Kardinal Tscherrig: Hauptakteur in allem Handeln ist der Heilige Geist
Die Kardinäle sind die wichtigsten Berater des Papstes und wählen im Konklave, am Mittwoch beginnt, den Nachfolger von Franziskus. Der Schweizer Erzbischof Emil Paul Tscherrig ist seit 2023 Kardinal und darf nun mit seinen 78 Jahren auch am Konklave teilnehmen.
Wolfgang Holz
Der aus dem Wallis stammende Kirchenmann blickt auf eine vielseitige Karriere. Als apostolischer Nuntius vertrat er den Heiligen Stuhl als Diplomat in mehreren Ländern. Am 30. September 2023 wurde er von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt. Er ist neben Kurt Koch der zweite Schweizer im gegenwärtigen Kardinalskollegium.
Als Mitglied der Aufsichtskommission der Kardinäle gehört Tscherrig seit Oktober 2024 zur sechsköpfigen Spitze der Vatikanbank IOR. Dieses Aufsichtsgremium wird vom Papst direkt ernannt.
Seit 1978 im diplomatischen Dienst des Vatikans
Er ist auch Mitglied der Apostolischen Signatur, dem höchsten vatikanischen Gericht. Ausserdem gehört er dem Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, dem Dikasterium für die Bischöfe sowie der Sektion für die Erstevangelisierung und die neuen Teilkirchen im Dikasterium für die Evangelisierung an.
1978 wurde der Walliser unter Papst Johannes Paul II. in den diplomatischen Dienst des Vatikans berufen. Zunächst war er in den Apostolischen Nuntiaturen unter anderem in Argentinien, Uganda, Südkorea und Bangladesch tätig.
1996 ernannte ihn der Papst zum Apostolischen Nuntius, dem Botschafter des Vatikans, in Burundi und weihte ihn zum Erzbischof. Jorge Mario Bergoglio, den späteren Papst Franziskus, kannte Tscherrig aus seiner Zeit in Argentinien. «Ich habe ihn oft bei ihm daheim getroffen. Wir hatten immer eine gute, sehr nahe Zusammenarbeit», sagte der Walliser im September 2023 gegenüber kath.ch.
Früherer Schweizergardist
Im Jahr 2017 übertrug Papst Franziskus Tscherrig das Amt des Apostolischen Nuntius für Italien und San Marino. Damit war er der erste Nicht-Italiener, der diese Aufgabe wahrnimmt. Zuvor hatte er 2016 während der damaligen Proteste in Venezuela zwischen Regierung und Opposition vermittelt. Sein beruflicher Erstkontakt war 1970, als er Dienst in der Schweizergarde leistete.
Tscherrig wurde in Unterems im Oberwallis geboren und war das älteste von acht Kindern einer Bergbauernfamilie. Wenn er sich erholen wolle, kommt er zurück in sein Elternhaus. «Da fühle ich mich daheim, da bin ich aufgewachsen. Für mich ist das immer eine Zeit der Ruhe», sagte er in einem SRF-Interview.
In Kathedrale in Sitten zum Priester geweiht
Tscherrig besuchte die Grundschule in Unterems und ab 1961 das Kollegium Brig. Nachdem er 1968 dort die Matura erlangt hatte, studierte er Philosophie und Katholische Theologie am Priesterseminar in Sitten und an der Universität Freiburg sowie an der Päpstlichen Diplomatenakademie in Rom. Seine Priesterweihe 1974 in der Kathedrale von Sitten war für Tscherrig die «Krönung eines langen und schwierigen Entscheidungsprozesses».
In den 68er-Jahren hätten die jungen, freiheitsliebenden Menschen sich von allen traditionellen Autoritäten befreien wollen, so der Kardinal während eines Festgottesdiensts 2024 in Sitten. «In diesem Durcheinander von Vorschlägen, Ideen und Ideologien gehörte die Einladung, sich Gott zu widmen, sicherlich nicht zu den attraktivsten», sagte er in der Predigt der Heiligen Messe.
Dank an Eltern, Geschwistern, Lehrer und Priester
Auch dankte er in seiner Predigt seinen verstorbenen Eltern, die ihn und seine Geschwister im Glauben erzogen haben. «Ihnen bin ich zu ewigem Dank verpflichtet.» Er erinnerte sich auch «in tiefer Dankbarkeit» an die Frauen und Männer in seinem Dorf und seiner Pfarrei, «die uns durch ihr Beispiel den Glauben vorgelebt haben, sowie an meine Lehrer, unsere Priester, und die vielen lieben Menschen – von denen einige heute hier anwesend sind – die mich durch ihre Freundschaft, ihr Gebet und Opfer bis zum heutigen Tag unterstützt und begleitet haben.»
Als Botschafter des Heiligen Stuhls wirkte Tscherrig rund um den Globus. «Ich fühle mich überall zu Hause», sagte er in einem Interview gegenüber SRF. «Meine Grundeinstellung ist, dass ich Mitglied der katholischen Kirche bin.» Wo immer er gedient habe, sei er daheim gewesen, denn seine Heimat sei die Kirche.
«Ich wünsche mir eine Kirche, die offen ist.»
Die Ernennung zum Kardinal erfolgte in einer Zeit, in der die römisch-katholische Kirche von einem weiteren Missbrauchsskandal in ihren Grundfesten erschüttert wurde. Im Interview, das die Tagesschau vor dem Bekanntwerden des Skandals in der Schweiz geführt hat, sagte Tscherrig gegenüber SRF: «Ich wünsche mir eine Kirche, die offen ist. Wir müssen alte Traditionen, alte Gewohnheiten, aber auch Strukturen, die für uns heute zu einem Gewicht geworden sind, müssen wir versuchen, hinter uns zu lassen.» Die Kirche müsse sich erneuern.
Der Hauptakteur in allem Handeln ist laut dem Walliser Kardinal der Heilige Geist. «Selbst wenn wir uns von ihm entfernt haben, indem wir unsere eigenen Ziele verfolgt haben, bleibt Gott uns treu und seine Barmherzigkeit und Geduld kennen keine Grenzen.»
Nun ist der Heilige Geist wieder gefordert, wenn es um die Wahl des Papstes im kommenden Konklave geht. Und die Kardinäle müssen seine Stimme hören. «Ich selbst kann mir nicht vorstellen, Papst zu werden», bekannte Tscherrig gegenüber kath.ch vor knapp zwei Jahren.
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