Jonas Raschle bei einer Wallfahrt nach Lourdes, 2023.
Schweiz

Jonas Raschle reist zur Heiligsprechung in Rom: «Carlo Acutis war sehr konsequent»

Erstmals wird am Sonntag mit Carlo Acutis ein Millenial heiliggesprochen. Auch Jonas Raschle (41) zählt zu dieser Generation. Er reist mit einer Gruppe aus der Schweiz zur Zeremonie in Rom. «Jesus war sein liebster Freund», sagt der Katholik aus Waldkirch SG über den künftigen Heiligen. Ivan Buschor (21) vom Verein «Freunde von Carlo Acutis» wird das Ereignis vielleicht online verfolgen.

Barbara Ludwig

Jonas Raschle reist mit einer Pilgergruppe aus der Schweiz nach Rom, wo am Sonntag Papst Leo XIV. Carlo Acutis (1991-2006) heiligsprechen wird. Der 41-Jährige präsidiert den Kirchenverwaltungsrat der Kirchgemeinde Waldkirch im Kanton St. Gallen. Und er steht dem schweizerischen Verein «Freunde von Carlo Acutis» nahe, ist aber nicht Mitglied.

Statue von Acutis in Auftrag gegeben

Die Statue von Carlo Acutis gehört dem schweizerischen Verein "Freunde von Carlo Acutis".
Die Statue von Carlo Acutis gehört dem schweizerischen Verein "Freunde von Carlo Acutis".

Vor vier Jahren schenkte Raschle dem damals gegründeten Verein eine Statue aus Holz, die den italienischen Teenager darstellt. Der Jugendliche hat ein Buch – eine Bibel oder einen Katechismus – unter dem rechten Arm, in der linken Hand trägt er eine Filmkamera. Was ebenfalls nicht fehlt: Der Rucksack, den Acutis auch auf Fotos trägt, ein Rosenkranz als Ausdruck seiner Frömmigkeit, ein Fussball, der für seine Jugendlichkeit steht, und ein kleiner Hund.

Jonas Raschle ist Mitglied der «Blauen Ritter», einem christlichen Ritterorden jüngeren Datums, der mehrere Patronatsstatuen sein Eigen nennt. «Ich fand, es wäre schön, wenn der Verein ‹Freunde von Carlo Acutis› auch eine Statue hätte», sagt Raschle gegenüber kath.ch. Und so habe er bei der traditionsreichen Ferdinanz Stuflesser- Holzschnitzerei im Südtirol – die sich als päpstlicher Hoflieferant bezeichnet – eine Statue nach einer Skizze des Franziskaners Michael Josuran aus Näfels GL anfertigen lassen. Zurzeit befindet sich die Statue im dortigen Franziskanerkloster Mariaburg.

Talente für Gott eingesetzt

«Die bevorstehende Heiligsprechung ist ein Fest für das Leben, das Carlo Acutis gelebt hat, für seine Begabungen. In seinem Leben zeigte sich Gottes Wirken. Das ist ein Grund zum Feiern.» Mit diesen Worten umschreibt Raschle seine Motivation, der Heiligsprechung des Teenagers in Rom beizuwohnen. Im Leben des an Leukämie verstorbenen Jugendlichen habe sich sehr deutlich die «barmherzige Liebe Gottes» gezeigt. So habe Acutis Essen verteilt, seine Schuhe gespendet und sei für seine Mitmenschen und Mitschüler dagewesen.

Zudem habe er seine Talente, etwa im Bereich Informatik, für Gott eingesetzt – zum Beispiel mit seinen Recherchen über eucharistische Wunder, die er einem Online-Verzeichnis dokumentierte.

«Es ist ein schöner Ansatz, wenn wir versuchen, den Glauben in unserem Umfeld zu leben.»

Der Ostschweizer bewundert, wie dieser junge Mensch sein Leben auf Gott ausrichtete. «In der heutigen Zeit ist das aussergewöhnlich. Carlo Acutis war sehr konsequent. Jesus war sein liebster Freund. Täglich besuchte er die heilige Messe. Er betete den Rosenkranz.»

