St. Verena-Kirche und Pfarrhaus in Risch
Schweiz

Risch ist «rich»: Katholische Kirchgemeinde weist ein dickes Plus auf

Dass der Kanton Zug reich ist, ist bekannt. Auch die Zuger Gemeinde Risch ist durch ihren grossen Anteil an ansässigen Millionären legendär. Schlägt sich das auch auf die Kirchenfinanzen nieder? Die Rechnung 2024 der Katholischen Kirchgemeinde schliesst jedenfalls mit einem satten Ertragsüberschuss von über 5,6 Millionen Franken ab.

Wolfgang Holz

Oben auf dem Hügel überm Zugersee thront in Risch neben historischen Bauernhäusern erhaben die St. Verena-Kirche. Die 1159 erstmals urkundlich erwähnte Pfarrkirche im heute barocken Stil lässt einen umfassenden und unverbauten Blick über den See zu. Mit ihrer Nähe zu den grosszügigen Parkanlagen von Schloss Buonas präsentiert sich die Pfarrkirche St. Verena als eindrucksvoller Kraftort. Und nicht nur das.

4’927 Katholikinnen und Katholiken

Auch die Katholische Kirchgemeinde Risch darf sich einer stabilen Situation erfreuen. Weist doch die Kirchgemeinde in der Rechnung 2024 mit einem Ertragsüberschuss von über 5,6 Millionen Franken auf. Ein erstaunlicher anmutender Betrag angesichts von nur 4’927 Katholikinnen und Katholiken (Stand: 31. Dezember 2024). Die Gemeinde Risch, die aus Ortsteilen Rotkreuz, Risch, Buonas und Holzhäusern besteht, zählt 11’500 Einwohner.

Privilegiert: Sicht vom Pfarrhaus in Risch auf den Zugersee
Privilegiert: Sicht vom Pfarrhaus in Risch auf den Zugersee

Seit 2012 hat Bischof Felix Gmür den Pastoralraum Zugersee Südwest installiert. Zum Pastoralraum Zugersee zählen die Pfarreien Risch (Risch-Buonas-Holzhäusern), Rotkreuz und das luzernische Meierskappel.

Sorgen die Millionäre für den Geldsegen?

Doch wie kommt es denn nun zu diesem Geldsegen in der Kasse der Kirchgemeinde? Sind es tatsächlich die vielen Millionäre in ihren Villen im Steuerparadies am Zugersee – wo ja auch das Domizil des früheren Novartis-Chefs Daniel Vasella steht? Oder sind solche kräftigen gewerblichen Steuerzahler wie Roche Diagnostics dafür ausschlaggebend?

Roger Repolusk ist Kirchenratspräsident der Kirchgemeinde Risch. Bereitwillig gibt er Auskunft zum dicken Finanzplus. «Der aussergewöhnliche Ertragsüberschuss ist hauptsächlich auf zwei Sondereffekte zurückzuführen. Die Kirchgemeinde Risch hat trotz des ausgewiesenen Ertragsüberschusses nicht 5,6 Millionen Franken mehr in der Kasse», versichert er gegenüber kath.ch.

Liegenschaften neu schätzen gelassen

Roger Repolusk, Kirchenratspräsident der Katholischen Kirchgemeinde Risch
Roger Repolusk, Kirchenratspräsident der Katholischen Kirchgemeinde Risch

Diese zwei Sondereffekte haben laut Repolusk nichts mit den Steuereinnahmen der Kirchgemeinde Risch zu tun. «Rund 80 Prozent dieses Ertragsüberschusses sind auf einen rein buchhalterischen Vorgang zurückzuführen», so der Kirchenratspräsident. Wie vom Gesetz verlangt, seien Liegenschaften des Finanzvermögens mindestens alle 10 Jahre neu zu bewerten. Und diese Wertanpassung erfolge nun in der Erfolgsrechnung.

«Im Jahr 2024 hat die Kirchgemeinde Risch ihre Liegenschaften neu schätzen lassen. Die Schätzung führte zu einem unrealisierten, nicht liquiditätswirksamen Bewertungsgewinn von 4,6 Millionen Franken», so Repolusk. «Die in der Bilanz ausgewiesen Buchwerte der Liegenschaften und dadurch das Eigenkapital haben sich zwar erhöht, effektiv handelt es sich aber nicht um einen Vermögenszuwachs, sondern um einen rein buchhalterischen Vorgang.»

Landverkauf im Wert von einer knappen Million

Des Weiteren habe aus der Veräusserung von Land in Risch an die Einwohnergemeinde Risch ein Gewinn von 843’920 Franken resultiert. Der «normale» Ertragsüberschuss betrage ohne diese Sondereffekte 218’572 Franken.

1937 erbaut: die katholische Kirche in Rotkreuz ZG, die unter Denkmalschutz steht und zum Pastoralraum Zugersee gehört
1937 erbaut: die katholische Kirche in Rotkreuz ZG, die unter Denkmalschutz steht und zum Pastoralraum Zugersee gehört

So weit, so schön. Stellt sich die Frage, was die Katholische Kirchgemeinde Risch eigentlich mit so viel Geld bzw. Vermögen unterm Strich macht. «Die Kirchgemeindeversammlung hat beschlossen, 100’000 Franken auf den Fonds für gemeinnützige Projekte im In- und Ausland zu übertragen. Damit kann der Kirchenrat zu gegebener Zeit sinnvolle Projekte – wie zum Beispiel die Bergsturzopfer in der Walliser Gemeinde Blatten – unterstützen, aber auch für andere aussergewöhnliche Ereignisse Gelder sprechen», erklärt Roger Repolusk.

Wie viel Geld nach Blatten geht, ist noch nicht klar

Unverändert sollen rund 914’000 Franken dem Konto «Reserve für Renovationen/Bauten» zugewiesen werden. Wie viel Geld nach Blatten geht, sei noch nicht entschieden. Im Ortsteil Rotkreuz baut die katholische Kirchgemeinde Risch ein neues Pfarreizentrum, wie kath.ch berichtete. Und nicht nur das: Gleichzeitig entstehen auch noch 16 neue Wohnungen, die im Kanton Zug Mangelware sind.

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Ob die Katholische Kirchgemeinde künftig auch bedürftige Kirchgemeinden bzw. Pfarreien in der Schweiz unterstützt, in denen keine Kirchensteuerpflicht herrscht, ist offen. «Spenden werden im Rahmen des jährlichen Budgets sowie aus dem obgenannten Fonds für verschiedene Projekte gesprochen», erläutert der Rischer Kirchenratspräsident. Im Jahr 2024 seien keine Spenden für Pfarreien ohne Kirchensteuern gesprochen worden.


St. Verena-Kirche und Pfarrhaus in Risch | © Wolfgang Holz
26. Juni 2025 | 16:00
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