Arnd Bünker (Mitte) als Moderator des ersten Forums Kirchenentwicklung Deutschschweiz
Schweiz

Sie wollen den Wandel in der Kirche gestalten

Rund 140 Interessierte aus der katholischen Kirche stellen sich am Freitag in der Paulus Akademie in Zürich Fragen zur Zukunft der Pfarrei. Arnd Bünker vom SPI und Christiane Schubert vom Bistum St. Gallen sorgen für einen lebendigen Einstieg ins erste Forum Kirchenentwicklung Deutschschweiz.

Regula Pfeifer

Drei Frauen aus der Pfarrei Heilig Geist in Hünenberg, Kanton Zug, setzen sich in die zweite Reihe im grossen Saal der Paulus Akademie Zürich. Sie nehmen am ersten Forum Kirchenentwicklung Deutschschweiz teil – gemeinsam mit gegen 140 weiteren Personen. Die Tagung organisieren das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI), das Theologisch-pastorale Bildungsinstitut (TBI) und das Pastoralinstitut der Theologischen Hochschule Chur, unterstützt von weiteren Partnern.

«Unsere Pfarrei ist schon lange im Umbruch.»

Patrizia Brunner, Katechetin

«Unsere Pfarrei ist schon lange im Umbruch, wir sind daran, Prozesse, Angebote und Räume neu zu denken», sagt Patrizia Brunner, Katechetin aus Hünenberg. «Von der Tagung erhoffen wir uns Inputs und Stärkung auf unserem Weg.» Ihr und ihren Pfarreikolleginnen gefällt es zu sehen, dass sie nicht allein unterwegs sind.

Patrizia Brunner, Katechetin, und Kolleginnen der Pfarrei Heilig Geist in Hünenberg ZG
Patrizia Brunner, Katechetin, und Kolleginnen der Pfarrei Heilig Geist in Hünenberg ZG

Die Tagung mit dem Titel «Kirche nach der Pfarrei – Auf der Suche nach neuen Räumen kirchlichen Lebens» beginnt nach einleitenden Worten mit direkten Fragen ans Publikum. Damit sorgen die Tagungsleitenden Arnd Bünker vom SPI und Christiane Schubert vom Pastoralamt des Bistums St. Gallen für Anregung und Aufmerksamkeit. Sie gehen durch die Sitzreihen – wodurch die Anwesenden ihre Köpfe mal hierhin, mal dorthin wenden.

Viele Pastorale Mitarbeitende anwesend

Aus den ersten Fragen über ihre Herkunft wird klar: Die überwiegende Mehrheit der Anwesenden sind pastorale Mitarbeitende in Pfarreien, besonders stark personell vertreten ist das Bistum Basel und altersmässig überwiegen die 1960 bis 1970 Geborenen. Spontanen Applaus erhalten die wenigen – rund zehn – Freiwilligen, die sich ebenfalls an die Tagung gewagt haben.

«Der Selbsterneuerungsmotor der Pfarreien stottert erheblich.»

Arnd Bünker, Leiter SPI

In einer kurzen Einleitung über die schwindende Konfessionszugehörigkeit in der Schweizer Bevölkerung und den abnehmenden Taufen und kirchlichen Hochzeiten macht Bünker klar: Die Pfarrei war früher ein System des anhaltenden Selbsterhalts, bei dem der Glaube automatisch weiter tradiert wurde. Doch das funktioniere seit einigen Jahren nicht mehr. So taufen nur rund 58 Prozent der katholischen Eltern ihre Kinder noch, wie das SPI eruiert hat. In Bünkers Worten: «Der Selbsterneuerungsmotor der Pfarreien stottert erheblich.»

Weitere Fragen ans Publikum lassen Tendenzen ausmachen. So sind viele Anwesenden überzeugt: Die kirchenstatistischen Daten verlangen einen Strukturwandel in der Pastoral. Einige Anwesende bestätigen die Aussage: «Ich sehe, dass sich etwas ändern muss, kann es mir aber noch nicht vorstellen.» Ein Teilnehmer fügt hierzu an, dass ihm diese Situation manchmal Angst bereite. Eine junge Seelsorgerin schaut mit Angst auf die kommenden 20 Jahre. Dagegen habe sie ein Mittel entdeckt: «Ich versuche mich mit anderen jungen Seelsorgerinnen zusammen zu tun.»

