Bahnhofshalle am HB Zürich: Hier findet am 31. Mai 2026 der Bistumstag statt.
Schweiz

Mathias Werfeli: Gott lässt sich auch in der Zürcher Bahnhofshalle finden

Nur wenige Tage sind es bis zum Bistumstag am Hauptbahnhof Zürich. Wo täglich Tausende Menschen abreisen, ankommen oder umsteigen, findet am 31. Mai eine Eucharistiefeier statt und die katholische Kirche präsentiert sich an rund 30 Ständen. Mathias Werfeli, Präsident des Organisationskomitees, ist gelassen. Ihn treibt vor allem eine Frage um.

Barbara Ludwig

Am Sonntag, 31. Mai, findet in Zürich der dritte Begegnungstag des Churer Bistumsjahres statt. Seit dem Frühjahr 2025 arbeitet ein Team an der Vorbereitung des Grossevents. Mit diesem geht das vom Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain initiierte Bistumsjahr zu Ende. Mathias Werfeli (49) stiess letzten Herbst zum Team. Seit 1. Februar ist der Jesuit mit Erfahrung im Eventmanagement Präsident des Organisationskomitees (OK).

Der Begegnungstag findet hauptsächlich in der Zürcher Bahnhofshalle statt. Der Entscheid, die Halle zu buchen, sei im letzten Sommer gefallen, erzählt Werfeli im Gespräch mit kath.ch. Zuvor habe man auch andere Orte ins Auge gefasst, etwa ein Open Air am Hirschengraben. Irgendwann kam jedoch die Bahnhofshalle zur Sprache und man habe festgestellt, dass um den Festtermin herum dort einiges los ist.

Infrastruktur vom Vor-Event

Unmittelbar vorher findet in der Halle eine Messe von Young Enterprise Switzerland statt – mit dazugehöriger Infrastruktur wie Stände, Bühne, Leinwand und Catering-Bereich. Ein Glücksfall. «Wir konnten diese übernehmen und haben sie an unsere Bedürfnisse angepasst», sagt Werfeli.

Mathias Werfeli, Jesuit
Mathias Werfeli, Jesuit

Die Stände werden am 31. Mai von kirchlichen Institutionen und Gruppierungen aus den Kantonen Zürich und Glarus genutzt, um sich und ihre Aktivitäten zu präsentieren und um zu zeigen, wofür die Gelder aus der Kirchensteuer verwendet werden. An den insgesamt 31 Ständen stellen sich unter anderem die Jugendseelsorge, die Gefängnisseelsorge und die Bistumsregionen vor, ebenso das Hilfswerk Caritas Zürich, der in der Gassenarbeit tätige Verein Incontro und die Schweizergarde.

Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, möglichst alle kirchlichen Akteure am Hauptbahnhof zusammenzubringen, berichtet Werfeli. «Es war uns wichtig, dass alle die Möglichkeit bekommen, sich zu präsentieren.» Dabei habe man versucht, ihre spezifischen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Einfach war das nicht. «Das ist nicht wie bei einem Flohmarkt, wo man einfach einen Tisch aufstellt.» Am SBB-Bahnhof gebe es Sicherheits- und Brandvorschriften, die eingehalten werden müssen.

Bischof Bonnemain auf dem Podium

Natürlich stellten sich viele Herausforderungen im technischen Bereich, sagt der OK-Präsident weiter. «Wenn es zum Beispiel für das Bühnenprogramm ein zusätzliches Mikrofon braucht, muss das im Gesamtablaufplan festgehalten werden. Wir haben einen detaillierten Ablaufplan: Da ist eingetragen, wer wann was sagt und wo diese Person steht, damit die Kamera dann auf sie gerichtet wird.»

Die Bühne wird am Vormittag während der Eucharistiefeier genutzt. Später wird darauf Musik gespielt, getanzt und gesungen. Und diskutiert: Es gibt ein Podium zur «Zukunft der Kirche» mit Bischof Bonnemain, Synodalratspräsident Raphael Meyer, der Mikrobiologin und Unternehmerin Hubertine Underberg und der Religionswissenschaftlerin Rafaela Estermann.

