Caritas-Mitarbeiterin Jenifa Maputo im Gespräch mit einer Familie im Gorom Camp.
Schweiz

Livia Leykauf von Caritas Schweiz: Papstbesuch würde Druck auf Südsudans Friedensabkommen erhöhen

Der Südsudan ist ein an Bodenschätzen reiches Land. Aber wegen Korruption und Machtkonflikten leben die Menschen in grosser Armut. Die Caritas Schweiz unterstützt trotz Geldkürzungen die Menschen in unterschiedlichen Projekten. Caritas-Kommunikationsleiterin Livia Leykauf war kürzlich vor Ort.

Jacqueline Straub

Sie kommen gerade von einer Reise aus dem Südsudan zurück. Wie ist die Lage dort?

Livia Leykauf*: Die Sicherheitslage ist höchst angespannt. Es herrscht ein offener Machtkonflikt zwischen dem Präsidenten Salva Kiir Mayardit und Vizepräsident Riek Machar. Immer wieder kommt es zu Gewaltausbrüchen zwischen den beiden Lagern. Das fragile politische Gleichgewicht ist erschüttert. Darüber hinaus sind in verschiedenen Teilstaaten noch weitere lokale, militarisierte Gruppen in die Kämpfe involviert. Viele befürchten, dass das Land erneut in einen Bürgerkrieg abrutscht.

Die Geflüchteten aus dem Sudan leben oft über Jahre unter einfachsten Bedingungen.
Die Geflüchteten aus dem Sudan leben oft über Jahre unter einfachsten Bedingungen.

Vor Ort konnten Sie mit Menschen sprechen. Was sind die grössten Probleme und Herausforderungen?

Leykauf: Die Angst vor einem erneuten Bürgerkrieg bereitet grosse Sorgen. Die weit verbreitete Korruption lässt die Bevölkerung in einem Land, das reich an Bodenschätzen ist, verarmen. Konkret heisst das: die Gesundheitsversorgung, die Infrastruktur und der öffentliche Sektor liegen weitgehend brach. Zudem herrscht im Nachbarland Sudan ein brutaler Krieg, vor dem bis heute rund eine Million Menschen in den Südsudan geflohen sind. All das führt dazu, dass sich die humanitäre Krise rasant verschärft.

Im Sommer ist der Boden im Camp voll mit Staub, im Winter mit Schlamm.
Im Sommer ist der Boden im Camp voll mit Staub, im Winter mit Schlamm.

Die Kürzungen der Gelder von USAID oder UN-Organisationen bekommen die Menschen im Südsudan stark zu spüren. Wie versucht die Caritas dagegenzuhalten?

Leykauf: Die Kürzungen sind überall zu spüren, viele Projekte wurden mit verheerenden Folgen eingestellt. Das betrifft die Trinkwasserversorgung ebenso wie die Lebensmittelverteilung und den Gesundheitsbereich. Die Caritas leistet daher in Flüchtlingslagern medizinische Grundversorgung. In einem anderen Projekt liegt der Schwerpunkt auf der Stärkung der Zivilbevölkerung. So erhalten zum Beispiel Frauen ein kleines Startkapital und Know-how, um einen Kiosk zu eröffnen. Das macht es möglich, die Familie selbstständig zu versorgen. Mit diesem Ziel bieten wir auch Basiskurse in Landwirtschaft an.

«Wir sind seit mehr als 50 Jahren im Südsudan tätig.»

Was würde die Caritas im Südsudan gerne leisten, kann es aber nicht?

Leykauf: Der Bedarf ist in allen Bereichen riesig, gerade weil andere Organisationen aufgrund der Kürzungen ihre Unterstützung einstellen mussten. Wir sind seit mehr als 50 Jahren im Südsudan tätig, haben zuverlässige Partner. Mit ihnen könnten wir unsere Projekte rasch ausbauen, sei es in der nachhaltigen Landwirtschaft, im Management von natürlichen Ressourcen oder im medizinischen Bereich, wie im Gorom Camp. Aber dazu bräuchte es schlicht mehr finanzielle Mittel.

Livia Leykauf, Leiterin Kommunikation bei Caritas Schweiz
Livia Leykauf, Leiterin Kommunikation bei Caritas Schweiz

Wie ist die Zusammenarbeit von Caritas mit den Kirchen im Südsudan?

Leykauf: Die katholische Kirche zählt im Südsudan zu den tragenden gesellschaftlichen Kräften. Insbesondere im sozialen und humanitären Bereich übernimmt sie landesweit Verantwortung. Über die Pfarreien erreicht sie abgelegene Regionen. Viele Projekte werden von der lokalen Caritas umgesetzt. Unser Projekt im Gorom Camp realisieren wir gemeinsam mit Caritas Juba. Die Unterstützung erfolgt konsequent unabhängig von Religionszugehörigkeit.

Die Wasserversorgung ist eines der grossen Probleme im Leben der Geflüchteten.
Die Wasserversorgung ist eines der grossen Probleme im Leben der Geflüchteten.

Wie haben Sie persönlich die Reise erlebt? Was hat Sie ratlos zurückgelassen und was schenkte Ihnen Freude?

Leykauf: Dem jungen Staat – der Südsudan wurde erst 2011 gegründet – gelingt es nicht, die ethnischen Spannungen zu entschärfen, die immer wieder politisch angeheizt werden. Das macht mich ratlos. Auf meiner Reise habe ich erlebt, wie sehr dieser Konflikt Lebenswege blockiert. Junge Menschen können ihre Ausbildung nicht abschliessen, Familien verlieren ihre wirtschaftliche Grundlage. Gleichzeitig beeindruckt mich, mit welcher Würde und Entschlossenheit viele Menschen versuchen, unter schwierigsten Bedingungen ihren Alltag zu bewältigen.

«Ein erneuter Besuch würde Öffentlichkeit schaffen.»

Der Papst wird bald nach Afrika reisen und Angola besuchen. Was würde ein Besuch von Leo XIV. im Südsudan bewegen können?

Leykauf: Papst Franziskus war ja 2023 im Südsudan. Sein Besuch hatte vor allem symbolische Kraft. Ein erneuter Besuch würde Öffentlichkeit schaffen und den politischen Erwartungsdruck erhöhen, das Friedensabkommen im Südsudan einzuhalten. Zudem würde er die Kirche im Südsudan in ihrer Rolle als Vermittlerin und Friedensakteurin stärken. Nicht zuletzt könnte Papst Leo XIV. das Bewusstsein schärfen, dass Stabilität und Hilfe nur gesichert werden können, wenn auch zusätzliche Mittel mobilisiert werden.

*Livia Leykauf ist Leiterin der Abteilung Kommunikation bei der Caritas Schweiz.

Anzeige ↓     Anzeige ↑

Caritas-Mitarbeiterin Jenifa Maputo im Gespräch mit einer Familie im Gorom Camp. | © Caritas
22. Februar 2026 | 17:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!