Christentum im Trend: Gen Z findet Glauben cool
Beten, Bibel und Gottesdienst liegen bei der Gen Z im Trend. Das sagt eine neue US-Studie. In der Schweiz zeigt sich aktuell kein klarer Trend, sagt Arnd Bünker, Leiter des SPI. Allerdings steigt die Aufmerksamkeit für ein verändertes religiöses Verhalten junger Menschen. Dabei zeichnen sich auch gewisse Gefahren ab.
Jacqueline Straub
Eine neue Langzeitstudie des US-Marktforschungsinstituts Barna Group kam zu dem Ergebnis, dass die Generation Z (zwischen 1995 und 2010) und Millennials (zwischen 1981 und 1995) wieder häufiger in die Kirche gehen. Das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) in St. Gallen kann auf Anfrage von kath.ch diesen Trend für die Schweiz nicht bestätigen, da dem Institut keine quantitativen Daten vorliegen.
«Allerdings gibt es ein vermehrtes Interesse, somit eine intensivere Beobachtung junger Menschen in der Kirche, so etwa auch bei der Bereitschaft zur Erwachsenentaufe», sagt Arnd Bünker, Leiter des SPI. «Diese vermehrte Haltung, junge Menschen bewusster zu beobachten, könnte zum Eindruck führen, dass es sich um ein zahlenmässig steigendes Phänomen handele.»
Beten steht im Kurs
Die US-Studie gibt als Grund für den Anstieg ein wachsendes Bedürfnis nach Gemeinschaft und Sinn an. Junge Erwachsene wollen Zugehörigkeit erleben und möchten Fragen nach Glauben und Identität stellen können.
Dass junge Menschen in Deutschland wieder den christlichen Glauben für sich entdecken, zeigt auch eine globale Studie vom Marktforschungsinstitut Ipsos: 28 Prozent der Gen Z beten häufiger als die Babyboomer-Generation. Und das nicht nur in der Kirche, sondern auch im privaten Umfeld.
Namenspatron wichtig
Und auch die kürzlich veröffentlichte YouGov-Umfrage für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) zeigte, dass 28 Prozent der Gen Z Wert auf ihren Namenspatron bzw. ihre Namenspatronin legen. Sie haben für sie «grosse Bedeutung». Eine «gewisse Bedeutung» haben die Namenspatrone für 24 Prozent der Befragten. 29 Prozent der befragten Menschen, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden, geben an, dass es für sie keine Rolle spiele, da sie keinen religiösen Namen hätten. Die Umfrage zeigte, dass 22 Prozent ihren Namenspatron kennen – unter den Millennials sind es sogar 25 Prozent.
Die Umfrage zeigt auch: Bei der Post-War-Generation, also den Jahrgängen von 1922 bis 1945, kennen nur noch 13 Prozent die Bedeutung ihres Namens und für die Hälfte hat er «kaum Bedeutung».
Vom Comeback des Christentums profitieren vor allem Freikirchen. Peter Schneeberger, Präsident des Dachverbands Freikirchen Schweiz, sagte gegenüber «20 Minuten», dass die Gottesdienstbesuche nach der Corona-Pandemie generell zugenommen hätten. Auch das christliche Jugendcamp verzeichne steigende Teilnehmerzahlen. Ebenso verspürt die Freikirche ICF einen Anstieg von jungen Gottesdienstbesuchenden, wie Mediensprecher Michael Sieber gegenüber «20 Minuten» sagte: «Unsere Besucherzahlen wachsen seit 2023 stark – gerade auch bei jungen Menschen: Aktuell kommen etwa 1500 Besucher im Alter von 13 bis 25 Jahren wöchentlich zur ICF Sunday Night, doppelt so viele wie zwei Jahre zuvor.»
Christentum spielt auch auf Social Media einen immer grösseren Trend: So sind seit einigen Jahren «Christfluencer» auf dem Vormarsch, die tausende von Menschen mit ihren Botschaften erreichen. Überwiegend stammen sie aus dem freikirchlichen Milieu und vertreten sehr konservative Werte. Viele Frauen etwa gehören der antifeministischen Bewegung der «Tradwife» an und rufen ihre Followerschaft auf, sich ihren Männern unterzuordnen. Sex vor der Ehe ist ebenso wie gleichgeschlechtliche Liebe ein Tabu. Frauen haben ihre klaren Rollen in Partnerschaften und in der Gesellschaft. Manche dieser «Christfluencer» liebäugeln auch mit rechtsstehenden Parteien.
«Christfluencer» auf dem Vormarsch
«Erfolgreiche Influencer sind meistens inhaltlich sehr profiliert, oft zugespitzt», sagt Arnd Bünker. Doch sie vertreten de facto «Meinungen» und keine «Lehre». Dennoch: Sie erreichen auf digitalem Weg Menschen, die von kirchlichen Kommunikationskanälen nicht erreicht werden.
«Influencer geben Zeugnis. Das ist immer persönlich, oft erkennbar biografisch eingebettet, individuell, ausschnitthaft und frei von Führung von aussen – und zielt in der Kommunikation stärker auf die Beziehungsebene, als es kirchliche Verkündigung etwa im Gottesdienst tut», sagt Arnd Bünker. Das biete durchaus Chancen.
Dennoch sieht Arnd Bünker auch Gefahren, etwa in der Verkürzung von Glaubensvorstellungen, Engführungen von Normen christlichen Lebens oder auch, wenn es um «guruartige» Rollenmuster in Fragen religiöser Wahrheit geht.
Die Gefahren liegen zudem auch in dem «Beziehungsrahmen» zwischen Influencern und Followern, was sich unter anderem mit «Nachfolgern» oder «Jüngern» übersetzen liesse, sagt Arnd Bünker. «Der Vorteil einer beziehungsstarken religiösen Kommunikation bringt eben zugleich die Gefahr der Schaffung von problematischen Autoritätsrollen und toxischen Beziehungen. Die Authentizität im persönlichen Zeugnis bedeutet noch nicht, dass es inhaltlich auch richtig ist.»
Arnd Bünker wünscht sich dennoch mehr Influencer aus der katholischen Kirche, «wenn sie ein inhaltlich-positional breit gestreutes Feld repräsentieren, damit auch Debatte und Austausch und Differenzierung ermöglichen, und eine gute Kultur der Qualitätssicherung – gerade auch im Blick auf Gefahrenpotenziale – etablieren».
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