Gottesdienst in der Bahnhofshektik

Zu den Herausforderungen zählt Mathias Werfeli auch die Einhaltung des vorgegebenen Globalbudgets: ein Betrag von 80’000 Franken plus Defizitgarantie. Den finanziellen Aufwand hält er für gerechtfertigt. Mit der vergleichsweise teuren Bahnhofshalle bekomme die Kirche eine einmalige Chance, sagt Werfeli mit spürbarer Begeisterung. Sie könne sich an einem Ort mit viel Laufpublikum präsentieren, das sonst mit Kirche wahrscheinlich nichts zu tun habe. Zudem sei die Halle perfekt, weil wettersicher.

Spannend findet Werfeli besonders, dass «wir einerseits mit dem Gottesdienst diesen Moment des Innehaltens und des Betens habe, während gleichzeitig um uns herum der Bahnhofsbetrieb weiterläuft». Der Jesuit glaubt nicht, dass der Lärm oder die Hektik des Ortes das Glaubensgeschehen beeinträchtigen.

Bischof Joseph Maria Bonnemain
Bischof Joseph Maria Bonnemain

Er halte sich da an das grosse Motto des Gründers des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola: «Gott suchen und finden in allen Dingen. Gott lässt sich suchen – und auch finden – in der umtriebigsten Bahnhofshalle, während Lautsprecher-Durchsagen die Abfahrtszeiten angeben, Leute ihr Gepäck suchen oder durch den Bahnhof rennen, um ihren Zug zu erreichen.»

Mit Ambo und Altar unter die Leute

Was die Eucharistiefeier betrifft, so sind Werfeli und sein Team für die Organisation und die technischen Aspekte zuständig. Für die Gestaltung der Liturgie hingegen ist Generalvikar Luis Varandas verantwortlich. «Die Liturgie am Bistumstag in der Bahnhofshalle wird in einem würdigen und festlichen Rahmen gefeiert werden», teilt Varandas kath.ch mit. So werde ein Chor die Eucharistiefeier musikalisch mitgestalten.

Viele Ministrantinnen und Ministranten hätten sich zur Mitwirkung angemeldet. «Es könnten tatsächlich gegen 60 werden.» Bezüglich des Settings «können Sie sich überraschen lassen», verspricht der Generalvikar. «Der Bischof wird nicht von der Kanzel predigen. Wir wollen mitten unter die Leute gehen. Das heisst, Ambo und Altar werden bei den Leuten stehen.»

Von Werfeli erfährt kath.ch, dass Altar und Ambo mitten im Catering-Bereich – wo die Menschen später Mittag essen können – auf einem zirka 40 Zentimeter hohen Podest aufgestellt werden. Die Bühne neben dem Catering-Bereich werde während des Gottesdienstes nur vom Chor genutzt, sagt Werfeli.

Die Eucharistiefeier wird gefilmt und direkt auf eine grosse Leinwand hinter der Bühne übertragen, damit im Hauptbahnhof alle eine gute Sicht auf das Geschehen haben und der Gottesdienst auch gestreamt werden kann.

«Welche Generationen werden mitfeiern?»

Wenige Tage vor dem grossen Fest zeigt sich OK-Präsident Mathias Werfeli gelassen. Es gebe nichts, was ihn im Moment noch nervös mache. «Klassisch wäre eine Unsicherheit bezüglich des Wetters. Doch das spielt bei uns keine Rolle», sagt er lachend.

Eigentlich sei alles so aufgegleist, dass es funktioniert. Klar, im Bereich der technischen Umsetzung müsse man die Schnittstellen nochmals gut benennen können. «Zum Beispiel: Jetzt redet der Bischof mit Mikrofon eins, dann der Diakon mit Mikrophon zwei, später eine Lektorin mit Mikrophon drei.»

Was bei Werfeli für Spannung sorgt, ist vielmehr die Frage, wie viele Menschen ans Fest kommen. Wie viele kommen zum Gottesdienst, wollen sich das Bühnenprogramm ansehen oder die Stände besuchen? Er ist überzeugt:  «Wir haben ein attraktives Programm, der Ort ist zentral und auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.» Was Mathias Werfeli zudem umtreibt, ist die Frage: Wer kommt? «Welche Generationen werden mitfeiern?» Man darf gespannt sein.

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Bahnhofshalle am HB Zürich: Hier findet am 31. Mai 2026 der Bistumstag statt. | © Manuela Moser
22. Mai 2026 | 15:00
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