Nur wenige verteidigen das Pfarreimodell

Das Pfarreimodell verteidigen möchten nur wenige im Saal. Einer von ihnen sagt: «Pfarrei bedeutet Nähe, deshalb bin ich dafür, sie zu erhalten.» Und weshalb verteidigen viele andere das Pfarreimodel nicht? «So wie es jetzt ist, glaube ich nicht an die Zukunft», antwortet jemand und eine weitere Person: «Es gibt viele andere Orte, an denen sich Kirche konstituieren kann, in Betrieben, in Freundschaftskreisen und anderswo.»

Christiane Schubert vom Bistum St. Gallen leitete die Tagung ein.
Christiane Schubert vom Bistum St. Gallen leitete die Tagung ein.

Den Satz: «Ich bin motiviert, den Wandel in der Kirche zu gestalten», unterstützen fast alle im Saal – mit hochgehaltenem grünem Zettel. Konkrete Inputs darüber, wie sie die Zukunft der Kirche gestalten können, sollen in den daran anschliessenden Workshops und Laboratorien entstehen, wie die Tagungsleitenden sagen.

Lösungen für spezifische Situationen entwickeln die Teilnehmenden in den Laboratorien, wie sich am späteren Nachmittag anhand von Berichten aus den Gruppen zeigt. Den Erhalt einer Dorfkirche will eine Gruppe ermöglichen, indem sie die Dorfleute zum Aktivwerden befähigt. Eine andere Gruppe will in einem Kloster eine Männergruppe anregen, damit darin ein spirituell suchender Mann Anschluss findet. Einer Spanierin soll bei der Vernetzung geholfen werden, damit sie religiösen Anschluss findet. Auch für einen Jugendlichen sollen Netzwerke gebaut werden, um spirituelle Angebote für seine Altersgruppe zu entwickeln. Und eine Frau, die Missstände in einem Flüchtlingsheim angehen möchte, soll von einer weiteren Pfarreigruppe begleitende Unterstützung erhalten.

Weltsynode-Expertin empfiehlt Verbundenheit

«Wo so viele Leute miteinander unterwegs sind, da ist Hoffnung», sagt Klara Antonia Csiszar gegen Ende des Forums. Die Professorin für Pastoraltheologie in Linz ist als Expertin stark in den synodalen Prozess involviert. Die Forumsteilnehmenden hätten eben den Grundsatz der katholischen Kirche gelebt: «Ecclesia semper reformanda», die Kirche muss sich immer wieder reformieren, wandeln, spiegelt ihnen die Fachfrau.

Klara Antonia Csiszar (links), Professorin für Pastoraltheologie in Linz, verfolgt den Anlass zur Kirchenentwicklung in Zürich.
Klara Antonia Csiszar (links), Professorin für Pastoraltheologie in Linz, verfolgt den Anlass zur Kirchenentwicklung in Zürich.

Im synodalen Prozess gebe es Meinungsverschiedenheiten, Konflikte und Fehler, stellt Cziszar fest. Diesen begegne man am besten mit menschlicher Verbundenheit – etwa beim gemeinsamen Essen und Trinken. Hilfreich sei auch eine Rhetorik der Liebe, die auf Ehrlichkeit beruhe.

Einige Anwesende versichern danach, mit neuen Erkenntnissen und Ansätzen gewappnet zu sein. Ob auch ihr Mut gestärkt wurde und ob sie eine Vision mitnehmen, bleibt offen. Ebenso, ob ein Pfarrer seine erwünschten geistlichen Impulse mitnimmt. (korrigiert, 15.6.26, rp)

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Arnd Bünker (Mitte) als Moderator des ersten Forums Kirchenentwicklung Deutschschweiz | © Regula Pfeifer
12. Juni 2026 | 18:52
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