Katholische Kirchgemeinde will eine Million Franken zur Dorfbelebung investieren
Ende Februar darf die Versammlung der katholischen Kirchgemeinde in Unterägeri ZG darüber abstimmen, ob sie für rund eine Million Franken ein ehemaliges Eventlokal im Dorf kaufen will. Der Kirchenrat plant einen neuen Ort der Begegnung in der knapp 10’000-Einwohnergemeinde und hat dafür schon ein klares Konzept.
Wolfgang Holz
Was man täglich sieht, begehrt man. So lautet das Zitat aus dem weltbekannten Kinoklassiker «Das Schweigen der Lämmer». Dieses könnte irgendwie auch auf die katholische Kirchgemeinde in Unterägeri im Kanton Zug zutreffen. Denn jedes Mal, wenn man aus dem Portal der katholischen Pfarrkirche Richtung Dorf schaut oder schreitet, hat man das Haus «Central» an der Zugerstrasse 13 direkt im Blick.
Plakatives Kreditbegehren
Mit dieser Blickachse illustriert die Kirchgemeinde denn auch sehr plakativ ihre Einladung zur Kirchgemeindeversammlung am 24. Februar, auf der nur ein einziges Traktandum steht: «Kreditbegehren für den Kauf von Stockwerkeigentum, Grundstück Nr. 21147, Zugerstrasse 13 «Central», sowie für Anpassungen, Anschaffungen und den Betrieb als Ort der Begegnung».
Die Kirchgemeindeversammlung soll konkret darüber entscheiden, ob man für insgesamt 948’000 Franken das zum Kauf stehende ehemalige Event-Lokal an der Zugerstrasse erwerben soll – Betriebskosten inklusive Sach- und Personalaufwand für 2026 und 2027 wohlgemerkt gleich mit eingerechnet.
«Menschen etwas Wesentliches zurückgeben»
Grund: Über Jahrzehnte hinweg sei das Restaurant des ehemaligen Hotels Post «ein Ort gewesen, an welchem Einwohnerinnen und Einwohner unseres Dorfes sich getroffen und ausgetauscht haben», ist in der Begründung des Kreditbegehrens zu lesen. Nun böte sich für die katholische Kirchgemeinde die Möglichkeit, mit dem Kauf des «Central» den Menschen in Unterägeri etwas Wesentliches zurückzugeben, «was unser Dorfleben ausmacht: Die etwa 50 Personen fassende Lokalität soll ein Ort der Begegnung, Gemeinschaft und Gastfreundschaft werden.»
So weit, so schön. Dabei verfügt die katholische Kirchgemeinde eigentlich bereits mit dem Pfarreiheim Sonnenhof einen Ort der Begegnung. Der Sonnenhof erfüllt laut Kirchenrat seine Funktion als Raum für pastorale und pfarreiliche Anlässe. Er werde regelmässig für Veranstaltungen mit grösserem Platzbedarf, unter anderem für Versammlungen der Kirchgemeinde und des Pfarreirats, genutzt. Er verfüge aber über keine festgelegten Öffnungszeiten und sei nicht als dauerhaft zugänglicher Begegnungsort konzipiert, argumentiert der Kirchenrat. «Gastronomische Angebote sind sehr gut möglich, müssen jedoch extern organisiert werden.»
«Der Begegnungsort schafft Gelegenheiten, in denen Beziehungen entstehen, wachsen und gepflegt werden können.»
Diese Nutzungslücken sollen mit dem neuen Ort der Begegnung geschlossen werden. Ein konkretes Konzept wird bereits präsentiert. Im Zentrum soll die Begegnung zwischen Menschen stehen. «Der Begegnungsort schafft Gelegenheiten, in denen Beziehungen entstehen, wachsen und gepflegt werden können. Er bietet Raum für Jung und Alt, für Familien, Alleinstehende sowie für Menschen, die neu im Dorf sind», heisst es im Kreditbegehren.
«Mami Café» und noch viel mehr
Durch regelmässige Angebote werde Gemeinschaft nicht nur ermöglicht, sondern aktiv gefördert. Das christliche Werteverständnis wird dabei als Grundlage des Handelns angesehen: Gastfreundschaft, Offenheit und Respekt sollen die Atmosphäre und die Angebote des Begegnungsortes prägen.
Konkret heisst dies: Ein Gastronomiebetrieb mit regelmässigen Öffnungszeiten soll der Grundstock sein. Des Weiteren sind vor allem soziale Begegnungen geplant – etwa vom «Mami Café» mit Platz für Kleinkinder über Senioren-Zmittag bis zum «Kafi mit…». Die Kirchenräte könnten sich im Rahmen von Freiwilligenarbeit vorstellen, nach dem Gottesdienst Kirchgängerinnen und Kirchgänger im neuen Ort der Begegnung zum Gespräch zu treffen.
Angebote für Freizeit und Kultur
Darüber hinaus ist beabsichtigt, dass der neue Begegnungsort in Unterägeri als eine Plattform für Freizeit und Kultur sowie für Gesellschaft und Dorfpolitik funktioniert. Jassen, Brettspiele, Singcafé, kulturelle Veranstaltungen und vieles mehr soll künftig an der Zugerstrasse 13 möglich sein. Auch Vermietungen an andere Veranstalter und Vereine sowie Nutzungen für Familienfeiern sind angedacht.
Aber ist tatsächlich ein Bedarf für so einen Ort der Begegnung gegeben? Der Unterägerer Kirchenrat meint ja, indem er sich auf eine durchgeführte Umfrage abstützt. «Ein Ort der Begegnung wird von der grossen Mehrheit, über 90 Prozent der Teilnehmenden als wichtig oder sehr wichtig für das Dorfleben eingeschätzt und als zentraler Treffpunkt gewünscht», so der Kirchenrat.
Umfrage mit 200 Rückmeldungen
Von beinahe 200 Rückmeldungen seien ein Drittel sogar sehr ausführlich mit Ideen und Vorschlägen als auch mit dem Angebot freiwillig mitzugestalten eingegangen – «ein klares Zeichen wie positiv ein Begegnungsort für Unterägeri wirken kann».
Was das Geld für die Finanzierung des Begegnungszentrum angeht, sind die finanziellen Mittel laut Kirchenrat übrigens durchaus vorhanden – angesichts deutlicher Überschüsse in der Jahresrechnung 2025 sowie zukünftiger Perspektiven im Steuerausgleich. «Das Betriebskonzept des Zukunftsprojekts soll langfristig sozial tragfähig, flexibel und ausbaufähig sein.»
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




