Welche Piusbrüder sind jetzt exkommuniziert und warum?
Der Vatikan hat die Exkommunikation der neuen und alten Bischöfe der Piusbruderschaft mitgeteilt. In Erklärungen hat er benannt, wer ausserdem noch als exkommuniziert betrachtet wird. Ganz einfach ist die Sache nicht. Fragen und Antworten zum Schisma der Ultra-Konservativen.
Ludwig Ring-Eifel
(CIC) Eine Mitteilung des Glaubensdikasteriums des Vatikans vom 2. Juli und mehrere Erklärungen aus dem Vatikan sind die Grundlage für die neuerliche Exkommunikation der Bischöfe der Piusbruderschaft. Sie wurde diesmal gleich zu Beginn auch auf deren knapp 800 Priester ausgedehnt. Kirchenrechtlich ist manches davon klärungsbedürftig. Hier einige Antworten auf schwelende Fragen.
Warum verkündete der Vatikan am 2. Juli die Exkommunikation der alten und neuen Bischöfe der Piusbruderschaft?
Die 2009 von Papst Benedikt XVI. begnadigten Bischöfe Alfonso de Galarreta und Bernard Fellay weihten am 1. Juli ohne Erlaubnis des Papstes vier Männer zu Bischöfen. Nach katholischem Kirchenrecht vollzogen sie damit einen Bruch der kirchlichen Gemeinschaft mit dem Papst. Dieses Schisma führte zwangsläufig zur Exkommunikation der Weihenden und der von ihnen Geweihten. Um das zweifelsfrei zu verkünden, wurde die Exkommunikation der sechs Bischöfe zusätzlich öffentlich vom Vatikan bekanntgegeben.
Sind damit auch die Priester der Piusbruderschaft exkommuniziert?
Die meisten Priester der Bruderschaft sind kirchenrechtswidrig, aber sakramental gültig geweiht. Viele von ihnen wurden geweiht, als Fellay und de Galarreta nicht exkommuniziert waren. Dennoch waren die beiden Bischöfe auch damals nicht befugt, Priester zu weihen. Einige Geistliche sind zudem als rechtmässig geweihte Priester später zur Bruderschaft gekommen. Alle sind laut einer «Note» des Glaubensdikasteriums vom 2. Juli als Schismatiker zu betrachten und mithin exkommuniziert. Es ist möglich, dass einige von ihnen Widerspruch vor einem Kirchengericht einlegen werden.
Sind auch die Ordensschwestern, Seminaristen und Laienmitglieder der Piusbruderschaft betroffen?
In Vatikanerklärungen von 1996 und von 2026, heisst es, Nichtgeweihte seien als schismatisch und exkommuniziert zu betrachten, wenn sie «förmlich der Bruderschaft angehören». Dazu gehöre nicht nur eine innere Zustimmung zu deren Lehren, sondern auch eine äusserlich erkennbare Zugehörigkeit. Bei den Geistlichen der Bruderschaft sei beides mit Sicherheit gegeben; bei Laien sei eine Einzelfallprüfung nötig.
Was geschieht mit Katholiken, die dennoch an einer Messe teilnehmen, die von einem Priester der Bruderschaft zelebriert wird?
Die Erklärungen aus dem Vatikan sprechen es nicht explizit aus, lassen aber den Schluss zu, dass eine gelegentliche Teilnahme an Gottesdiensten der Piusbruderschaft nicht als Bruch mit der katholischen Kirche gewertet wird. Die Gläubigen werden jedoch ermahnt, dies zu unterlassen.
Was müssen bisherige Anhänger der Piusbruderschaft tun, um wieder ganz in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen zu werden?
Priester müssen den Papst schriftlich um die Rücknahme der Kirchenstrafe bitten. Ferner müssen sie ein Glaubensbekenntnis und eine Kirchenzugehörigkeits-Erklärung unterschreiben und erklären, dass sie die Gültigkeit der heutigen Messfeiern und die Lehren der allgemeinen Konzilien anerkennen. Für Laien, die der Piusbruderschaft förmlich angehören, genügen Glaubensbekenntnis und Kirchenzugehörigkeits-Erklärung an den Ortsbischof. Gläubige, die öfters Gottesdienste der Bruderschaft besucht haben, sollten sich an einen katholischen Priester wenden und versprechen, dass sie künftig nicht mehr diese Gottesdienste besuchen.
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