Isabella Rütti-Buonfrate erhält die Witwenweihe. Links Pastoralraumpfarrer Stefan Kemmler.
Schweiz

Seltenes Ritual: Baslerin empfängt die Witwenweihe

Eine Katholikin aus Binningen BL hat unlängst in einer Basler Pfarrei die Witwenweihe empfangen. Damit verpflichtet sie sich zu einem zölibatären Leben im Glauben. Im Ehering steht nun auch der Name Jesus.

Regula Pfeifer

Die Katholikin Isabella Rütti-Buonfrate hat am 12. September vom emeritierten Weihbischof des Bistums Basel, Martin Gächter, die Witwenweihe erhalten. Die Weihe fand in der Kirche St. Marien in Basel statt, wie es in einer Mitteilung heisst.

Mit dem Segensritus sei das Versprechen verbunden, zölibatär zu leben, eine feste, persönliche und lebendige Gottesbeziehung zu leben, das Stundengebet der Kirche zu beten und karitativ in der Welt zu wirken, heisst es in der Mitteilung der Pfarrei. «Auf diesem Weg will die Witwe dem Ruf Jesu Christi folgen.»

Ehemann verstirbt an Krebs

Isabella Rütti-Buonfrate hatte 1999 geheiratet. Bereits 13 Jahre später starb ihr Ehemann an Krebs. Trotz der Trauer über seinen frühen Tod sei sie nicht zerbrochen, sondern habe sich intensiv von Gott getragen gefühlt und grosse innere Ruhe, Zuversicht und Frieden im Herzen gespürt, sagte Martin Gächter in seiner Predigt.

Grablichter und ein Grabgesteck stehen in der Dämmerung auf einem Friedhof.
Grablichter und ein Grabgesteck stehen in der Dämmerung auf einem Friedhof.

Sie sei danach der Frage nachgegangen, was Gott mit ihr vorhabe. So habe sie sich zu diesem Schritt der Lebenshingabe an Jesus entschieden. Mit der Witwenweihe möchte Rütti-Buonfrate ihrem Leben «eine tiefe innere Ausrichtung auf Gott geben und auch andere Menschen in ihrem Glauben ermutigen», heisst es weiter. Die Weihe besiegle das Ja der Witwe zu Jesus. Im Ehering stehe nun auch der Name Jesus.

Für Menschen mit chronischen Krankheiten da

Gelegenheit zum Engagement für Mitmenschen hat Isabella Rütti-Buonfrate in ihrem Beruf. Sie arbeitet im Informations- und Begegnungszentrum «Cura» des Basler Claraspitals. Dieses hilft Menschen mit einer chronischen Erkrankung die Situation anzunehmen, den Alltag zu bewältigen und die Lebensqualität zu erhalten oder wiederzugewinnen, wie auf der Webseite zu lesen ist. Kath.ch hat Rütti-Buonfrate am Freitag nicht erreicht.

An der Witwenweihe beteiligt war auch Stefan Kemmler, Pastoralraumpfarrer der Basler Pfarreien St. Marien und Allerheiligen. Er bestätigt auf eine entsprechende Frage von kath.ch: «Die Witwenweihe ist tatsächlich etwas Besonderes.»

Frühchristlich, vergessen und wiederentdeckt

Laut Mitteilung ist die Witwenweihe ein Segensritus, den es bereits im frühen Christentum gegeben hat. Damals habe es bereits den Witwenstand als Kirchlichen Stand gegeben, weiss Kemmler. Zwischenzeitlich sei er aber eher in Vergessenheit geraten, fügt er hinzu. «In den letzten Jahrzehnten wurde der Witwenstand als Kirchlicher Stand wieder neu entdeckt.» Dem Pastoralraumpfarrer ist nur eine weitere Witwenweihe in der Schweiz bekannt.

Dass das Ritual selten praktiziert wird, ist auch bei katholisch.de nachzulesen. Das deutsche Nachrichtenportal berichtete am vergangenen 4. März über eine Witwenweihe in Aachen. Diese hatte im Dezember 2024 stattgefunden. «Der Bischof musste erstmal recherchieren, was da zu tun ist», heisst es. (korrigiert, 12.10.25)

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Isabella Rütti-Buonfrate erhält die Witwenweihe. Links Pastoralraumpfarrer Stefan Kemmler. | © zVg
11. Oktober 2025 | 17:00
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