Drei Bistümer koordinieren ihre Missbrauchs-Prävention
Die drei Bistümer der Deutschschweiz wollen bei der Missbrauchs-Prävention stärker zusammenarbeiten. Um dies umzusetzen, wird – nach zwei Kündigungen – eine neue Fachpersonen gesucht, die für die Bistümer Chur und Basel gleichzeitig tätig ist – und nationale und internationale Netzwerke pflegt.
Regula Pfeifer
Die Bistümer Chur und Basel suchen gemeinsam eine neue Präventionsbeauftragte oder einen neuen Präventionsbeauftragten, wie in einer Ausschreibung auf kath.ch zu lesen ist (16. Januar). Dabei handle es sich um eine Kaderstelle zu 70 Prozent, die im Jobsharing ausgeübt werde, heisst es.
Die gesuchte Person soll demnach an der Umsetzung der Richtlinien der Schweizer Bischofskonferenz zu sexuellen Übergriffen im kirchlichen Umfeld sowie des Schutzkonzepts für seelische, geistige und körperliche Unversehrtheit mitwirken.
Prävention in zwei Bistümern
Die gesuchte Fachperson wird für die Prävention im kirchlichen Umfeld der Diözesen Chur und Basel zuständig sein – mit Aufgaben in den Bereichen Weiterbildung, Beratung, Organisationsunterstützung und Öffentlichkeitsarbeit. Gleichzeitig wird sie verantwortlich sein für die Vernetzung mit kirchlichen und nichtkirchlichen Facheinrichtungen beziehungsweise Fachstellen gegen sexuelle Übergriffe – und zwar national wie international.
Die neue Präventionsbeauftragte soll die Zusammenarbeit des Bistums Chur mit dem Bistum Basel erweitern, heisst es in der Ausschreibung. Die Idee ist offenbar, eine Fachperson zu finden, die in zwei Diözesen für die Prävention zuständig ist. Modell dafür ist Dolores Waser Balmer. Sie arbeitet als Präventionsbeauftragte sowohl für das Bistum Chur als auch für das Bistum St. Gallen – zu je 50 Prozent.
Die Brückenbauerin St. Gallen-Chur
Waser Balmer selbst bezeichnet es als «Privileg», dass sie sich für die Präventionsarbeit in den beiden Bistümern einsetzen könne. Die beiden Bistümer könnten davon profitieren und voneinander lernen, sagte sie in einem Beitrag auf der St. Galler Bistumsseite.
Wird nun mit der Stellenausschreibung eine neue Fachperson gefunden, die sowohl für das Bistum Chur als auch für das Bistum Basel arbeitet, kann auch diese Brücke in Sachen Prävention gebaut werden. Damit würden die drei Deutschschweizer Bistümer in Sachen Missbrauchsprävention intensiver zusammenarbeiten.
Synergien und Know-how
«Bis anhin hat jede Diözese eine eigene Präventionsstelle gehabt», schreibt Nicole Büchel, Kommunikationsbeauftragte des Bistums Chur, auf Anfrage. «Es ist einsichtig, dass eine interdiözesane Zusammenarbeit in diesem Bereich viele Vorteile und Synergien mit sich bringt.» Und sie fügt an: «Die drei Bistümer streben in der Tat eine engere Zusammenarbeit im Bereich der Prävention an. Ob es eine interdiözesane Präventionsfachstelle sein wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.»
Auch der Sprecher des Bistums Basel, Jonas Spirig, betont, man wolle «die Gelegenheit nutzen gegenseitig von Erfahrungen zu profitieren, Know-how zu bündeln und somit die Qualität und Effizienz der Präventionsarbeit beizubehalten und weiter zu steigern.»
Aktuell günstige Konstellation
Wie Büchel erklärt, ist vor kurzem eine «günstige Konstellation entstanden, um die Zusammenarbeit zwischen Basel und Chur, beziehungsweise zwischen den drei Diözesen zu realisieren.» Tatsächlich haben zwei Präventionsbeauftragte ihre Stelle gekündigt. Im Bistum Chur verabschiedet sich Elene Furrer, im Bistum Basel Sieglinde Kliemen. Das bestätigen die jeweiligen Kommunikationsbeauftragten.
Anstellungsbehörde für diese neue Fachperson wird die Katholische Kirche im Kanton Zürich sein, so Nicole Büchel. «Die Finanzierung der Präventionsstelle wird aber von den sieben kantonalen Körperschaften des Bistums Chur getragen», fügt sie an. Und das Bistum Basel werde das Pensum der neuen Fachperson in seinem eigenen diözesanen Bereich selber finanzieren.
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