Der einzige Kardinal, der in der Schweizergarde gedient hat
Mit Emil Paul Tscherrig ist am Dienstag nicht nur ein engagierter Papstbotschafter verstorben, sondern auch der einzige Kardinal, der je in der Schweizergarde gedient hat.
Regula Pfeifer
Der Walliser Geistliche Emil Paul Tscherrig war der «Reisemarschall von Papst Johannes Paul II.», heisst es im Beitrag von EDA-Mitarbeiter Pierre-Yves Fux über den nun unerwartet verstorbenen Kardinal. Der Beitrag wird demnächst im Buch «Kardinäle der Schweiz im Dienst der Weltkirche»* nachzulesen sein, herausgegeben von Stephan Leimgruber und Lorenzo Planzi. Kath.ch erhielt die Erlaubnis, vorab ein paar Informationen daraus zu nehmen.
Nuntius unter fünf Päpsten
Demnach war Emil Paul Tscherrig während 46 Jahren im Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Nach seiner Dissertation an der Päpstlichen Akademie in Rom wurde Emil Paul Tscherrig mit 31 Jahren in den diplomatischen Dienst aufgenommen.
Als Nuntius diente er fortan fünf Päpsten: Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus. Dabei war er in 25 Ländern als Botschafter akkreditiert, darunter in afrikanischen Ländern, in der Karibik, in Südkorea und in der Mongolei, in den skandinavischen Staaten und Argentinien.
Mit 38 Jahren kam er zurück nach Rom und arbeitete im Staatssekretariat. Dort war er mit der Vorbereitung von Papstreisen betraut. Insgesamt 45 Reisen von Johannes Paul II. organisierte er mit.
Prägende Schweizergarde-Erfahrung
Eine Besonderheit hebt Autor Fux in seinem Beitrag über Emil Paul Tscherrig hervor: «Er ist der einzige Kardinal, der in der Päpstlichen Schweizergarde gedient hat.» Die Schweizergarde erlebte in den 70er-Jahren eine Berufungskrise. Da wurden Schweizer Katholiken aufgerufen, die in Rom weilten, für ein paar Monate Aushilfsdienste zu übernehmen. Der 23-jährige Emil Paul Tscherrig leistete während drei Monaten Gardedienst, wobei er sogar vor dem Eingang der Papstwohnung wachte, wie Fux schreibt. Der Schweizergarde blieb er später verbunden, er zelebrierte für sie Messen.
Am 27. Juni 1996 wurde Emil Paul Tscherrig von Staatssekretär Angelo Sodano in Rom zum Bischof geweiht, Mitkonsekratoren waren der Walliser Kardinal Heinrich Schwery und sein Nachfolger als Bischof von Sitten, Norbert Brunner.
Am 30. September 2023 ernannte Papst Franziskus Emil Paul Tscherrig zum Kardinal. Die beiden hatten sich in Argentinien kennengelernt, wo Tscherrig noch zur Zeit der Papstwahl als Nuntius arbeitete. Papst Franziskus habe Tscherrig wertgeschätzt, schreibt Fux.
Mit einer Anekdote illustriert der Autor dies: «Kurz nach seiner Wahl am 13. März 2013 rief Papst Franziskus Nuntius Tscherrig an. Er möge den Argentiniern ausrichten, sie sollten kein Geld ausgeben für eine Reise nach Rom zu seiner Amtseinführung, sondern es stattdessen den Armen widmen. Diese Episode ist bezeichnend für die Qualität der Beziehungen zwischen dem Erzbischof und dem Nuntius in Buenos Aires.»
Als Kardinal zum Bischof geweiht
Im Vatikan war Tscherrig in mehreren Dikasterien tätig: in der Apostolischen Signatur, im Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, im Dikasterium für die Bischöfe und für die Evangelisierung, im Institut für Religiöse Werke. (Korrektur betr. Bischofsweihe, 19.5.26, rp)
*Das Buch «Kardinäle der Schweiz im Dienst der Weltkirche», herausgegeben von Stephan Leimgruber und Lorenzo Planzi, erscheint demnächst im Theologischen Verlag Zürich (TVZ).
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




