Jan Probst von «Kirche in Not»: «Der Händedruck des Papstes war angenehm fest und beruhigend»
Die Religionsfreiheit hat sich weltweit verschlechtert – das zeigt der neueste Bericht von «Kirche in Not» (ACN). Jan Probst, Schweizer und Liechtensteiner Nationaldirektor der Organisation, hat jüngst zusammen mit anderen Ländervertretern die Ergebnisse Papst Leo XIV. präsentiert. Im Interview berichtet er, wie er die persönliche Begegnung mit dem Pontifex erlebt hat.
Wolfgang Holz
Herr Probst, Sie waren jüngst bei Papst Leo XIV., um dem Heiligen Vater die Ergebnisse der Religionsfreiheitsstudie 2025 von «Kirche in Not (ACN)» vorab mitzuteilen. Wie haben Sie denn die Begegnung mit dem Papst erlebt?
Jan Probst: Für mich war es wirklich eine grosse Ehre, vom Papst empfangen zu werden. Es gibt ja viel heiligere und wichtigere Personen als mich, die es verdient hätten, den Papst persönlich zu treffen. Ich habe deshalb versucht, diese in Gedanken in meinen Besuch beim Papst miteinzubeziehen. Eine solche Begegnung erlebt man nicht oft – ich war natürlich etwas nervös, aber vor allem tief erfüllt und dankbar.
«Wir mussten ziemlich lange warten, dann hörten wir Schritte.
Wie ist denn die Begegnung mit dem Papst konkret abgelaufen?
Probst: Wir mussten ziemlich lange warten, bis der Papst zu uns gekommen ist. Wir waren etwa 20 Minuten vor dem vereinbarten Termin vor Ort und wurden in einen Saal des Vatikans geführt, der eine Art Konzertbestuhlung aufwies. Unsere Delegation umfasste 28 Personen. Wir waren beeindruckt und sehr unruhig zu Beginn und sprachen miteinander. Während der rund 50 Minuten, die wir wohl insgesamt warteten, wurde es dann allmählich immer ruhiger. Es herrschte plötzlich eine wunderbare Stille. Dann hörten wir Schritte…
…das war dann der Papst?
Probst: …nein. Zunächst erschienen ein Priester, zwei Bischöfe und ein Kardinal. Letzterer meinte gleich: Nein, er sei nicht der Papst, und alle Anwesenden mussten spontan lachen. Eine weitere Viertelstunde später kam dann endlich Papst Leo XIV.
«Er machte einen unheimlichen vifen Eindruck. Sein Auftritt wirkte sehr entschlossen, vital, sportlich.»
Und wie war das?
Probst: Der Papst wurde begleitet von zwei Personen von der Organisation. Er machte einen unheimlichen vifen Eindruck. Sein Auftritt wirkte sehr entschlossen, vital, sportlich, und er verströmte sofort eine positive Aura. Es war ein Auftritt mit viel Drive. Er begrüsste uns sakral mit «Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes». Dann präsentierte er unseren Religionsfreiheitsbericht. Es war ihm sofort anzumerken, dass für ihn Religionsfreiheit ein wichtiges Thema ist – schliesslich wurde er in seiner Zeit als Bischof von Chiclayo in Peru in seinen Projekten durch «Kirche in Not» stark finanziell unterstützt. Dies dauerte ungefähr eine Viertelstunde.
Und dann?
Probst: Dann bildete sich spontan eine Reihe von Personen, die Papst Leo XIV. persönlich die Hand schüttelten. Zuerst begrüssten ihn Spitzenfunktionäre unserer Organisation. Mein amerikanischer Kollege sprach lange mit ihm. Ich persönlich reihte mich am Ende der Schlange ein und gab dem Papst als Vorletzter die Hand.
Wie haben Sie den Händedruck des Papstes empfunden?
Probst: Papst Leo hat einen angenehm festen Händedruck. Ich fühlte mich sofort angenehm berührt und habe mich sehr wohlgefühlt. Die Begegnung hat mir gutgetan. Er hat mir auch klar in die Augen gesehen. Er sagt dann noch auf Englisch zu mir: «Sie kommen aus einem sehr schönen Land». Die Begegnung dauerte etwa zwei Minuten.
