Die Hofkirche St. Leodegar in Luzern.
Schweiz

Missbrauchsprävention: Luzerner Kirche lässt neu auch Freiwillige schulen

Die Katholische Kirche der Stadt Luzern verstärkt ihr Engagement im Bereich Missbrauchsprävention. Verschiedene Personengruppen müssen neu eine Schulung besuchen. Dazu zählen nebst anderen die zentralen Dienste – und die Freiwilligen.

Barbara Ludwig

Seit Jahren werden in der katholischen Kirche der Stadt Luzern kirchliche Mitarbeitende mit einer bischöflichen Beauftragung (Missio) darin geschult, wie sie sich zu verhalten haben, damit es nicht zu Übergriffen, Grenzverletzungen und Machtmissbrauch kommt. Dies sind insbesondere in der Seelsorge tätige Personal.

Nun werden die Schulungen auf weitere Personengruppen ausgeweitet. Gleichzeitig hat die Katholische Kirche der Stadt Luzern, die neun Pfarreien umfasst, ein Strategiepapier erarbeitet, wie sie es in einem Communiqué mitteilte. Seit dem 1. Januar 2026 ist es in Kraft. Es trägt den Titel «Zum Schutz vor Grenzverletzungen und Machtmissbrauch. Präventions- und Interventionsmanagement der Katholischen Kirche Stadt Luzern».

Obligatorisch für Personal der zentralen Dienste

Die ganztägige Basisschulung zu den neusten Standards, um Grenzen zu achten und zu schützen, sei nun für alle rund 200 festangestellten Mitarbeitenden auch aus offiziell «nicht sensiblen Bereichen» obligatorisch, so das Communiqué. Also auch für Sakristane, Sachbearbeiterinnen, Gäste- und Raumbetreuer, Religionslehrpersonen, Pfarreimitarbeiter und Kirchenmusiker.

Auch das Personal der zentralen Dienste nimmt demnach an einer Basisschulung teil. Zu diesen zählen Stab und Sekretariate, Personal, Finanzen, Bau und Marketing. Fürs laufende Jahren sind zehn Basisschulungen vorgesehen.

Freiwillige in «sensiblen Bereichen»

Doch der Kreis der Geschulten soll noch grösser werden. Im nächsten Jahr werden sich die Mitglieder des Grossen Rates, also das Kirchenparlament, und des Kirchenrates, der Exekutive, ausbilden lassen. Weitere Gruppen seien zudem Aushilfen und Freiwillige.

Ingrid Schmid, Mediensprecherin der Katholischen Kirche der Stadt Luzern.
Ingrid Schmid, Mediensprecherin der Katholischen Kirche der Stadt Luzern.

«Neu müssen sich auch Freiwillige, die sich in sensiblen Bereichen engagieren, schulen lassen», sagt Ingrid Schmid, Mediensprecherin und Leiterin Fachbereich Kommunikation/Marketing, auf Anfrage von kath.ch. Dabei handle es sich um Bereiche, in denen «naturgemäss ein Machtgefälle besteht».

Beispiele seien etwa die Arbeit mit Kleinkindern in sogenannten «Krabbeltreffs», die Vorbereitung und Begleitung von Räbeliechtli-Umzügen, Hausbesuche bei älteren Menschen, das Bringen der Kommunion zu alten und kranken Menschen oder die Sterbegleitung, wo sich ebenfalls Freiwillige engagieren.

Normen und Regeln weiterentwickelt

Das Engagement der Kirche im Kampf gegen Missbrauch ist nicht neu. Die Kirche sensibilisiere schon lange zum Thema Nähe und Distanz, schreibt die Luzerner Kirche. Zur Begründung, warum es nun ein neues Strategiepapier gebe, heisst es: «Die Normen, Regeln und Interventionsabläufe wurden in den vergangenen Jahren massgeblich weiterentwickelt.»

Ein Beispiel: Im Falle eines Missbrauchs oder wenn ein Verdacht bestehe, wende sich die betroffene oder dritte Person an die neue unabhängige Meldestelle des Bistums. Im Bistum Basel ist dies die Hess Advokatur in Sursee LU. «Diese leitet alle nötigen Schritte ein. Drittpersonen stellen somit nicht wie früher selbständig Ermittlungen und Nachfragen an.»

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Die Hofkirche St. Leodegar in Luzern. | © kath.ch
19. Februar 2026 | 12:00
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