Eine Frau und ein Mann fotografieren mit ihren Smartphones den Leichnam von Carlo Acutis in der Kirche Santa Maria Maggiore in Assisi am 3. Oktober 2020.
Eine Frau und ein Mann fotografieren mit ihren Smartphones den Leichnam von Carlo Acutis in der Kirche Santa Maria Maggiore in Assisi am 3. Oktober 2020.

Auch er versuche, den Glauben in den Alltag zu integrieren, täglich zu beten, in der Bibel zu lesen und «Gottes Gnade in der Eucharistie zu empfangen», sagt Raschle. Was ihm bei dem künftigen Heiligen besonders gefällt: «Carlo Acutis hat sich in den Dienst von Gott und den Menschen gestellt. Es ist ein schöner Ansatz, wenn wir versuchen, den Glauben in unserem Umfeld zu leben.»

Austausch im Bus

Am Freitag geht’s los. Jonas Raschle reist mit einem Car von Drusberg Reisen nach Rom, einem Einsiedler Unternehmen, das sich auf Carreisen für Pilger spezialisiert hat. Rund 30 Personen haben sich für die Fahrt nach Rom angemeldet, teilt Regula Fischer auf Anfrage mit. Auf der Rückfahrt seien es es gegen 40, weil dann Personen hinzukämen, die ihre bereits gebuchte Romreise verlängern, um an der Heiligsprechung teilnehmen zu können.

Jonas Raschle wird zum ersten Mal bei einer Heiligsprechung dabei sein. Er freue sich auf die Atmosphäre auf dem Petersplatz, das Zusammenkommen der Weltkirche, wie man es in Rom erleben könne. Er sei auch gespannt auf die anderen Leute, die in der Gruppe mitfahren, sagt der Ostschweizer. «Im Bus haben wir viel Zeit, um uns auszutauschen über Carlo Acutis, unseren Glauben, die eigenen Erfahrungen und das Leben generell.»

Live-Übertragung in Weesen

Ivan Buschor ist Mitglied im Vorstand des schweizerischen Vereins "Freunde von Carlo Acutis".
Ivan Buschor ist Mitglied im Vorstand des schweizerischen Vereins "Freunde von Carlo Acutis".

Nicht nach Rom reisen kann hingegen Ivan Buschor. Der 21-Jährige aus Näfels GL engagiert sich im Vorstand des Vereins «Freunde von Carlo Acutis». Weil er zurzeit Militärdienst leiste, könne er bei der Heiligsprechung nicht dabei sein, sagt er. «Ich hätte sie gerne vor Ort erlebt.»

Er habe jedoch die Möglichkeit, die Zeremonie online zu verfolgen. Für Gläubige, die nicht nach Rom reisen können, gibt es am Sonntagvormittag eine deutschsprachige Live-Übertragung in Weesen. Organisiert vom Freundesverein und vom Dominikanerinnenkloster, in dessen Räumlichkeiten die Übertragung gezeigt wird. Ob er diese Möglichkeit nutzen werde, sei noch offen, sagt Buschor. «Wenn ich Zeit habe, werde ich hingehen.»

Bei Carlo Acutis beeindrucke ihn, wie er die Medien und das Internet genutzt habe. «Er hat eucharistische Wunder im Internet präsentiert, um sie den Menschen näher zu bringen und den Glauben zu stärken.» In der Sammlung sei zum Beispiel das Wunder von Ettiswil LU aufgeführt. «Davon habe ich erst durch Carlo erfahren», so Buschor.

«Der Besuch am Grab von Carlo Acutis war megaschön.»

Er selbst kümmere sich unter anderem um die Webseite des Freundesvereins. Der junge Katholik ist seit der Erstkommunion Ministrant, sowohl in der lokalen Pfarrei als auch im Franziskanerkloster.

Carlo Acutis habe er über Pater Michael Josuran kennengelernt. Bei einer Jugendwallfahrt des Vereins habe man dessen Grab in Assisi besucht. Acutis’ Leichnam liegt dort in Trainingsjacke und Sportschuhen in einem Glasschrein. «Der Besuch am Grab war megaschön», erzählt Buschor. Was er dort erlebt habe, könne er kaum in Worte fassen. «Als ich das Glas berührte, spürte ich eine Verbundenheit mit Carlo. Das war faszinierend.»

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Jonas Raschle bei einer Wallfahrt nach Lourdes, 2023. | © zVg
4. September 2025 | 17:00
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