KI-Forscher: Papst-Enzyklika Absage an Faschismus und Transhumanismus
In seinem neuen Lehrschreiben zieht Papst Leo XIV. Grenzen für den Einsatz von KI, ohne dabei technikfeindlich zu argumentieren. Daneben sieht ein KI-Forscher auch scharfe Kritik an anderen gefährlichen Entwicklungen.
(KNA) Nach Ansicht des Kaiserslauterer Theologen und KI-Forschers Lukas Brand ist das Lehrschreiben von Papst Leo XIV. zur Künstlichen Intelligenz eine klare Absage an Transhumanismus und Faschismus.
Trans- und Posthumanismus stünden in der neuen Enzyklika «stellvertretend für die verschiedenen Ideologien aus dem Silicon Valley, die – dem technokratischen Paradigma folgend – den einzelnen zur Verfügungsmasse machen und der Effizienz der Technik, der Macht des Stärkeren und der technischen Beschleunigung unterordnen», sagte Brand der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Fortschritt müsse aber an «der Würde jedes Einzelnen und am Wohlergehen aller Völker gemessen» werden, mache der Papst klar.
Intellektuelle Bewegung
Transhumanismus ist eine intellektuelle Bewegung, die biologische Begrenzungen wie beschränkte Intelligenz, Geschlecht, Alter, Krankheit oder Tod mit technischen Mitteln überwinden will.
Transhumanisten sehen im Menschen eine komplexe, aber unvollkommene Maschine und einen Datensatz, der durch Algorithmen, Bio- und Nanotechnologie sowie KI verbessert werden kann. Posthumanisten gehen einen Schritt weiter; sie wollen die menschliche Gattung komplett überwinden und durch technische Konstrukte ersetzen.
Gegen wieder aufkeimenden Faschismus
In seiner Kritik der Kultur der Macht und der Krise des Materialismus identifiziere Leo XIV. außerdem «die deutlichen Anzeichen des wieder aufkeimenden Faschismus», fügte der Experte mit Blick auf die Abschnitte 201 bis 203 der Enzyklika «Magnifica humanitas» (grossartige Menschheit) hinzu.
Dort schreibt der Papst über die «Krise des Multilateralismus» unter anderem: «Vereinfachende Schemata – ‘ich zuerst’, ‘Freund-Feind’, ‘wir-ihr’ – begünstigen oft unverantwortliche Entscheidungen, die das gegenseitige Vertrauen zwischen den Nationen untergraben.»
Zudem warnt Leo XIV. hier vor einer Schwächung der Errungenschaften des humanitären Völkerrechts: «Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit bei der Reaktion auf Aggressionen, der Schutz des Zugangs zu Wasser, Nahrungsmitteln und lebensnotwendigen Gütern sowie die Achtung des Lebens von Zivilisten und Kindern werden als naive Relikte der Vergangenheit behandelt.»
«Raum für Mitgefühl»
Diesen Perspektiven, so Brand weiter, stelle der Papst die Begrenztheit gegenüber, die gerade erst «Raum für Mitgefühl, für aufrichtige Sorge um die Bedürfnisse der anderen» biete sowie «für eine Großherzigkeit, die selbst inmitten von Dunkelheit und Versagen überrascht».
Mit Blick auf die praktische Umsetzbarkeit der päpstlichen Botschaft führte Brand weiter aus, das neue Lehrschreiben sei nur ein Schritt auf dem Weg, den die Kirche seit einigen Jahren, mindestens aber seit der Umweltenzyklika «Laudato si» von 2015 in der Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Technik und besonders der KI gehe.
Dabei habe die Kirche «eine erfreulich versierte und differenzierte, aber stets kritisch konstruktive Haltung zum Thema der künstlichen Intelligenz entwickelt». Mit «Magnifica humanitas» mache Leo XIV. «dem einzig auf Effizienz ausgerichteten, technokratischen Paradigma – der orientierungslosen Optimierung der KI-Technik – das dringend nötige Orientierungsangebot».
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