Sie leiten den Frauenbund Schweiz (v. l.): Fabienne Roos, Iva Boutellier, Pia Viel, Katharina Jost Graf, Barbara Schmid-Federer, Lydia Corradini-Renggli
Schweiz

Papst bezeichnet Abtreibungen als «Zerstörer des Friedens» – Schweizer Frauenbund hält dagegen

Papst Leo XIV. äusserte sich kritisch zu Schwangerschaftsabbrüchen – und stellt diese in Zusammenhang mit Krieg und Frieden. Der Frauenbund Schweiz betont, dass Frieden nicht durch die Kriminalisierung von Frauen entsteht.

Jacqueline Straub

Papst Leo XIV. hat sich bei einer Audienz zum Thema Abtreibung geäussert und zitierte dabei mit den Worten der heiliggesprochenen Mutter Teresa (1910-1997), dass Schwangerschaftsabbrüche die «grössten Zerstörer des Friedens» seien.

Es könne keinen Frieden geben, so das katholische Oberhaupt, ohne den Krieg zu beenden, den die Menschheit gegen sich selbst führe. «Nur wer sich um die Kleinsten kümmert, kann wirklich Grosses leisten.»

Papst Leo XIV.
Papst Leo XIV.

Auf Anfrage von kath.ch äussert sich der Frauenbund Schweiz zu den Aussagen des Papstes mit einer Stellungnahme. «Als besonders problematisch erachtet der Frauenbund Schweiz die Art und Weise, wie Schwangerschaftsabbrüche in einen direkten Zusammenhang mit Krieg, Frieden und politischer Verantwortung gestellt werden.»

Hochkomplexe globale Konflikte

Bei der Audienz sagte Papst Leo XIV. zudem: «Keine Politik kann sich in den Dienst der Völker stellen, wenn sie diejenigen, die zur Welt kommen wollen, vom Leben ausschliesst, wenn sie denen nicht hilft, die in materieller und spiritueller Not sind.» Diese Aussage erachtet der Frauenbund als problematisch, «weil sie hochkomplexe globale Konflikte und politische Verantwortung auf die individuellen Entscheidungen von Frauen verkürzt».

Sarah Paciarelli
Sarah Paciarelli

Sie vermische staatliches Handeln mit persönlichen Gewissensentscheidungen und verschiebe die Verantwortung für Krieg und Frieden einseitig auf Frauen, die sich in einer oft existenziellen Notlage befinden. «Damit werden strukturelle Ursachen von Unfrieden wie Machtmissbrauch, Gewalt, Ungleichheit, Armut und politische Verantwortungslosigkeit ausgeblendet», sagt Sarah Paciarelli, die für Kommunikation und Politik beim Frauenbund Schweiz zuständig ist.

Friede entstehe nicht durch moralischen Druck oder Schuldzuweisungen an Frauen, «sondern durch gerechte gesellschaftliche Strukturen, soziale Sicherheit, Solidarität und die konsequente Achtung der Gleichwürdigkeit aller Menschen», heisst es in der Stellungnahme weiter.

Friedensfahnen
Friedensfahnen

Der Frauenbund Schweiz betont, dass nachhaltiger Frieden dort möglich ist, wo Frauen aktiv in Friedensprozesse einbezogen werden. Schon heute leisten Frauen weltweit einen wichtigen Beitrag zu Versöhnung, Stabilität und gesellschaftlichem Wiederaufbau. «Anstatt Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, für Krieg und Unfrieden mitverantwortlich zu machen, wäre es zielführender, sie als unverzichtbare Akteurinnen des Friedens zu stärken. Frieden entsteht dort, wo Frauen gehört, beteiligt und in ihrer Würde ernst genommen werden.»

Oftmals Notlage

In der Stellungnahme betont der Frauenbund auch, dass für den Verbandsvorstand Abtreibung kein Verbrechen ist und dass er sich gegen die Diffamierung von Frauen, die sich in einer Notlage für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden müssen, wendet. Denn einige dieser Entscheidungen seien Ausdruck von existenziellen, sozialen, wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Zwangslagen. Vielmehr verdienen die Frauen «Mitgefühl, Begleitung und Unterstützung statt Verurteilung».

Katharina Jost Graf, Co-Präsidentin Frauenbund Schweiz
Katharina Jost Graf, Co-Präsidentin Frauenbund Schweiz

«Jede Frau, die sich trotz Notlage für die Mutterschaft entscheidet, die ein ungeplantes Kind zur Welt bringt, aber auch jede Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch vornimmt, hat Anspruch auf Unterstützung der Gesellschaft, Respekt, Begleitung und Zuwendung. Dies ist eine Grundforderung christlicher Nächstenliebe», sagt Katharina Jost Graf, Co-Präsidentin des Frauenbunds Schweiz, in der Stellungnahme.

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Schon heute unterstützt der Frauenbund Schweiz mit einem Solidaritätsfonds für Mutter und Kind Frauen und Familien, die in Not geraten sind. Dieser trägt dazu bei, dass Frauen, die sich trotz schwieriger Umstände für die Geburt eines Kindes entscheiden, Solidarität und konkrete Unterstützung erfahren.


Sie leiten den Frauenbund Schweiz (v. l.): Fabienne Roos, Iva Boutellier, Pia Viel, Katharina Jost Graf, Barbara Schmid-Federer, Lydia Corradini-Renggli | © Aya Baalbaki
3. Februar 2026 | 12:00
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