in einer wichtigen Lebensphase neu orientieren. Wieder andere interessieren sich einfach für das Leben in einem Benediktinerkloster und möchten erleben, wie Mönche ihren Alltag gestalten und leben.

«Hier müssen sie nichts leisten und nichts darstellen.»

Viele Gäste schätzen den klaren Tagesrhythmus, die gemeinsamen Gebetszeiten, die Einfachheit des Lebens und die besondere Atmosphäre des Klosters. Hier müssen sie nichts leisten und nichts darstellen. Sie dürfen einfach Gast sein. Oft erzählen uns Gäste, dass sie im Kloster wieder Zeit finden für sich selbst, für Gott und für Gespräche, die in ihrem Alltag kaum möglich sind.

Im Kloster Einsiedeln sollen die Gäste am Gebetsrhythmus und am Alltag der Mönche teilnehmen, um einen guten Einblick ins Klosterleben zu bekommen. Ist dies nicht schwierig für Menschen, die «von draussen» kommen? Klappt das immer?

Ritler: Natürlich ist der klösterliche Tagesablauf für viele Gäste zunächst ungewohnt. Früh aufzustehen, den festen Rhythmus der Gebetszeiten mitzutragen oder bewusst Zeiten der Stille zuzulassen, ist für viele Menschen heute keine Selbstverständlichkeit. Manche tun sich anfangs schwer mit der Stille oder dem Alleinsein. Gerade in einer Welt, die von ständiger Aktivität und Erreichbarkeit geprägt ist, kann das zunächst herausfordernd sein. Gleichzeitig erleben viele Gäste genau darin eine besondere Chance: Sie finden wieder zu sich selbst, schöpfen neue Kraft fund entdecken den Wert der Stille neu.

Die Schwarze Madonna in der Gnadenkapelle der Klosterkirche Einsiedeln
Die Schwarze Madonna in der Gnadenkapelle der Klosterkirche Einsiedeln

Unsere Erfahrung zeigt, dass sich die meisten Gäste erstaunlich schnell auf diesen Rhythmus einlassen. Sie erleben ihn nicht als Einschränkung, sondern als wohltuende Ordnung, die Ruhe schenkt und hilft, den eigenen Alltag für einige Tage hinter sich zu lassen. Niemand muss perfekt sein. Es geht vielmehr darum, sich offen auf das klösterliche Leben einzulassen und eigene Erfahrungen zu machen.

Welchen Nutzen – ausser dem finanziellen – hat das Kloster von seinen Gästen?

Ritler: Gastfreundschaft gehört seit 1500 Jahren zum Selbstverständnis von uns Benediktinern. Der heilige Benedikt schreibt in seiner Ordensregel: «Alle Gäste, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus.» Dieser Auftrag prägt unser Gästehaus bis heute. Unsere Gäste bereichern das Kloster durch ihre Fragen, ihre Lebenserfahrungen und ihre persönliche Geschichte. In den Begegnungen entstehen oft wertvolle Gespräche, die auch uns Mönche bewegen und unseren Blick auf die Welt erweitern. Die Gastfreundschaft ist deshalb keine Einbahnstrasse: Die Gäste nehmen hoffentlich etwas Wertvolles mit nach Hause – und auch wir werden durch jede Begegnung beschenkt.

In Ausnahmefällen auch Frauen als Gäste

Da die Mönche im Kloster Einsiedeln ihren Gästen möglichst viele Einblicke in ihren Alltag gewähren wollen, können die Gäste im Kloster Einsiedeln – anders als in anderen Klöstern mit einem grossen, professionell geführten Gästebetrieb – die Klausur und die benutzen Räumlichkeiten, welche normalerweise nur den Mönchen vorbehalten sind, betreten. Traditionell bleibt Frauen deshalb, wie auf der Homepage des Klosters Einsiedeln zu lesen ist, «der Zugang zum inneren Bereich eines Männerklosters verwehrt». Zudem würden sich im barocken Teil des Gästebereichs WC und Dusche auf der Etage befinden und müssten mit den männlichen Gästen geteilt werden, so das Kloster Einsiedeln.

In Ausnahmefällen werden aber auch besondere Gästezimmer inklusive WC und Dusche für weibliche Gäste angeboten. Eine Teilnahme an den Mahlzeiten der Mönche sei dann jedoch nicht möglich. Das Kloster Einsiedeln empfiehlt Frauen, sich deshalb an die den Einsiedler Mönchen nahestehenden benediktinischen Frauenklöster Fahr, Au und Seedorf zu wenden, wenn sie einen Gästeaufenthalt im Kloster anstreben. (woz)

*Weitere Infos unter www.kloster-einsiedeln.ch.

**Morgen erscheint zum gleichen Thema Klosterferien ein Beitrag mit dem Kloster Disentis.

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Kloster Einsiedeln | © Wolfgang Holz
27. Juli 2026 | 12:00
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