Pfarrer Markus Dettling aus Einsiedeln: «Agatha-Brot ist ein besonderes Brot»
Am 5. Februar ist der Gedenktag der heiligen Agatha: Sie starb als Märtyrerin für den christlichen Glauben. Die Hintergründe des Brauches sind sehr blutig, denn das Martyrium der Heiligen – der Schutzpatronin gegen Feuer und Brände – bestand nicht nur darin, dass sie mit glühenden Kohlen gequält wurde. Der Brauch des Agatha-Brots ist noch sehr lebendig – vor allem in katholischen Stammlanden. Ein Augenschein in Einsiedeln.
Wolfgang Holz
Das Agatha-Brot wird in den Bäckereien gesegnet, bevor es verkauft wird. Doch wer gedacht hat, dass ein Priester am Morgen in die Bäckerei geht und die Agatha-Brote segnet, liegt falsch.
Brotrohlinge im Kühlraum gesegnet
Markus Dettling, Priester im schwyzerischen Einsiedeln und verantwortlich für die «Viertel» Egg, Euthal und Willerzell, besuchte die Bäckerei Winet in Euthal schon am Vorabend des St. Agatha-Tags.
«Im Kühlraum der Bäckerei habe ich die Brotrohlinge auf riesigen Backblechen mit Weihwasser gesegnet, bevor sie in den Backofen gekommen sind», berichtet Pfarrer Dettling von der Pfarrei Einsiedeln gegenüber kath.ch.
Wobei in der Innerschweiz vor allem «Agatha-Ringli» gebacken werden – anderswo sind Agatha-Brote ganz normale Brote oder Brötchen, die gesegnet werden. Dettling hat bereits ein Agatha-Ringli zum «Z’Morge» gegessen. Laut der Bäckerei Winet sind sage und schreibe 1600 Teiglinge gebacken worden.
Aus Zopfteig mit zweifachem Eianstrich
In Einsiedeln knetet man in der Regel für das Agatha-Ringli einen Zopfteig und in Schwyz einen Mütschliteig. Für die Schwyzer Version formt man einen Teigstrang, bildet damit einen Kreis und fügt ihn an beiden Enden zusammen; die matte Oberfläche erhält vier Einschnitte. Das Einsiedler Ringli ist geflochten und glänzt dank zweifachem Eianstrich.
Wobei das Agatha-Brot nicht nur gegessen wird, sondern auch in Häusern und Ställen aufgehängt wird – «zum Schutz gegen Feuer, Brände und Blitzschlag. «Das ist ein alter Volksbrauch, den auch meine Grossmutter gepflegt hat», erzählt Pfarrer Markus Dettling, der aus Schwyz stammt.
Das Agatha-Brot sei eben ein «besonderes Brot», das für Gläubige eine spezielle Wirkung haben könne. Schon allein das lateinische Wort «benedicere», das zu Deutsch segnen bedeute, könne auch mit «jemandem etwas Gutes sagen» übersetzt werden. Und dieses «gutzusagen», komme bei Gläubigen nach wie vor gut an. «Gesegnete Objekte, auch etwa gesegnete Marienmedaillons, sind heutzutage gefragter denn auch schon», so Dettling.
Im Kuhstall aufgehängt
Auch Bauer Alois Kälin aus Euthal hängt in seinem Kuhstall und in der Stube des bäuerlichen Wohnhauses traditionell gesegnete Agatha-Ringli als Schutz gegen Brände, Blitzschlag und Krankheiten auf.
In Ställen wird von Bauern ein Stück dieses Brotes auch deponiert als Schutz- und Heilmittel für das Vieh. «Auf dem Land hat das Agatha-Brot noch mehr Bedeutung, wo es in den Ställen aufgehängt und zur Alpzeit den Kühen verfüttert wird, damit sie eine gesegnete Alpzeit verbringen können», verrät Ingrid Schmid, Mediensprecherin der Katholischen Kirche Stadt Luzern, gegenüber kath.ch.
In Einsiedeln fünfmal Feuer
Im Lexikon der Volksbräuche «Brauchtum in der Schweiz» ist beim Agatha-Brot auch «von einer noch vielerorts bekannten Form des Brotopfers» die Rede. Ist das neue Brot gebacken und gesegnet, wirft man das alte nämlich nicht in den Abfall, sondern übergibt es den Flammen.
Apropos Flammen. Grundsätzlich ist die Verehrung der heiligen Agatha tief verankert in der Einsiedler Ortstradition. Denn Kloster und Dorf Einsiedeln wurden in den fast 1100 Jahren ihrer Existenz fünfmal Opfer einer Feuersbrunst. Die Märtyrerin ist seit altersher Schutzpatronin vor Feuersgefahr.
In der Schweiz und im deutschsprachigen Raum gilt die heilige Agatha sogar als Schutzpatronin der Feuerwehren. Neben dem heiligen Florian wird ihr Gedenktag genutzt, um an die Bedeutung des Einsatzdienstes, die Gefahren von Brandbekämpfung sowie an den Schutz für Einsatzkräfte zu erinnern. Viele Feuerwehren feiern um den 5. Februar eine Agatha-Feier mit einer Andacht.
Grauenhafte Geschichte der Märtyrerin
Wobei die Vita der heiligen Agatha selbst auf sehr leidvolle Weise mit Feuer und Flammen verbunden ist. Ebenso wie die Geschichte zu den Agatha-Broten – die eine weibliche Brust darstellen sollen. Denn das Schicksal der Agatha von Catania, die im dritten Jahrhundert auf Sizilien gelebt haben soll, gehört zu den grauenhaftesten Märtyrergeschichten der Kirche.
Als junge Frau verschrieb sie sich jungfräulich dem Glauben und lehnte den Heiratsantrag des heidnischen Statthalters, Quintinian, ab. Weil Agatha ihn zurückgewiesen hatte, liess sie der Statthalter quälen und zwangsweise in ein Bordell verschleppen.
Brüste abgeschnitten
Da sie ihn nach dieser Zeit immer noch ablehnte, wurde sie verurteilt, und der barbarische Statthalter liess ihr die Brüste abschneiden. Auf glühenden Kohlen soll Agatha dann gestorben sein. Nach Agathas Tod soll ein von ihr getragener Schal, der am Boden aufgelegt worden war, verhindert haben, dass Catania beim Ausbruch des Ätna von der glühenden Lava vernichtet worden ist.
Zurück nach Einsiedeln. Am Sonntag, 8. Februar, begehen die Mönche im Kloster nach dem Gedenktag der heiligen Agatha noch immer einen besonderen Gebetstag zur Abwendung von Feuersgefahr. Dieser zeichnet sich besonders durch die Vesper mit Aussetzung des Allerheiligsten und einer Prozession zur Gnadenkapelle aus.
Diese abendliche Gebetszeit der Mönchsgemeinschaft beginnt um 16.30 Uhr in der Klosterkirche. Als Himmelsträger für das allerheiligste Sakrament kommen Mitglieder der Einsiedler Zünfte zum Einsatz. Die übrigen Gottesdienste am Sonntag, 8. Februar, insbesondere das feierliche Konventamt um 9.30 Uhr und die Pilgermesse um 11 Uhr, folgen der im Kloster Einsiedeln üblichen Sonntagsordnung.
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