Schweiz
Kardinal Kurt Koch: «So wie ein Kirchturm sichtbar ist, sollte auch eine Moschee mit Minarett sichtbar sein dürfen»
Kardinal Kurt Koch ist neuer Präsident des Hilfswerks «Kirche in Not», das glaubensverfolgte Menschen unterstützt. Er sagt in einem Interview im «Forum», mit welchen Gefühlen er seine neue Aufgabe gestartet hat und dass es eine neue Offenheit für die Religion in der Öffentlichkeit braucht: Zum Schutz und zur Toleranz gegenüber allen Religionen.
Wolfgang Holz
«Ich habe diese Aufgabe als Präsident des Hilfswerks «Kirche in Not» mit grosser Dankbarkeit begonnen», versichert Kardinal Kurt Koch im «Forum»-Interview*. Denn «Kirche in Not» nehme sich seit jeher ganz konkret der Menschen an, die verfolgt werden, Diskriminierung oder Gewalt erleiden. «Das finde ich sehr wichtig. Bei «Kirche in Not» freut mich zudem die enge Verbindung zwischen Diakonie, also sozialem Einsatz für die Menschen, und Frömmigkeit oder Spiritualität.»
Verfolgung stärker ins Bewusstsein rücken
Im Hinblick auf die Verhinderung von Christenverfolgung müsste die Christenverfolgung nach Ansicht von Kardinal Kurt Koch in westlichen Ländern stärker ins Bewusstsein gerückt werden. «Etwa 80 Prozent aller Menschen, die aus Glaubensgründen verfolgt werden, sind Christen. Das ist hierzulande zu wenig bewusst. Wir reden oft über Antisemitismus, und das ist richtig, denn das ist eine schreckliche Geisel. Aber wir müssen beides sehen.» Es sei deshalb schön, wenn Repräsentanten anderer Religionsgemeinschaften darauf hinweisen, so Koch, dass es auch eine Christenverfolgung gebe.
Religion oft nur noch Privatsache
Man brauche zudem «eine neue Offenheit für die Religion in der Öffentlichkeit», so Koch. «In unseren westlichen Gesellschaften wird die Religion oft als Privatsache bezeichnet und deshalb nicht gerne öffentlich sichtbar gemacht.
«Ich kenne Muslime, die ihre Kinder in den katholischen Religionsunterricht geben. Für sie ist nicht das Christentum das Problem, sondern die Religionslosigkeit der öffentlichen Welt.»
Doch eine Gesellschaft, die die Religion aus ihrer Öffentlichkeit verdrängt, ist interreligiös nicht dialogfähig. Ich kenne Muslime, die ihre Kinder in den katholischen Religionsunterricht geben. Für sie ist nicht das Christentum das Problem, sondern die Religionslosigkeit der öffentlichen Welt.»
Die Gesellschaft leide an einem gebrochenen Verhältnis zur Religion, ist Kardinal Kurt Koch überzeugt. Er plädiert in diesem Zusammenhang deshalb auch dafür, dass in der Öffentlichkeit Zeichen von allen Religionen sichtbar sein sollten. «So wie ein Kirchturm sichtbar ist, sollte auch eine Moschee mit Minarett sichtbar sein dürfen. Wir können nicht ehrlich für die Glaubensfreiheit unserer eigenen Glaubensgeschwister in anderen Ländern eintreten, und dafür, dass das Christentum dort, wo es lebt, auch sichtbar sein darf, wenn wir dasselbe nicht bei uns auch tun gegenüber anderen Religionen. Sonst werden wir unglaubwürdig.»
*Der Artikel von Beatrix Ledergerber-Baumer ist im «Forum», dem Magazin der katholischen Kirche im Kanton Zürich, als erstes erschienen. Kardinal Kurt Koch präsidiert seit November 2025 das Hilfswerk «Kirche in Not» mit Sitz in Luzern.
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