Gebet für eine gute Bischofswahl: Gläubige unterstützen die Domherren
In der Kathedrale St. Gallen haben sich am Dienstagnachmittag rund 90 Gläubige eingefunden, um in einer Andacht für eine gute Bischofswahl zu beten. «Ich glaube fest, dass die Heilige Geistkraft wirkt, dass wir einen guten Bischof bekommen, genauso wie wir einen guten Papst bekommen haben», sagt eine engagierte Gläubige.
Regula Pfeifer
Sie kommen herein, einzeln, als Paar oder als kleine Gruppe. «Man kennt sich», sagt Brigitte Grawehr strahlend, die mit ihrem Partner in die Kathedrale St. Gallen gekommen ist. Und zwar für die Andacht vor der Bischofswahl durch die dreizehn Domherren des Bistums. Grawehr grüsst herzlich zwei Bekannte, die auf sie zusteuern.
Wunsch: ein Bischof für heutige Anliegen
Sie seien da, um zu beten, damit die Domherren einen guten Entscheid treffen, sagt Grawehr. Die Lektorin in der St. Galler Stadtpfarrei Winkel wünscht sich einen Bischof, «der sich für heutige Anliegen einsetzen kann». Ausserdem sei sie «Clausenmutter», fügt sie lachend an.
Auch Myrtha Koller will «einen Bischof, der passt in die heutige Zeit». Sie ist Lektorin der Dompfarrei. Also kenne sie wahrscheinlich die Kandidaten, die an diesem Nachmittag zum Bischof gewählt werden könnten. Während der Andacht will sie dafür beten, dass die Heilige Geistkraft die Domherren führe, damit sie die richtige Person zum Bischof wählten.
«Ich glaube fest, dass die Kraft wirkt, dass wir einen guten Bischof bekommen, genauso wie wir einen guten Papst bekommen haben. Darüber bin ich ganz glücklich», sagt sie.
Aktive in Dompfarrei und Bibelgruppe
Koller hat sich vorgängig auch an der Novene beteiligt, welche die Bibelgruppe der Heilig-Geist-Kapelle in der Kathedrale organisiert hat. Eine Bekannten spricht sie an, gemeinsam suchen sie einen Platz vorne in einer Kirchenbank.
René Bünzli grüsst auch hier und da. «Ich mache in der Dompfarrei mit und habe gute Kontakte zu allen, besonders zu Bischof Markus Büchel», erklärt er sein Interesse an der anstehenden Bischofswahl. Er kenne wahrscheinlich die Kandidaten auf der Liste, meint er. Um gleich zu relativieren: «Es kann aber auch eine Überraschung geben, wie bei der Papstwahl.» Da habe er nicht mit einem Amerikaner gerechnet.
Der vordere Teil der Kathedrale füllt sich, rund 90 Personen haben sich eingefunden, mehrheitlich ältere Semester. Um 14.30 schauen alle nach hinten. Dort ziehen nun die dreizehn Domherren ein – angeführt von einer Frau mit einem grossen, silbernen Vortragekreuz. Christine Brülisauer ist als Sakristanin in der Dompfarrei aktiv.
Bischof Büchel eröffnet die Bischofswahl
Sobald sich die Domherren und Bischof Markus Büchel in einem grossen Halbrund aufgestellt haben, sagt der Noch-Bischof zu den Anwesenden: «Es ist mir eine grosse Freude, dass Sie alle heute da sind – von den Behörden bis zum Volk Gottes.»
«Wir schreiten nun zur Bischofswahl», kündigt er an. Der zwölfte Bischof von St. Gallen werde an diesem Nachmittag gewählt. Büchel zeigt sich erfreut über die gute Vorbereitung durch das Domkapitel und dankbar für die guten Dienste von Nuntius Martin Krebs.
«Man ist stark angewiesen auf das Miteinander.»
der abtretende Bischof Markus Büchel
«Eine Bischofswahl ist etwas Grosses», meint er weiter. Doch zum Amt Ja sagen könne ein Bischof nur, wenn er von anderen getragen sei. «Man ist stark angewiesen auf das Miteinander», so Büchel.
Auf ein Lied folgt die Lesung einer jungen Lektorin. Sie berichtet aus der Apostelgeschichte. Und zwar von jenem Moment, als die Apostel einen Nachfolger von Jesus unter sich ausmachen mussten. Da zwei Kandidaten zur Wahl standen, riefen sie Gott an und sagten: «Zeig uns, wer das Amt übernehmen soll».
Domherren ziehen sich in Sakristei zurück
Nach weiteren Liedern und Gebeten – auch durch Bischof Büchel angeleitet – und einem Moment der Stille, formieren sich die Domherren und schreiten – in gleicher Formation durch das nun offene Gitter in den Chorraum. In die Sakristei ziehen sich ausschliesslich die dreizehn Chorherren zurück. Generalvikar Guido Scherer, der als Domdekan dem Domkapitel vorsteht, schliesst die Tür hinter sich.
Während sich die Medienleute zurückziehen, bleiben die Menschen, die zum Gebet gekommen sind. Sie sprechen immer wieder das extra zu diesem Anlass verteilte Gebet zur Bischofswahl. Darin werden Gott Sohn, Erlöser der Welt, Gott Heiliger Geist und Heiliger Dreifaltiger Gott angerufen – und einige Heilige. «Stärke uns im Gespräch mit anderen», heisst es da. «Fördere unser Gemeinwohl. Hilf uns zu verantwortlichem Handeln. Führe uns zu guten Entscheiden.»
Gegen 17 Uhr wird bekannt: Der neue Bischof ist gewählt. Wer es ist, wird erst am Donnerstag oder Freitag bekannt werden, heisst es seitens der Bistumskommunikation. Das Wahlresultat geht zuerst noch an den Vatikan.
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