Lena Rüegg, Geschäftsführerin von Jubla Schweiz
Schweiz

Jubla-Geschäftsleiterin über Bundes-Sparprogramm: «Das hätte weitreichende Folgen»

Der Bund will ein Drei-Milliarden-Defizit abwenden und hat dafür das sogenannte Entlastungspaket 2027 geschnürt. Darin sind auch Kürzungen bei der ausserschulischen Kinder- und Jugendförderung vorgesehen. Lena Rüegg von Jubla Schweiz sagt, warum das keine gute Idee ist.

Regula Pfeifer

Am Dienstag haben die drei grössten Kinder- und Jugendverbände der Schweiz mitgeteilt, weshalb sie sich gegen das Entlastungspaket 2027 des Bundes stellen, das auch Kürzungen im Bereich der Kinder- und Jugendförderung enthält. Die Jungwacht Blauring Schweiz (Jubla Schweiz), Pfadibewegung Schweiz und Cevi Schweiz äussern sich damit kurz nach Ende der Vernehmlassung vom 5. Mai.

Zentrale Pfeiler der Kinder- und Jugendarbeit

Die geplanten Kürzungen hätten «weitreichende Folgen für die nächste Generation», heisst es in der Mitteilung. Denn sie gefährdeten zentrale Pfeiler der Kinder- und Jugendarbeit, welche die involvierten Verbände leisteten.

Im Entlastungspaket 2027 ist genau aufgelistet, welcher Bereich wie viel sparen muss. Im Bereich der Kinder- und Jugendförderung sind Kürzungen von 1,4 Milliarden Franken für 2027 und 1,5 Milliarden Franken für 2028 eingeplant. Konkret geplant sind Kürzungen von zehn Prozent im Bereich der ausserschulischen Kinder- und Jugendförderung sowie der Sportförderung, weiss Lena Rüegg, Geschäftsleiterin von Jubla Schweiz. Bei Jugend und Sport würden 2,2 Prozent der Bundesbeiträge eingespart. 

75’000 Franken weniger

Die erwähnten zehn Prozent entsprechen beim Verband Jubla rund 75’000 Franken. Denn er erhält bisher für seine schweizweite Tätigkeit rund 750’000 Franken Bundessubventionen. Würde das Entlastungspaket 2027 umgesetzt, bekäme Jubla fortan noch rund 675’000 Franken.

Bei jedem Wetter: Waldspiel der Jubla
Bei jedem Wetter: Waldspiel der Jubla

Die Kürzungen der Bundessubventionen hätten hauptsächlich Folgen für die Aus- und Weiterbildungen der jungen, ehrenamtlich tätigen Leitungspersonen, sagt Lena Rüegg. Denn 80 Prozent der Bundesfinanzhilfen an die Jugendverbände fliessen direkt dahin. «Eine Reduktion dieser Beiträge hätte zur Folge, dass Ausbildungskurse gestrichen oder Teilnahmegebühren erhöht werden müssten.»

Weniger gut ausgebildete Leitende

Damit würde einerseits die Zugangsschwelle zu Kursen erhöht. Es gäbe auch weniger Kurse – also weniger gut ausgebildete Leitungspersonen. «Dies wiederum hätte Auswirkungen auf die Betreuungsqualität von Kindern und Jugendlichen, welche an unseren Aktivitäten teilnehmen», so Rüegg. Ausserdem würde die persönliche Entwicklung der Leitenden unter solchen Sparmassnahmen leiden. Denn diese erwerben in der Ausbildung nicht nur Leitungskompetenzen, sondern «wichtige Lebensfähigkeiten, die sie weit über ihr Engagement in der Jubla hinaus stärken», zeigt sich die Geschäftsführerin von Jubla Schweiz überzeugt.

Jubla Trubla Zirkusaktion, 2022
Jubla Trubla Zirkusaktion, 2022

Ebenso betroffen von den geplanten Sparmassnahmen wären die Bundesbeiträge für J+S-Lager. Die lokalen Jubla-Scharen erhielten weniger Geld für ihre Lager. Also würden ihre Lager teurer, für gewisse Familien nicht mehr bezahlbar, befürchten die Pfadi, Cevi und Jubla laut Mitteilung.

Einmal aktiv, immer aktiv

«Die Hauptbetroffenen wären Kinder und Jugendliche», schreibt Lena Rüegg. Doch die Auswirkungen wären gesamtgesellschaftlich problematisch. Denn Kinder und Jugendliche, die an J+S-Aktivitäten teilnehmen, halten eher einen aktiven Lebensstil bei, auch wenn sie älter werden.

«Werden solche Angebote unerschwinglich, verliert die Gesellschaft wichtige präventive Gesundheitsförderung.»

Das entnimmt Rüegg einer Sophya-Studie von 2024. Demnach wirke sich regelmässige Bewegung im Kindesalter – wie etwa durch Jubla-Lager gefördert – positiv auf die körperliche und psychische Gesundheit aus. «Werden solche Angebote unerschwinglich, verliert die Gesellschaft wichtige präventive Gesundheitsförderung», so Rüegg.

Jubla-Schreiben an die Bundespräsidentin

Dass sie gegen die geplanten finanziellen Kürzungen sind, haben die drei Verbände Pfadi, Jubla  und Cevi in der Vernehmlassung klargemacht. Ausserdem haben sie ein entsprechendes Schreiben direkt an Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter gerichtet.

Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, in einer Aufnahme von 2020.
Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, in einer Aufnahme von 2020.

Zudem seien sie im Austausch mit Parlamentsabgeordneten verschiedener Parteien. «Viele davon haben selbst eine Vergangenheit in der Jubla und wissen aus eigener Erfahrung, welchen Wert die Jugendverbandsarbeit hat», sagt Lena Rüegg. «Wir setzen darauf, dass sie sich im Parlament aktiv gegen die geplanten Kürzungen einsetzen werden.»

Befürchtetes Defizit abwenden

Das Entlastungspaket 2027 hat der Bund geschnürt, weil er in den Finanzplanjahren 2027 und 2028 strukturelle Defizite von bis zu drei Milliarden Franken erwartet. Die Ausgaben seien im Vergleich zu den Einnahmen schneller gewachsen – insbesondere in bei der Altersvorsorge und der Armee, schreibt das Eidgenössische Finanzdepartement in einem Beitrag vom letzten 16. April.

Das Entlastungspaket sieht Einsparungen von 2,7 Milliarden Franken im Jahr 2027 und 3,6 Milliarden Franken im Jahr 2028 vor, die mit 59 Massnahmen erreicht werden sollen. Das hat der Bundesrat 29. Januar 2025 aufgrund von Vorschlägen einer Expertengruppe beschlossen und die Vernehmlassung eröffnet.

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Gegen die Kürzungen haben sich bereits Ende März 50 Jugendverbände der Schweiz in einem offenen Brief gestellt. Dies nach der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA schrieb.


Lena Rüegg, Geschäftsführerin von Jubla Schweiz | © zVg
8. Mai 2025 | 12:00
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