Was bedeutet Ihnen dieses persönliche Treffen mit dem Papst?
Probst: So eine Begegnung mit dem Papst gibt einem schon Kraft. Sie vermittelt einem das Gefühl von Boden und Halt und schenkt einem eine Art von innerer Ruhe.
Sie waren ja nicht das erste Mal bei einem Papst?
Probst: Das ist richtig. 2019 hatte ich eine rund 20-minütige Privataudienz für «Kirche in Not» beim emeritierten Papst Benedikt XVI. zusammen mit einem südrussischen Bischof. Auch Papst Benedikt war ein fantastischer Mensch. Er war glasklar im Verstand. Aufgrund seiner gesundheitlichen Situation und seines Alters wurde er aber schnell müde. Nach einigen Minuten der kurzfristigen Ruhe war er dann aber wieder voll präsent im Gespräch.
«Kirche in Not» hat dem Papst den Religionsfreiheitsbericht 2025 vorab vorgelegt. Wie es denn um die Religionsfreiheit weltweit bestellt – in wenigen Sätzen?
Probst: Die Religionsfreiheit ist ein wichtiges Menschenrecht, vielleicht das wichtigste Menschenrecht überhaupt. Die weltweite Situation der Religionsfreiheit ist leider schlechter geworden: In rund einem Drittel aller Länder weltweit ist die Religionsfreiheit eingeschränkt. Das hat vor allem mit Entwicklungen politischer und gesellschaftlicher Entdemokratisierung zu tun, mit zunehmenden Diktaturen. Insbesondere in Ländern wie China, Nordkorea, Venezuela, im ganzen arabischen Raum, in Russland und Nicaragua hat sich die Religionsfreiheit deutlich verschlechtert.
Seit 25 Jahren geht der Bericht «Religionsfreiheit weltweit» der Frage nach, wie es in 196 Ländern um dieses Grundrecht steht, sagt Regina Lynch, Geschäftsführende Präsidentin von «Kirche in Not» (ACN) International. Dabei handele es sich um die weltweit einzige Studie dieser Art, die nicht von einer staatlichen Stelle erstellt wird. Seit der ersten Ausgabe, die 1999 erschien, seien die Autorinnen und Autoren bestrebt, eine universelle Perspektive einzunehmen. «In zahlreichen Ländern kommt es zu offener Gewalt. Gläubige werden ermordet, andere kommen ins Gefängnis. Kultstätten werden zerstört oder beschlagnahmt», so Lynch. In anderen Ländern werde die Religionsfreiheit zwar gewaltlos, aber ebenso wirksam eingeschränkt, zum Beispiel durch bürokratische Hürden, Zensur, Verbot des Religionsunterrichts und verschiedene Formen von sozialer Diskriminierung. Die Ursachen seien vielfältig. Lynch: «Religiöser Extremismus ist nach wie vor ein Motor für Gewalt und Nötigung, insbesondere in Afrika.» In Lateinamerika habe sich die Lage deutlich verschlechtert, wobei die Entwicklungen in Nicaragua besonders besorgniserregend seien. «Dort werden Geistliche und religiöse Institutionen systematisch verfolgt, Bischöfe, Priester und Missionare des Landes verwiesen», so Lynch. «Kirche in Not» ist eine Stiftung päpstlichen Rechts, die 1947 als Hilfswerk für notleidende und verfolgte Christen gegründet wurde. Weltweit werden Christen, die in Bedrängnis sind, mit pastoraler und materieller Hilfe unterstützt. «Dank grosszügiger Spenden helfen wir mit unseren Projekten seit mehr als 75 Jahren dort, wo katholische Gläubige diskriminiert, unterdrückt und verfolgt werden, den Glauben lebendig zu halten. Jedes Jahr finanziert «Kirche in Not» mehr als 5’000 Projekte in rund 140 Ländern», so Lynch. (woz)Erster Bericht erschien 1999
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